WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 14)

Carmen (41) und Tobias (37): Sehen wie gut es in Hamm ist!

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Unternehmer-Geschwister: Carmen Homann und Tobias Gödeke haben Firmen in Hamm gegründet.

Hamm - In unserer Serie „Mut zu Hamm“ berichten Menschen, wieso sie hergekommen sind und wieso sie bleiben. Carmen Homann und ihr Bruder Tobias Gödeke haben dazu sehr klare Ansichten.

Der Liebe zu ihrem heutigen Mann wegen zog Carmen Homann einst aus Gladbeck nach Hamm. Inzwischen leben auch die Eltern und der Bruder der Unternehmerin hier. Tobias Gödeke hat inzwischen selbst eine Firma gegründet. Ein Interview mit dem Geschwisterpaar über ihren „Mut zu Hamm“.

Die Serie: In unserer Serie „Mut zu Hamm“ berichten Menschen, die in die Stadt gezogen sind, wieso sie hergekommen sind und wieso sie bleiben.

Neue Folgen: Nach vielen positiven Rückmeldungen zu der Serie starten wir mit diesem Doppelinterview ins Jahr 2019.

Ihr Vorschlag: Möchten Sie auch jemanden vorschlagen, der „Mut zu Hamm“ beweist? Dann schreiben Sie uns an lokales-hamm@wa.de.

Woher stammen Sie?

Carmen Homann: Aus Gladbeck, tiefstes Ruhrgebiet. Da sind wir geboren, zur Schule gegangen, aufgewachsen.

Was haben Sie dort gearbeitet? 

Homann: Ich habe eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, aber anders als heute gab es damals keine Stellen. Ich habe eine Ausbildung zur Veranstaltungstechnikerin draufgesattelt, da sah es auch nicht besser aus. Dann lernte ich meinen Mann kennen, wir haben schnell festgestellt, dass wir zusammen sein wollen. Also bin ich nach Hamm gekommen.

Tobias Gödeke: Ich habe eine Ausbildung als Hotelfachmann in Düsseldorf gemacht, war zwischendurch in Berlin und habe für 14 Jahre in Brühl gelebt. Das ist eine richtig schöne Stadt. Dort habe ich das Hotel Phantasia, heute Ling Bao, mit aufgebaut. Nebenbei habe ich studiert und bin nun staatlich anerkannter Wellnesstrainer. Ich habe mir Kunden gesucht und Schritt für Schritt eine Selbstständigkeit als Personal-Trainer aufgebaut.

Carmen Homann: "Das ist der Vorteil, wenn man hierher zieht: Man sieht erst einmal, wie gut wir es in Hamm haben!"

Brühl war schön, Sie hatten erste Kunden als Selbstständiger – hatten Sie da schon vor, nach Hamm zu kommen?

Gödeke: Nein, überhaupt nicht. Carmen hat mich irgendwann angerufen und mir von dieser Immobilie erzählt. Sie hat mir das richtig schmackhaft gemacht, dass ich dort mein eigenes Studio hätte, das wäre mein Reich...

Homann: Ich kann sehr überzeugend sein.

Gödeke: Mein Schwager – er ist Innenausstatter – hat mir ein Modell von den Räumen gebaut, wo der Fitness- und der Wellnessraum sein könnten. Dann habe ich einen Spruch gelesen: „Some opportunities only come once – seize them“, „Manche Gelegenheiten gibt es nur einmal, ergreife sie.“ Ich fand, das stimmt. Also habe ich das gemacht.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? 

Gödeke: Die haben gesagt: Du willst nach Hamm? Warum nur? Das haben übrigens selbst die Hammer gesagt. Völlig unverständlich.

Die Stadt hat ein Imageproblem? 

Homann: Sieht so aus.

Seit wann sind Sie hier?

Gödeke: Seit Februar 2017. Da war alles grau in grau, aber das wäre in jeder Stadt so. Dann kam der Frühling, auf dem Ahseteich schwammen Entenküken, alles wurde grün. Mit diesem Gefühl des Neuanfangs verbinde ich die erste Zeit in Hamm.

Homann: Ich bin seit 2006 hier. Am Anfang habe ich mit meinem Mann Malerarbeiten gemacht, auf Baustellen. Wir haben bald festgestellt, dass wir mehr wollen und können. 2008 haben wir unsere Firma „honig&blau“ gegründet. Inzwischen erstellt er Farbkonzepte für Innenräume, ich kümmere mich um die Menschen, mache Farb- und Stil- sowie Makeup-Beratungen.

