Corona in Hamm und Zukunftsangst

Führerschein-Frust im Lockdown: Stadt zeigt besorgter Mutter Lösung auf

Üben, prüfen, ausstellen – ganz so leicht ist es im Moment nicht, den Führerschein einzustecken.
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Üben, prüfen, ausstellen – ganz so leicht ist es im Moment nicht, den Führerschein einzustecken. (Symbolbild)

Der Lockdown bringt immer wieder Menschen an den Rand der Verzweiflung. So auch Sandra Nattkemper aus Hamm, die sich große Sorgen um die Zukunft ihres Sohnes macht.

Hamm - Der 17-jährige Schüler der Konrad-Adenauer-Realschule hat für den 1. August eine Ausbildungsplatzzusage. Aber die macht derzeit Probleme – denn die Stelle ist nicht nur in Schwerte, es wird ausdrücklich ein Führerschein verlangt. Mehrfach scheiterte die alleinerziehende Mutter jetzt beim Versuch, die nötigen Unterlagen für den Führerscheinerwerb des Sohnes Rico bei der Stadt Hamm an den Mann zu bringen. Inzwischen kennt sie die Lösung, die die Stadt anbietet – und hofft, mit ihrem Beispiel vielleicht auch anderen Betroffenen weiterhelfen zu können. (News zum Coronavirus in Hamm)

„Mein Sohn und andere haben ja schon als Schüler unter den Corona-Maßnahmen zu leiden. Da ist es überhaupt ein Glück, eine Stelle als Koch in Schwerte gefunden zu haben. Die Angst, dass es jetzt am Führerschein scheitern könnte, ist groß“, so Sandra Nattkemper, die deshalb die Formalitäten für den Führerscheinerwerb samt Gebühr bei der städtischen Führerscheinstelle erledigen wollte.

„Es war ja schon schwer, den Erste-Hilfe-Kurs in dieser Situation hinbekommen zu können“, sagt die 52-Jährige, die auch das Sehtestergebnis, den Antrag für begleitetes Fahren ab 17 und vor allem auch die Gebühr von 68 Euro bei der Stadtverwaltung einreichen wollte. Dass durch den aktuellen Lockdown auch die Führerscheinstelle am Caldenhofer Weg geschlossen ist und auch online keine Möglichkeit geboten werde, Unterlagen einzureichen, weckte in der Familie die Angst, der Ausbildungsplatz könnte verloren gehen. Dass einige der geschlossenen Fahrschulen jetzt Online-Theorieunterricht anbieten, ließ das Anliegen dringlich erscheinen.

Rico Nattkemper ist auf den Führerschein angewiesen.

„Melden Sie sich, wenn der Lockdown aufgehoben wurde“

Eine Mail der Führerscheinstelle weckte weitere Befürchtungen: „Zurzeit können keine Anträge entgegengenommen werden, dies wird Ihnen die Fahrschule bestimmt auch schon mitgeteilt haben. Bitte melden Sie sich, wenn der Lockdown aufgehoben wurde und/oder die Stadtverwaltung wieder zu den regulären Öffnungszeiten erreichbar ist.“

Sandra Nattkemper: „Ich fürchte, nach dem Lockdown gibt es riesige Schlangen und entsprechende Bearbeitungszeiten.“

Doch da kann Stadtsprecher Tom Herberg die Familie Nattkemper und alle anderen Betroffenen beruhigen: Die Lösung werde genau so aussehen, wie nach dem ersten Lockdown im Vorjahr. Zum Hintergrund erklärt er: „Die Stadtverwaltung ist derzeit im Notbetrieb. Deshalb sind alle Stellen, wo es keine Notwendigkeit gibt, geschlossen. Die Führerscheinstelle ist derzeit nur für Belange von Berufskraftfahrern und für Ersatzdokumente ansprechbar.“ Viele städtische Mitarbeiter seien auch bei der Virus-Nachverfolgung eingesetzt.

„Vorgang in ein bis zwei Tagen pro Fahrschule erledigt“

Bei der Frage des Führerschein-Erwerbs wird auf die schon bewährte Lösung des Vorjahres zurückgegriffen. Herberg: „Wenn der Lockdown vorbei ist, setzen wir uns mit den Fahrschulen in Verbindung. Die sammeln jeweils die Unterlagen ihrer Fahrschüler ein.“ Die Fahrschulen würden dann jeweils Termine im Amt bekommen, um alle Unterlagen ihrer Schüler in einem Durchgang geschlossen bearbeitet zu bekommen. So habe das Amt nach der Neuöffnung keine 100 Leute vor der Tür und der Vorgang sei erfahrungsgemäß in ein bis zwei Tagen pro Fahrschule erledigt. Herberg: „Das hat im letzten Frühjahr gut geklappt und das wird dann auch wieder klappen.“ Die Fahranwärter würden so wenig Zeit verlieren und die Fahrschulen seien auch an einem guten Gelingen der Aktion interessiert.

Sandra Nattkemper wird ihren Sohn unterstützen, den Führerschein bei seiner Herringer Fahrschule zügig zu machen: „Aber das schafft der dann schon!“ Und im August wird Rico 18 und darf auch unbegleitet zu seiner Ausbildungsstelle fahren.

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