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Hagen: Fernuniversität, Kulturzentrum und Tor zum Sauerland

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Weihnachtsmarkt in Freilichtmuseum Hagen.
Beleuchtete Fachwerkhäuser sind am 30.11.2014 auf dem Weihnachtsmarkt im Freilichtmuseum von Hagen (Nordrhein-Westfalen) zu sehen. © Ina Fassbender/dpa

Hagen ist vielen bekannt als Tor zum Sauerland. Doch die NRW-Großstadt hat auch eine große Universität und ist ein wichtiges Kulturzentrum. Ein Überblick.

Hagen - Genau zwischen Ruhrgebiet und Sauerland liegt in Nordrhein-Westfalen die Stadt Hagen. Doch die mit knapp 190.000 Einwohnern größte Stadt in Südwestfalen ist mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt. Die Großstadt hat aufgrund ihrer Gewässer und Grünflächen eine abwechslungsreiche Umgebung. Außerdem bietet Hagen mitsamt seiner Museen ein umfangreiches Kulturprogramm.

StadtHagen
BundeslandNordrhein-Westfalen
Fläche160,4 km²
Einwohner188.713 (31. Dez. 2021)
Postleitzahlen58089–58099, 58119, 58135
OberbürgermeisterErik O. Schulz (parteilos)

Das Tor zum Sauerland - So ist Hagen gelegen

Eingekesselt vom Ennepe-Ruhr-Kreis, der Stadt Dortmund sowie dem südlich angrenzenden Märkischen Kreis wird Hagen landläufig oft als „Tor zum Sauerland“ bezeichnet. Die Bezeichnung rührt nicht nur ob der geografischen Lage Hagens zwischen Ruhrgebiet und Sauerland, sondern spielt auch an seine Bedeutsamkeit im Fernverkehr an. Denn an Hagen ist zum Teil kein Vorbeikommen, es dient als Schnittstelle wichtiger Autobahn-Verbindungen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung.

Hagen ist sowohl Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe als auch im Regionalverband Ruhr. Damit gehört die NRW-Stadt offiziell dem Ruhrgebiet an. Zum Sauerland zählt Hagen nicht, auch wenn die Stadtteile Hohenlimburg, Dahl und Rummenohl bis an die sauerländische Grenze reichen. Damit ist Hagen eben „nur“ das Tor zum Sauerland. Nicht zu verwechseln ist die Stadt Hagen jedoch mit dem gleichnamigen Ortsteil der Stadt Sundern im Hochsauerlandkreis, die wiederum tatsächlich dem Sauerland angehört.

Vo Mittelalter in die Neuzeit: Die Stadtgeschichte Hagens

In der Geschichtsschreibung taucht der Raum Hagen erstmals im späten 8. Jahrhundert auf. Damals wurde Karl der Große zum Römischen Kaiser gekrönt. In den zeitgenössischen Jahresberichten aus dem Fränkischen Reich, die eben jene Krönung schildern, kommt auch Hagen vor. Danach wurde die nahe der Stadtgrenze zu Dortmund über der Ruhr-Lenne-Mündung gelegene sächsische Hohensyburg (Sigiburg) im Jahre 775 durch Truppen Kaiser Karls des Großen erobert. Heute gehört die Hohensyburg zum Dortmunder Stadtteil Sieburg, der sich nahe der drei Kilometer langen Grenze mit Hagen befindet.

In der frühen Neuzeit wurde Hagen durch die Gründung der „Langen Riege“ ab dem 17. Jahrhundert wirtschaftlich bedeutender. Die Lange Riege, die im heutigen Hagener Stadtteil Eilpe zu finden ist, wurde 1661 erbaut und war eine Klingenschmied-Siedlung mit mehreren wasserkraftbetriebenen Hammerwerken und Schmieden. Diese Art von Betrieb bot sich auch deshalb an, da sich die Siedlung entlang des Selbecker Baches nahe seiner Mündung in die Volme befand.

Während des Deutschen Kaiserreiches von 1871 bis 1914 erlebte Hagen eine Blütezeit, die durch die Urbanisierung und Industrialisierung begünstigt wurde. Die Stadt erlebte in dieser Zeit ein enormes Einwohnerwachstum, Hagen wurde zum Oberzentrum für die gesamte Region südlich der Ruhr. Im Jahr 1887 schied Hagen verwaltungsrechtlich aus dem Kreis Hagen aus und wurde eine kreisfreie Stadt. In der Zeit der Industrialisierung wurde in Teilen Hagens auch der Steinkohleabbau bedeutsam. Im Stadtteil Boele im Norden der Stadt wurden im späten 19. Jahrhundert gleich fünf Zechen errichtet, die meisten hatten jedoch nicht lange Bestand.

Hochwasser-Katastrophe 2021: Auch Hagen betroffen

Zur jüngeren Geschichte Hagens gehört auch die Unwetter-Katastrophe, die sich im Juli 2021 ereignete und zahlreiche Städte in Nordrhein-Westfalen regelrecht überschwemmte. Fast alle Nebenflüsse des Rheins traten in dieser Zeit über die Ufer, was auch in Hagen für historische Wasserhöchststände und Überflutungen sorgte. Durch die Stadt Hagen fließen vier Flüsse. Hagen war eine der ersten Städte, in denen am 14. Juli 2021 zahlreiche Notrufe entsendet wurden.