Tobias Gödeke: "Die haben gesagt: Du willst nach Hamm? Warum nur? Das haben übrigens selbst die Hammer gesagt. Völlig unverständlich."

Haben Sie mal überlegt, hier wegzugehen? 

Homann: Niemals! Ich glaube, das ist der Vorteil, wenn man hierherzieht: Man sieht erst einmal, wie gut wir es in Hamm haben! Die gute Lage muss man ja eigentlich kaum noch erwähnen, dass man schnell überall hinkommt. Aber gibt hier auch ein tolles kulturelles Angebot.

Gödeke: Lena Meyer-Landrut! Umsonst beim Hammer Summer! Wo gibt’s das denn? Das kostet sonst richtig Geld! Oder die Kurzfilmnächte, zwei Tage super Filme für 5 Euro Eintritt. Super! Und die Natur ist schön hier, ich jogge sehr gerne zum Burghügel Mark, durch den Kurpark.

Homann: Der ist toll.

Gödeke: Ja, mit dem Gradierwerk und dem Kneipp-Becken. Das kennt man sonst nur aus Ferienorten.

Ist es schwierig für Sie, Kunden zu finden? 

Homann: Nein. Man muss ein vernünftiges Netzwerk haben, hart arbeiten und gut arbeiten. Dann klappt das auch.

Gödeke: Mir haben vorher alle gesagt, dass es hier keinen Markt für Personal-Trainer gibt. Das kann ich nicht feststellen. Zuerst bin ich noch zwei Mal in der Woche nach Brühl und Köln zu Kunden gependelt. Inzwischen brauche ich das nicht mehr.

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm?

Homann: Als ich hierherkam, haben wir in einer Zechensiedlung in Herringen gewohnt. Das Umfeld ist da vielleicht nicht das schickste. Aber es ist auch einfach völlig normal. Und die Leute sind freundlich. Wann immer ich Hilfe brauchte, habe ich sie auch bekommen.

Warum sind Sie bis heute geblieben? 

Homann: Es geht uns hier gut. Ich fühle mich hier inzwischen verwurzelt. Unsere Eltern sind auch hierhergekommen. Es gibt keinen Grund, hier wegzugehen.

Gödeke: Ich höre immer mal im Fitnessstudio, dass sich Jüngere darüber unterhalten, dass sie weggehen wollen. Ich denke, dass die gar nicht wissen, wie gut sie es hier haben.

Was finden Sie in Hamm verbesserungswürdig? 

Gödeke: Meine Joggingstrecke müsste nicht so vermatscht sein. Da könnte ein bisschen Kies liegen. Aber ganz ehrlich: Wenn man schon über solche Probleme spricht, hat man keine richtigen.

Homann: Generell könnten die Hammer ein bisschen aufgeschlossener sein. Sie könnten ihre Stadt positiver sehen, dankbar sein für das, was sie hier haben, und achtsam damit umgehen.

Die Firmen und ihre Inhaber:

Carmen Homann (41) und ihr Mann Karsten haben 2006 das Unternehmen „honig &blau“ gegründet. In Räumen am Caldenhofer Weg bieten die beiden Beratungen zu Stil und Farben bei der Innenausstattung an, ebenso wie Makeup- und Stilberatungen für Männer und Frauen.

Tobias Gödeke (37) hat seine Geschäftsräume direkt nebenan: Er bietet in seinem Studio neben Fitnessangeboten auch Ernährungsberatungen und mehr an. Zu seinen Kunden gehören neben Firmen auch Privatleute.

Mehr "Mut zu Hamm":

Kneipenwirt Karsten Plaß (48): "Hört auf mit dem Rumgejammere!" (1)

Pfarrer Bernd Mönkebüscher (52): "Erlebe die Stadt sehr offen" (2)

HSHL-Professor Olaf Goebel: Leute sind hilfsbereit und unkompliziert (3)

Büchereichef Jens Boyer (45): Hamm statt London - warum eigentlich nicht?!(4)

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Dirk Böcker (55, Arzt): Auf die Worte der Hammer ist Verlass (7)

Barbara Kölling (55, Regisseurin): Hamm ist ein guter Ort für Familien (8)

André Krawczyk (39, Gastronom): Die Hammer sind so offen (9)

Evelyn Bieker (56, Qualitätsmanagerin): Finde Hamm sehr facettenreich (10)

Anne-Marie Stockebrand (69, Französischlehrerin): Fand die Hammer erst stur (11)

Rainer Löb (53, Arzt und Musikschul-Förderer): Es gibt alles, was man braucht (12)

Mareike Boccola (42, Firma Hauschild): Hamm wird viel zu schlecht geredet (13)

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