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Mythen über Alkohol: Kater mit Wasser vorbeugen? Welche Irrtümer es beim Trinken gibt

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Von: Hannah Decke

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Jeder kennt etliche Tipps und Trinkweisheiten, wie man einen Abend mit viel Alkohol gut überstehen kann. Aber welche stimmen? Alkohol-Mythen auf dem Prüfstand.

Hamm - Bei dem einen ist es Erfahrung, beim anderen Hörensagen: Um das Trinken von Alkohol ranken sich etliche Gerüchte. Und einige davon sind tatsächlich wahr - viele aber auch nicht. Oft handelt es sich um Trinkweisheiten, die weitergetragen werden, ohne dass sie jemals wissenschaftlich bewiesen wurden.

Macht „durcheinander Trinken“ wirklich betrunkener, und lässt sich ein Kater durch regelmäßiger Wassertrinken vorbeugen? Wie sieht es mit der Ernährung beim Alkohol trinken aus? Alkohol-Mythen auf dem Prüfstand.

Alkohol-Mythen: „Bier auf Wein, das lass sein ...“ - der Mischkonsum

Fangen wir mal mit einem sehr geläufigen Spruch an: „Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rat‘ ich dir.“ Macht es einen Unterschied, in welcher Reihenfolge Alkohol konsumiert wird und ob wir bei einer Sorte bleiben oder nicht? „Promillewert und Wirkung hängen immer von der konsumierten Menge reinen Alkohols ab. Je mehr getrunken wird, desto stärker sind die Folgen – auch am nächsten Tag“, sagt Andreas Kalbitz, Referent der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, im Gespräch mit dem Spiegel.

Ein schlimmer Kater rührt also nicht von „Bier auf Wein“, sondern einzig und allein von der Tatsache, dass zu viel Alkohol konsumiert wurde. Dass sich dieser Mythos in der Gesellschaft so hartnäckig hält, ist nicht verwunderlich, erklärt Kalbitz: „So etwas passiert meist an Abenden, an denen insgesamt viel getrunken wird: Irgendwann hat man von einem alkoholischen Getränk genug und wechselt zu einem anderen.“ Dadurch trinkt man einfach mehr - und bekommt am nächsten Tag die Rechnung dafür.

Alkohol-Mythen: Kater vorbeugen mit Wasser? Ein Irrglaube!

Ebenfalls ein Irrglaube: Ein regelmäßiges Glas Wasser beim Trinken beugt einem schlimmen Kater vor. Nun, schaden tut Wassertrinken nie. Aber nach einem Abend mit viel Alkohol gilt dasselbe Prinzip wie beim Mischkonsum: Am Ende zählt die Menge.

Wer also nach jedem Bier ein Glas Wasser trinkt, hat am Ende genauso viel Bier getrunken wie derjenige, der das Glas Wasser weglässt - und das zählt am Ende, wenn es um die Alkoholmenge im Blut geht. Wer natürlich jedes zweite Bier auslässt und stattdessen ein Wasser trinkt, kann einem schlimmen Kater vorbeugen.

Bier Alkohol
Wer Alkohol trinkt, kennt sie: die Trinkweisheiten. Was stimmt - und was nicht? © Finn Winkler/dpa

Wie viel Wasser sollte man jeden Tag trinken? Wir erklären, welche Menge gesund ist und wie Sie es hinbekommen, genug zu sich zu nehmen.

Dehydration: Entzieht Alkohol unserem Körper wirklich Wasser?

Und was ist mit der Dehydrierung? Alkohol entzieht dem Körper Wasser - das erzählt man sich schon seit Jahrzehnten. Und viele Wissenschaftler sind auch weiterhin der Meinung, dass dies der Fall ist. Ein Student von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat für seine Masterarbeit die „German Hangover Study“ durchgeführt und 214 Probanden im Namen der Wissenschaft Alkohol trinken lassen.

Das Ergebnis: „Ein Flüssigkeitsverlust infolge von Alkoholkonsum ist de facto nicht festzustellen. Das ist ein Mythos aus den 1950er-Jahren. Tatsächlich kommt es aber nicht zu einer Dehydration infolge von Alkohol“, heißt es in einer Veröffentlichung der Universität. In der Studie von Patrick Schmitt wurde dazu die Flüssigkeitsaufnahme und Urinausscheidung verglichen. Der Körper habe eine erhöhte Flüssigkeitsausscheidung, allerdings führe diese nicht zu einer Dehydrierung. Deshalb kommt auch Schmitt zu dem Schluss: Wassertrinken beugt keinen Kater vor.

Alkohol-Mythen: Essen vor dem Trinken - ja!

Kommen wir zum Essen beim Alkoholkonsum. Jeder kennt es: Bevor es in die Bar oder Diskothek geht, muss ordentlich gegessen werden - sonst kickt der Alkohol zu schnell rein. Und diese Theorie stimmt auch. „Alkohol wird langsamer in den Blutkreislauf aufgenommen, wenn man etwas im Magen hat. Deshalb ist es gut, vorher etwas zu essen“, erklärt Andreas Kalbitz. Wichtig: Der Alkohol gelangt auch bei vollem Magen auf jeden Fall in die Blutlaufbahn, nur eben verzögert.

Wer diese Trinkweisheit allerdings als Ausrede nutzt, um sich wenigstens einmal in der Woche eine große Pizza zu gönnen - Mythos: Fettiges Essen vor Alkohol -, den müssen wir enttäuschen. Es ist egal, was gegessen wird, Hauptsache der Körper bekommt Nahrung. „Dadurch wird die akute Wirkung des Alkohols etwas gedämpft, und sie tritt nicht ganz so plötzlich ein“, so Kalbitz. Ach und: Der Döner oder die Pizza nach dem Feiern nachts um 4 Uhr hat übrigens keinen Effekt mehr.

Viele werden es vermutlich niemals so weit kommen lassen. Aber auch Bier kann ablaufen - wie lange ist es dann noch trinkbar? Kann man es bedenkenlos genießen?

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