Corona-Schutzimpfung

AstraZeneca-Impfstoff: Große Skepsis und Ablehnung wegen Nebenwirkungen

Nach Corona-Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca häufen sich Meldungen über Nebenwirkungen. Ein Überblick über Symptome - und die Ablehnung des Impfstoffs.

Hamm - Es war zunächst eine gute Nachricht, dass mit dem Präparat von AstraZeneca ein dritter Corona-Impfstoff in der EU zugelassen wurde. Doch es gibt derzeit vermehrt Meldungen über Nebenwirkungen bei Impflingen, die sich am Tag nach der Impfung krankmeldeten. Zudem wächst offenbar in der Bevölkerung Skepsis gegenüber dem Präparat - bis hin zur Ablehnung einer Impfung mit dem Impfstoff. Star-Virologe Christian Drosten schaltet sich ein. (News zum Coronavirus)

KonzernAstraZeneca
Gründung1999
SitzCambridge (GB), Södertälje (Schweden)
LeitungPascal Soriot, Marc Dunoyer, Leif Johansson

Nebenwirkungen von AstraZeneca-Impfstoff: Meldungen aus diesen Regionen, Kreisen und Städten

Sowohl in Schweden als auch in Deutschland wurden zuletzt aus verschiedenen Orten Nebenwirkungen von Impfungen mit dem AstraZeneca-Präparat gemeldet:

  • Sörmland (Schweden)
  • Dortmund, Deutschland (NRW)
  • Bochum (NRW)
  • Emden (Niedersachsen)

Schlagzeilen machte zuletzt die Region Sörmland in Schweden südwestlich von Stockholm. Die Region hatte die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin Ende vergangener Woche vorübergehend ausgesetzt, weil mehr Geimpfte als erwartet im Anschluss angegeben hatten, Fieber zu haben. Zunächst eine übliche Nebenwirkung von Impfungen. Der Schritt wurde nach Angaben der Region aber ergriffen, um die Häufung zu prüfen.

Am Donnerstag waren rund 400 Impfdosen an Mitarbeiter zweier Krankenhäuser in Nyköping und Katrineholm verabreicht worden. Am Folgetag hatten etwa 100 Personen angegeben, Nebenwirkungen zu haben, wie der Sender SVT berichtet hatte. Nun sollen die Impfungen mit dem AstraZeneca-Präparat aber zeitnah wieder aufgenommen werden. Die Begründung seitens der Region: Man habe Gespräche mit der nationalen Arzneimittelbehörde und dem Hersteller geführt und es gebe nichts, was auf Probleme mit dem gelieferten Impfstoff hindeute.

AstraZeneca-Impfstoff mit Nebenwirkungen: Mitarbeiter geimpft - ein Viertel von ihnen hat Symptome

Auch in Deutschland mehrten sich zuletzt Meldungen von Nebenwirkungen nach Impfungen mit AstraZeneca - etwa aus Dortmund, wo 304 Mitarbeiter des Rettungsdienstes geimpft worden waren, und sich ein Viertel der Einsatzkräfte am Tag danach krankmeldete - offenbar mit Nebenwirkungen wie Schüttelfrost und Fieber. Ähnliche Meldungen gab es auch aus Bochum und aus dem Kreis Minden-Lübbecke.

Im Klinikum Emden (Niedersachsen) hatten sich rund 30 Angestellte nach ihrer ersten Corona-Impfung mit dem Mittel des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca unter Verweis auf Nebenwirkungen krank gemelde. Die Angestellten hatten unter anderem Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber als Begründung angegeben.

Zu den Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffs betonte eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums am Dienstag: „Grundsätzlich sind die auftretenden Nebenwirkungen bekannt und ein Zeichen für die gewünschte Gegenreaktion des Körpers.“ Sie entsprächen als relativ häufig vorkommend, aber mild verlaufende und schnell vorübergehende Symptome den Hinweisen in der Fachinformation. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium berichtete jedoch auch, es habe einzelne Hinweise erhalten, dass die Impfbereitschaft mit Blick auf AstraZeneca bislang tendenziell verhalten ist. Das Ministerium betrachte dies mit Sorge. 

AstraZeneca-Impfstoff: Nebenwirkungen und geringere Wirksamkeit wecken Skepsis

Die Nebenwirkungen sind allerdings nicht der einzige Grund, warum in der Bevölkerung die Skepsis gegenüber eine Impfung mit dem AstraZeneca-Mittel wächst - bis hin zur Ablehnung. In den Bundesländern liegt das Präparat offensichtlich schon auf Halde. Bundesweit wurden von 736.800 bislang gelieferten Impfdosen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag, 16. Februar, lediglich 64.869 Dosen verimpft.

