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Mittelspurschleicher voraus: Wann muss ich rechts fahren, wann nicht?

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Von: Daniel Schinzig

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Auf den Autobahnen gehören Mittelspurschleicher zu den unbeliebtesten Verkehrsteilnehmern. Aber: Wann muss man als Autofahrer überhaupt rechts fahren? 

Hamm - Eigentlich ist es ja ganz einfach: Wenn es irgendwie möglich ist, fahren wir auf der Autobahn in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland auf der rechten Spur. Ist vor uns jemand, der langsamer fährt als wir, wechseln wir nach links, um zu überholen. Doch immer wieder werden Autofahrer ausgebremst von Verkehrsteilnehmern, die den mittleren oder gar linken Fahrstreifen in Anspruch nehmen, obwohl rechts kein anderes Fahrzeug zu sehen ist. Da es verboten ist, rechts zu überholen, bleibt oft nur die Möglichkeit, zu bremsen und die eigene Fahrgeschwindigkeit zu verringern. Ärgerlich. Aber besteht wirklich immer die Pflicht, rechts zu fahren? Oder gibt es Ausnahmen?

Mittelspurschleicher voraus: Wann muss man rechts fahren?

Generell ist die Formulierung in der Straßenverkehrsordnung (StVO) relativ deutlich. Im §2 heißt es: „(1) Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte. Seitenstreifen sind nicht Bestandteil der Fahrbahn. (2) Es ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit.“

Kurz und knapp: Ja, es besteht in Deutschland tatsächlich die Pflicht, wann immer es geht, rechts zu fahren. Wer gegen das Rechtsfahrgebot verstößt, muss eine Strafe von 80 Euro zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Doch wie bei fast jeder Regel: Es gibt Ausnahmen.

In §7 der StVO steht: „(1) Auf Fahrbahnen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung dürfen Kraftfahrzeuge von dem Gebot möglichst weit rechts zu fahren (§ 2 Absatz 2) abweichen, wenn die Verkehrsdichte das rechtfertigt.“ Stellt sich die Frage: Wann rechtfertigt die Verkehrssituation die Ausnahme?

Mittelspurschleicher voraus: Wann gilt die Ausnahme vom Rechtsfahrgebot?

Auto Motor Sport hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Laut dem Bericht des Automagazins darf die mittlere Fahrbahn der dreispurigen Autobahn durchgängig befahren werden, wenn auf dem rechten Streifen hin und wieder Fahrzeuge unterwegs sind. Gerichte haben dieses „hin und wieder“ in der Vergangenheit weiter eingegrenzt. So muss der nächste Überholvorgang absehbar sein, wenn man auf der mittleren Spur bleiben möchte.

Genauer: Wenn die rechte Spur auf der Autobahn länger als 20 Sekunden befahrbar ist, ohne ein Überholmanöver einleiten zu müssen, ist man verpflichtet, rechts zu fahren. Das Problem an dieser Bestimmung: Sie ist nahezu nicht überprüfbar und bietet die Möglichkeit, ungestraft länger als erlaubt auf der mittleren oder rechten Spur der Autobahn zu verweilen.

Innerorts gilt übrigens auch ein Rechtsfahrgebot. Aber es ist nicht ganz so streng wie auf der Autobahn. Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen dürfen bei mehreren Fahrstreifen für dieselbe Richtung frei entscheiden, welchen sie nutzen. Es ist sogar erlaubt, rechts schneller zu fahren als links und dementsprechend rechts zu überholen.

Nicht nur das Rechtsfahrgebot sollten Autofahrer kennen. Auf den Straßen werden sie auch mit vielen unterschiedlichen Schildern konfrontiert. Übrigens: Es gibt eine neue Vorfahrtsregel.

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