Nebenwirkungen

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung mit Biontech? Israel und Hersteller nehmen Stellung

Schwere Nebenwirkungen beim Corona-Impfstoff von Biontech? Israel untersucht dahingehend Fälle von Herzmuskelentzündungen. Das Gesundheitsministerium bezieht nun Stellung. 

Update vom 28. April, 10.54 Uhr: Nach Berichten über Dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkung nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer hält Israels Gesundheitsministerium eine ungewöhnliche Häufung der Erkrankung für nicht erwiesen. Auch ein deutscher Experte findet die bisher bekannten Daten erstmal nicht besorgniserregend.

Israelische Medien hatten über eine Analyse berichtet, derzufolge 62 Fälle von Myokarditis aufgetreten seien - vor allem bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren. Davon seien zwei Patienten - ein Mann und eine Frau - gestorben. Insgesamt haben in Israel seit Beginn der Impfkampagne vor mehr als vier Monaten fünf der neun Millionen Einwohner eine Zweitimpfung erhalten.

In dem Land wurde nahezu ausschließlich mit dem Biontech/Pfizer-Präparat geimpft. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums teilte am Dienstag mit, ein Expertenteam überwache alle Nebenwirkungen der Corona-Impfungen und veröffentliche regelmäßig Berichte. Die in den Medien zitierte Analyse sei aber nicht vom Ministerium veröffentlicht worden.

„Sie zeigt keinen eindeutigen Anstieg der Sterblichkeit wegen der Impfung, und es ist auch nicht sicher, dass es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Zahl von Herzmuskelentzündungen gibt.“ Es handele sich gleichwohl um einen „wichtigen Bericht“, über den das Expertenteam in den kommenden Tagen beraten werde.

Die Ergebnisse der Beratung würden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Impfstoffhersteller Pfizer teilte mit, man sei über die Berichte in Israel informiert. „Wir haben keine Rate von Myokarditis beobachtet, die höher wäre, als man es in der allgemeinen Bevölkerung erwarten würde“, hieß es in der Mitteilung. „Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung wurde nicht festgestellt. Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beweis dafür, dass in Verbindung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ein Risiko von Myokarditis besteht.“

Nach Angaben des deutschen Kardiologen Dirk Westermannn wird das Auftreten von Herzmuskelentzündungen auf etwa 10 bis 20 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr geschätzt. Die Erkrankung trete normalerweise vermehrt bei jüngeren Patienten auf. Auslöser seien unter anderem Virusinfektionen. Über die Fälle in Israel sei bisher nur wenig bekannt, sagt der stellvertretende Klinikleiter des UKE Hamburg. Die Häufigkeit von 62 Fällen pro fünf Millionen Geimpften sei aber prinzipiell mit dem generellen Auftreten der Erkrankung erklärbar. 

Nebenwirkungen nach Biontech-Impfung: Israel untersucht „Dutzende Fälle“

[Erstmeldung vom 26. April] Hamm - In Windeseile wurden Impfstoffe gegen das Coronavirus hergestellt. Auf der einen Seite die Vektor-Impfstoffe wie der von Astrazeneca, der wegen diverser Thrombose-Verdachtsfälle nahezu ständig negativ in den Schlagzeilen stand. Daneben gibt es die mRNA-Impfstoffe - etwa von Biontech -, die als wirksamer und auch sicherer gelten. Doch auch bei diesem Vakzin gibt es nun einen Verdacht auf schwere Nebenwirkungen. (News zum Coronavirus)

UnternehmenBiontech
Gründung2008
CEOUğur Şahin (2008–)
HauptsitzDeutschland

Nebenwirkungen bei Corona-Impfungen mit Biontech: Israel untersucht „Dutzende Fälle“

Anlass für diese Bedenken sind Fälle von Herzmuskelentzündungen in Verbindung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in Israel. Das dortige Gesundheitsministerium hat daher angekündigt, diese zu untersuchen. Eine vorläufige Studie habe „Dutzende von Fällen“ einer Myokarditis bei mehr als fünf Millionen Geimpften gezeigt - hauptsächlich nach der zweiten Dosis. Das erklärte Nachman Ash, der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, am Sonntag.

Bislang sei aber noch nicht klar, ob die Anzahl der Personen mit Entzündung des Herzmuskelgewebes ungewöhnlich hoch sei - genauso wenig sei nachgewiesen, ob diese Fälle tatsächlich in Zusammenhang mit dem Vakzin von Biontech stehen.

Weil Myokarditis oft ohne Komplikationen ablaufe und durch eine Vielzahl von Viren verursacht werden könne, sei ein entsprechender Nachweis zwischen Erkrankung und Corona-Impfstoff schwierig.

Biontech/Pfizer äußert sich zum Verdacht von unerwünschten Nebenwirkungen beim Corona-Impfstoff

Pfizer sei sich „der israelischen Beobachtungen der Erkrankung bewusst, die überwiegend bei jungen Männern aufgetreten sei, die den Impfstoff von Pfizer/Biontech erhielten“, wie das Unternehmen auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters erklärte.

Dazu stellte es klar, das unerwünschte Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin regelmäßig und gründlich überprüft würden. Dabei habe das Unternehmen keine höhere Myokarditis-Rate beobachtet als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. „Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/Biontech darstellt.“

Impfen gegen Corona: Israel ist Spitzenreiter

Gemessen an der Bevölkerungszahl liegt Israel beim Impfen der Bevölkerung aktuell in Führung. Bereits knapp 60 Prozent der Menschen sind dort bereits geimpft - vornehmlich mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Dieses Vakzin verhindere sowohl Covid-19-Symptome wie auch schwere Verläufe der Krankheit, habe die landesweite Datenbank gezeigt.

Zuletzt standen vor allem die Corona-Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson wegen Thrombosen-Fällen in den Schlagzeilen. Doch auch bei den Vakzinen von Biontech und Moderna sei das nicht auszuschließen, wie eine Studie offenbarte. Ob es für Geimpfte künftig Lockerungen gibt, diskutiert am Montag (26. April) der Impfgipfel von Bund und Ländern.

Rubriklistenbild: © Cedric Nougrigat

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare