Verteidiger von Ernst August fordert Strafverzicht

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Zwei Ohrfeigen für den Diskothekenbesitzer Josef Brunlehner seien ein Bagatelldelikt, sagte der kenianische Rechtsanwalt von Prinz Ernst AUgust.

Hildesheim - Die Verteidigung von Ernst August Prinz von Hannover hat im neu aufgerollten Körperverletzungsprozess einen Verzicht auf Bestrafung verlangt.

Zwei Ohrfeigen für den Diskothekenbesitzer Josef Brunlehner seien ein Bagatelldelikt, sagte der kenianische Rechtsanwalt des Adeligen, Saleem Ghalia, am Freitag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Hildesheim. Brunlehner habe Beweismittel und Zeugenaussagen fabriziert und Rechtsmissbrauch betrieben, kritisierte der Anwalt. Unter großem Aufwand von Geld und Kraft haben man die Unwahrheit von Brunlehners Aussagen nachgewiesen. “Eine Nicht-Bestrafung wäre ein Signal gegen den Missbrauch des Rechtsweges“, betonte er.

Die Ohrfeigen waren nach Ansicht des Verteidigers gerechtfertigt, weil die von Brunlehner betriebene Disco auf der kenianischen Ferieninsel Lamu Belästigungen durch Lärm und Licht verursacht habe. “Für die muslimische Gemeinschaft bedeutet Disco alkoholische Getränke, Drogen, junge Männer und Frauen, dröhnende Musik und Laserlicht“, sagte Ghalia. Dies habe auch andere gestört. Das Auftauchen des Diskothekenbesitzers sei für Ernst August eine Provokation gewesen. Die Ohrfeigen hätten gewirkt. “Zur großen Freude der Bevölkerung hörte die Belästigung durch die Musik und die grellen Lichter auf“, sagte der Anwalt.

Wegen der zehn Jahre zurückliegende Auseinandersetzung wurde der Chef des Welfenhauses 2004 vom Landgericht Hannover zu 445.000 Euro Geldstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Dabei ging das Gericht noch von Schlägen des Adeligen gegen Brunlehner mit einem gefährlichen Gegenstand aus. Dieses Urteil wurde im Wiederaufnahmeverfahren aufgehoben. Seit Juni wird der Strafprozess gegen den Adeligen vor dem Landgericht Hildesheim wiederholt. Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag 200.000 Euro Geldstrafe beantragt. Sie geht nur noch von einfacher Körperverletzung aus. Das Urteil wird für den 9. März erwartet.

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