Die verheerende Flut zerstörte in mehreren Stadtteilen Hagens, insbesondere in Hagen-Dahl, teilweise Wohnungen, Lagerhallen und Landschaften. Insgesamt kamen in Nordrhein-Westfalen über 180 Menschen ums Leben. Die Schäden befinden sich im zweistelligen Milliardenbereich.

Museen und Theater: Hagen als Kulturzentrum in NRW

Hagen ist zweifelsohne eines der wichtigsten kulturellen Zentren in NRW. Die Stadt wartet mit zahlreichen Museen auf. Überregional bekannt ist etwa das Osthaus Museum, das nach dem Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus benannt ist und vor allem Moderne Kunst abbildet. Daneben lockt auch das Freilichtmuseum Hagen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, das auf die Gebiete Handwerk und Technik spezialisiert ist, viele Besucher. Im August 2009 erfolgte zudem die Eröffnung des Emil Schumacher Museums, welches in der Nähe des Osthaus Museums liegt.

Osthaus Museum Hagen.
Das Osthaus Museum in Hagen. © Horst Ossinger/dpa

Doch es sind nicht nur die Museen, die Hagen auf kultureller Ebene spannend machen. Stattdessen gibt es noch viele weitere öffentliche Kultureinrichtungen wie das Theater Hagen, die sich zum Teil international einen Namen gemacht haben. Das Theater lässt dabei vor allem das Herz von Opern-, Operetten- oder Tanz-und-Musiktheater-Fans höher schlagen.

Über 76.000 Studierende: Die Fernuniversität Hagen

Bekannt ist Hagen auch für seine Fernuniversität, bei der es sich um die einzige staatliche Fernuni in ganz Deutschland handelt. Zwar ist es schwierig, die Universität mit anderen Campus-Hochschulen zu vergleichen. Jedoch ist Hagens Fernuniversität gemessen an seinen Studierenden (über 76.000) die größte Uni in ganz Deutschland.

Die Aufgaben in Lehre und Studium nimmt die Universität durch ein breit gefächertes Angebot wahr. Und dennoch lässt sich ein Schwerpunkt erkennen. Früher hatte die Fernuni ihr Profil unter anderem auf Ingenieurswissenschaften ausgelegt. Inzwischen sind die Forschungsschwerpunkte in der Digitalisierung, Nachhaltigkeit und einer Digitalen Kultur begründet - was gut zu der Idee der Hochschule passt, dass man von überall aus dort studieren kann. Die Abschlüsse sind reguläre und vollwertige Universitätsabschlüsse.

Die Sehenswürdigkeiten und Bauwerke in Hagen

Neben den vielen Kulturstätten in Hagen ist auch das Wasserschloss Werdringen in Hagener Stadtteil Hohenlimburg einen Besuch wert. Das Wahrzeichen ist jedoch auch kulturell angehaucht, immer wieder finden dort Ausstellungen statt. Besucher lockt auch die Volkssternwarte der Stadt, die auf rund 300 Metern Höhe liegt, im südlich des Stadtzentrums gelegenen Stadtwald direkt an einem Aussichtsturm, der wiederum einen Blick über Hagen bietet.

Die Keimzelle des Ruhrgebiets gibt es im Haus Harkorten zu entdecken. Dabei handelt es sich um eine baulich fast vollständig erhaltene, jedoch verfallende, spätbarocke Gutsanlage der Familie Harkort. Es ist zugleich das Geburtshaus von Friedrich Harkort, der als „Vater des Ruhrgebiets“ bezeichnet wird. Der Kohleabbau im Tiefbau wurde durch die Pumpen, Dampfmaschinen und Eisenbahnschienen des Unternehmers überhaupt erst möglich.

Viel Wald, Grünflächen und Gewässer in Hagen

42 Prozent des Hagener Stadtgebietes bestehen aus Wald. Diese exponierte Lage inmitten der Natur hat Hagen längst das Prädikat „grünste Großstadt in Nordrhein-Westfalen“ eingebracht. Eines der grünsten Täler in Hagen ist das Mäckinger Bachtal, wo sich auch das LWL-Freilichtmuseum befindet. Aber auch Parks sind in Hagen zu finden. Spaziergängern dürfte vor allem der Stadtgarten sowie der benachbarte Hamecke-Park ein Begriff sein.

Hinzu kommen knapp 400 Kilometer Fließgewässer, die für eine Großstadt ebenfalls einzigartig sind. Bei einem Blick auf die Flüsse, die durch Hagen fließen, verwundert dies jedoch nur noch kaum. Hagen hat mit Ruhr, Volme, Lenne und Ennepe gleich vier große Flüsse im Repertoire. Zudem verfügt die Stadt mit dem Hengsteysee und Harkortsee über zwei reizvolle Stehgewässer, die vor allem für Segler, Windsurfer, Kanuten und Ruderer interessant sind.

Typisch Hagen: Spezialitäten aus der Küche

Es gibt eine ganze Reihe von Hagener Spezialitäten, die aus dem kulinarischen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken sind. Traditionell werden in Hagen sowohl westfälische Gerichte verspeist als auch Spezialitäten aus der märkischen Küche. Ob Pfefferpotthast oder Strammer Max - für jeden dürfte etwas dabei sein.

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