Verunsicherung gibt es laut einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Business Insider wegen der Wirksamkeit des Mittels. Verwiesen wird auf Studien, die für den Impfstoff von AstraZeneca eine Wirksamkeit von 70 Prozent ermittelt haben, 20 Prozentpunkte weniger als bei den Mitteln von Biontech und Moderna. Zudem darf der Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland wegen fehlender Daten zur Wirksamkeit bislang nur an unter 65-Jährige verimpft werden. Weiter berichtete das Magazin von „massenhaft“ ausfallenden Impfterminen, weil Berechtigte nicht erscheinen würden.

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist umstritten - derzeit wegen auftretender Nebenwirkungen, aber umso mehr wegen seiner geringeren Wirksamkeit im Vergleich mit den anderen Präparaten.

Dass der Impfstoff von AstraZeneca bereits ein Imageproblem habe, sagt der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Motgomery. „Es ist genau die Verunsicherung aufgetreten, die alle vermeiden wollten.“ Jetzt gelte es, den Impfstoff bevorzugt und früher an die zweite Prioritätengruppe zu geben. Montgomery äußerte Verständnis für medizinisches Personal, das sich nicht mit dem AstraZeneca-Vakzin impfen lassen wolle. „Der Impfstoff ist zwar genauso sicher wie die anderen und hat nach aktueller Studienlage auch nicht mehr Nebenwirkungen. Doch die geringere Wirksamkeit lässt sich nicht wegdiskutieren“, erläuterte er.

Daher halte er es für geboten, Menschen mit hohem Infektionsrisiko, zu denen medizinisches Personal oder Pflegekräfte gehören, mit besser wirksamen Vakzinen zu impfen. Junge, gesunde Menschen ohne viele Kontakte, deren Risiko für eine schwere Erkrankung sowieso geringer ist, könnten hingegen von AstraZeneca sehr profitieren. Alles in allem forderte Montgomery eine Auswahlmöglichkeit bei Impfstoffen. „Es muss eine Auswahlmöglichkeit der Impfstoffe für die Menschen geben, damit die Impfbereitschaft hoch bleibt“, sagte er der Rheinischen Post.

Der Virologe Christian Drosten hält den Corona-Impfstoff von AstraZeneca unverändert für ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Pandemie. Es gebe keinen Grund, in Deutschland nicht mit dem Mittel zu arbeiten, sagte der Charité-Virologe im Podcast „Coronavirus-Update“. Drosten sprach sich dafür aus, hierzulande unbedingt auch auf den nach seiner Einschätzung „sehr guten“ AstraZeneca-Impfstoff zu bauen.

AstraZeneca-Wirkstoff mit geringerer Wirksamkeit - das sagt das NRW-Gesundheitsministerium

Dem NRW-Gesundheitsministerium liegen unterdessen nach eigenen Angaben keine Daten zur Impfbereitschaft beim Angebot mit den Dosen von AstraZeneca vor. „Der zugelassene Impfstoff von AstraZeneca ist kein Impfstoff zweiter Klasse“, betonte eine Ministeriumssprecherin. Der Impfstoff zeige eine gute Wirksamkeit und eine gute Verträglichkeit, um schwere Erkrankungen mit SARS-CoV 2 zu verhindern. Aufgrund der derzeit begrenzten Impfmengen bestehe noch nicht die Möglichkeit, sich den Impfstoff auszusuchen.

Das NRW-Gesundheitsministerium empfiehlt aktuell, wegen möglicher Personalausfälle die Mitarbeiter der Rettungsdienste in kleinen Gruppen nach und nach gegen Corona zu impfen. „Im Rahmen der fachlichen Beurteilung vor Ort sollte geprüft werden, wie die Belegschaft einer Einrichtung zeitlich gestaffelt sinnvoll geimpft wird, um größere Personalausfälle zu verhindern“, sagte eine Ministeriumssprecherin der Rheinischen Post.

Bei den Corona-Impfungen in NRW hatte es am Wochenende Probleme bei Termin-Buchungen gegeben - mehrere Städte waren betroffen. - Mit Material von AFP und dpa

Rubriklistenbild: © Russell Cheyne/dpa

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