Steigen die Preise?

Aldi wirft Billigfleisch aus dem Sortiment - Discounter hebt Tierwohl hervor

In den Regalen von Aldi liegt derzeit viel Fleisch aus niedrigen Haltungsformen. Jetzt kündigt der Discounter an, dass mit dem Billigfleisch Schluss sein soll.

Hamm - Der Discounter Aldi hat angekündigt, dass kein Billigfleisch mehr in den Regalen liegen soll. In nächster Zukunft wird das noch nicht geschehen - dafür aber gemeinsam: Aldi Süd und Nord (beide mit Sitz in NRW) wollen umstellen.

UnternehmenAldi Nord und Aldi Süd
SitzEssen (Nord), Mülheim an der Ruhr (Süd)
Umsatz 201922,8 Milliarden Euro (Nord), 59 Milliarden Euro (Süd)

Aldi will Billigfleisch aus den Regalen verbannen - steigen die Preise?

Aldi will innerhalb von neun Jahren auf höhere Tierwohl-Haltungsformen umsteigen. Die klassische Massentierhaltung fällt ab 2030 damit weg, stattdessen soll das Fleisch im Discounter aus der Haltungsform 4 und 3 kommen - also von Tieren, die zumindest etwas Zugang nach draußen haben.

In einer Pressemitteilung teilte der Supermarkt-Riese mit, wie der Umstieg bis 2030 ablaufen soll. Wie sehr die Umstellung zu kosten der Kunden geht, steht noch nicht fest. Zu den Preisen heißt es bis jetzt: „Aldi tritt den Beweis an, dass ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Nachhaltigkeit sich keineswegs ausschließen“, sagte Tobias Heinbockel, Managing Director Category Management bei Aldi Nord.

Aldi ohne Billigfleisch? Diese Schritte sind beim Discounter geplant

Die Umstellung bei Aldi erfolgt zunächst nur im Frischfleisch-Sortiment. Ausdrücklich ausgenommen sind Produkte der (internationalen) Spezialitäten und aus dem Tiefkühlfach.

In den nächsten neun Jahren soll das Fleisch im Discounter von Rindern, Schweinen, Hähnchen und Puten aus den Haltungsformen 3 und 4 stammen.

  • Haltungsform 3: Tier erhalten mehr Platz im Stall und müssen Kontakt zum Außenklima haben - etwa durch eine nach außen offene Stallseite oder durch einen überdachten Außenbereich. Es darf kein Futter mit Gentechnik verwendet werden.
  • Haltungsform 4: Die „Premium“-Haltungsform bedeutet mindestens 100 Prozent mehr Platz für die Tiere als gesetzlich vorgeschrieben. Die Tiere müssen im Stall einen ständigen Zugang zum Auslauf oder in der Freilandhaltung gehalten werden. Das Futter muss ohne Gentechnik sein und zu 20 Prozent aus dem eigenen Betrieb oder der Region. Zur Haltungsform 4 zählt auch Bio-Fleisch.

Massentierhaltung bei Aldi am Ende: Warum braucht der Discounter für die Umstellung so lange?

Aldi Süd und Aldi Nord verkaufen nach eigenen Angaben 15 Prozent des Fleisches aus den Haltungsformen 3 und 4. Bis 2025 wollen die Discounter die Haltungsform 1 (Stallhaltung) vollständig abschaffen, bis 2026 sollen 33 Prozent des Umsatzes aus den Haltungsformen 3 und 4 kommen. 2030 soll die Umstellung dann abgeschlossen sein und das gesamte Frischfleisch aus den höheren Haltungsformen.

Aber warum braucht der Konzern neun Jahre, um das konventionelle Billigfleisch aus Massentierhaltung aus den Supermarkt-Regalen zu verbannen? Erik Döbele von Aldi Süd sagt, dass derzeit rund 90 Prozent der deutschen Landwirte auf konventionelle Art und Weise Tiere halten würden - also ohne Zugang nach draußen. Das könne man nicht von heute auf morgen ändern.

„Wir geben Landwirten und Verarbeitern über Jahre hinaus Planungssicherheit und schaffen einen starken, langfristig verlässlichen Absatzkanal für Tierwohl-Haltungsformen deutscher Landwirte. Gleichzeitig möchten wir an Politik, Handel und Industrie appellieren, gemeinsam mit uns an einem der bedeutsamsten Transformationsprojekte - der Zukunftssicherung der deutschen Landwirtschaft - mitzuarbeiten“, so Tobias Heinbockel von Aldi Nord. Er übt direkt Druck auf die Konkurrenz aus und äußert die Hoffnung, dass die Mitbewerber möglichst schnell nachziehen.

Mit den Corona-Selbsttests hingegen hat Aldi Probleme: Der Schnelltest ist beim Discounter erhältlich - jedoch verkauft er sich nicht gut. Die Corona-Tests für Zuhause hüten bei Aldi, Lidl & Co. die Regale - laut extratipp.de will sie niemand mehr haben. - *extratipp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini/dpa

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