Preisanstieg an der Tankstelle

Benzinpreis über 2 Euro? Welchen Einfluss die Bundestagswahl darauf haben könnte

Steigt der Benzinpreis bald auf über 2 Euro? Ein Verbraucherschützer hält das für möglich. Welchen Einfluss die Bundestagswahl 2021 darauf haben könnte.

Hamm - Viele Autofahrer erleben in diesen Tagen einen regelrechten Schock, wenn sie eine Tankstelle ansteuern. Der Benzinpreis steigt immer weiter und nähert sich einem neuen Rekordniveau. 1,55 Euro kostete ein Liter Super E10 nach Angaben des ADAC im August 2021 durchschnittlich an den Zapfsäulen, für einen Liter Diesel wurden im Schnitt 1,38 Euro fällig. Doch ein Ende des Preisanstiegs ist noch nicht in Sicht: Ein Verbraucherschützer rechnet mit Benzinpreisen von über 2 Euro.

LandDeutschland
KanzlerinAngela Merkel
HauptstadtBerlin

Benzinpreis über 2 Euro? Bundestagswahl könnte Einfluss darauf haben

Er halte einen Benzinpreis von über 2 Euro pro Liter im Jahr 2022 für „absolut“ möglich, sagte Klaus Müller, Präsident des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, im ZDF-Morgenmagazin. Das führt der oberste Verbraucherschützer in Deutschland auf zwei Effekte zurück: „Wir wissen, dass aus Klimasichtsgründen Benzin teurer wird. Das hat die Bundesregierung schon beschlossen.“ Zudem gebe es „Effekte am Markt“, zum Beispiel Preiserhöhungen zur Urlaubszeit.

„Zur Wahrheit gehört auch dazu: Autofahren mit Verbrennungsmotor wird teurer werden“, sagte der frühere Umweltminister von Schleswig-Holstein. Doch weil gerade in ländlichen Regionen viele Menschen beispielsweise auf ein Auto angewiesen sind, fordert der Bundesverband Verbraucherzentrale ein „einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld“, das die Bürger entlasten soll. Zudem seien Investitionen in Bus und Bahn nötig, um Alternativen zu bieten.

Das Thema des Benzinpreises ist durch die Diskussion um die CO2-Preise auch im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021* präsent. Beim Wahl-O-Mat, der Wählern eine Entscheidungshilfe sein kann, dreht sich eine Frage darum, ob der Preis für eine Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid stärker steigen soll als bislang von der Bundesregierung beschlossen. Das Ergebnis bei der Wahl am 26. September könnte also möglicherweise einen Einfluss auf die weitere Preisentwicklung an den Tankstellen haben. Aber welche Partei will überhaupt einen höheren CO2-Preis?

Benzinpreis über 2 Euro? Das sagen die Parteien vor der Bundestagswahl

Als einzige aktuell im Bundestag vertretene Partei sprechen sich die Grünen für eine Erhöhung aus - und zwar auf 60 Euro pro Tonne bis zum Jahr 2023. Aktuell ist geplant, den bisherigen Preis von 25 Euro pro Tonne bis 2025 auf 25 Euro anzuheben. Die Grünen wollen nach eigenen Angaben mit einem höheren CO2-Preis „die Erfüllung es Klimaziels 2030“ absichern. Die Einnahmen, die der Staat dadurch generiert, soll als „Energiegeld“ an die Bürger zurückfließen.

Zwei Parteien haben sich dagegen klar gegen eine Erhöhung des CO2-Preises, die wohl unter anderem einen weiteren Anstieg der Benzinpreise in Deutschland nach sich ziehen würde, ausgesprochen: Die SPD, die sich derzeit mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz im Umfrage-Hoch befindet, hält nach eigener Aussage eine Klimapolitik, die „in erster Linie an der Preisschraube dreht“, für falsch. Damit drohe eine Spaltung der Gesellschaft in Menschen, die sich höhere Preise leisten können, und die, die es nicht können. Die AfD geht sogar noch einen Schritt weiter: „Jegliche Form der CO2-Besteuerung ist abzuschaffen.“

Partei findet CO2-Preis „ungerecht“ - und will gestiegene Benzinpreise ausgleichen

Die weiteren Parteien, die momentan im Bundestag sitzen, haben eine neutrale Haltung bei der Frage nach einer größeren Steigerung des CO2-Preises eingenommen. So wollen CDU und CSU, deren Umfrage-Werte zuletzt immer weiter sanken, „so schnell wie möglich zu einem europäischen Emissionshandel für Mobilität und Wärme übergehen“ und durch eine Abschaffung der EEG-Umlage „für eine Entlastung beim Strompreis sorgen“.

Ganz ähnlicher Meinung ist auch die FDP: „Den Preis für CO2 sollte nicht der Staat festlegen. Er sollte sich im Rahmen eines Emissionshandels am Markt bilden.“ Auch die Freien Demokraten wollen die EEG-Umlage abschaffen und die Stromsteuer absenken. Und die Linken finden den CO2-Preis „ungerecht“ - weil beispielsweise Mieter kaum Einfluss auf die Art der Heizung haben und manche Menschen auf ihr Auto angewiesen sind. Daher soll es „soziale Ausgleichszahlungen für alle, die es brauchen“ geben. Auf diese Weise sollen beispielsweise gestiegene Benzinpreise aufgefangen werden. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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