70. Filmfestspiele eröffnet

Trotz Terror-Angst: Cannes legt strahlenden Start hin

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Sie entscheiden, wer bei den 70. Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme erhält: Jessica Chastain, Park Chan-wook, Agnes Jaoui, Will Smith, Pedro Almodovar, Fan Bingbing und Maren Ade.

Gleich am ersten Abend drängeln sich die Stars auf dem roten Teppich des Filmfestivals von Cannes. Die deutsche Regisseurin Maren Ade sitzt in der Jury neben Chef Pedro Almodóvar.

Cannes - Es ist ein ungewohntes Bild am Prachtboulevard von Cannes. Direkt vor dem Palais des Festivals, dem Herzen der Filmfestspiele, stehen Metalldetektoren. Ganz so wie am Flughafen, aber nur wenige Schritte vom roten Teppich entfernt, über den in den kommenden Tagen unzählige Stars in eleganter Abendgarderobe flanieren werden. So ungewohnt der Anblick allerdings ist, wirklich überraschend ist er angesichts der angespannten Sicherheitslage in Frankreich nicht. 

Wer es zum Auftakt des 70. Filmfests am Mittwoch aber durch dieses Nadelöhr geschafft hatte, konnte sich im Kinosaal wieder auf das Wesentliche konzentrieren: die Filme.

Gainsbourg und Cotillard in Eröffnungsfilm

Zum Eröffnung am Abend wurde „Les Fantômes d'Ismaël“ (Ismaels Geister) gezeigt. Prominent besetzt mit Charlotte Gainsbourg, Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard und „Bond“-Bösewicht Mathieu Amalric brachte das Werk dem Festival auch gleich die erhoffte Stardosis. Die Fotografen freuten sich über den großen Trubel am roten Teppich unter strahlend blauem Himmel. Zu sehen waren auch Prominente wie Lily-Rose Depp, Robin Wright, Susan Sarandon, Julianne Moore und Bella Hadid.

Kritiker, die das eher zähe Liebesdrama schon vorher gesehen hatten, waren weniger begeistert. In dem Auftakt-Film geht es um den Filmregisseur Ismael (Amalric), der gerade einen Spionage-Thriller dreht, als seine vor über 20 Jahren verschwundene Ehefrau Carlotta (Cotillard) plötzlich wieder auftaucht. So dramatisch der Stoff auch ist, so seltsam leblos wirkt die Geschichte jedoch.

Es kommt zwar zu den erwartbaren Spannungen, gerade auch mit Ismaels derzeitiger Freundin Sylvia (Gainsbourg). Doch Regisseur Arnaud Desplechin erzählt seine Geschichte mit so vielen verschiedenen Handlungssträngen, dass sie zerfasert und einen trotz der Tragik der Dreiecksbeziehung kalt lässt.

Die Stars wurden dann auch nur mit äußerst spärlichem Applaus begrüßt, als sie sich bei der Pressekonferenz am Nachmittag den Fragen der Journalisten stellten. Eine Chance auf einen der Hauptpreise am 28. Mai hat „Ismael's Ghosts“, so der englische Titel, aber sowieso nicht: Das Werk läuft außer Konkurrenz. 

Im Wettbewerb stehen in den kommenden Tagen 19 andere Filme auf dem Programm. Auch der Hamburger Regisseur Fatih Akin ist im Rennen um die Goldene Palme dabei: Mit seinem neuen Film, dem Thriller „Aus dem nichts“.

„Toni Erdmann“-Regisseurin in Cannes-Jury

Wer von ihnen schließlich tatsächlich die Hauptpreise gewinnt, das wird die neunköpfige Jury um den spanischen Regisseur Pedro Almodóvar (67) entscheiden. „Wir werden jeden Film für sich betrachten“, kündigte der Oscar-Preisträger („Alles über meine Mutter“, „Sprich mit ihr“) an. 

Auch die US-Schauspielerin Jessica Chastain (“Zero Dark Thirty“, „The Help“), die neben Filmschaffenden wie Will Smith und der Deutschen Maren Ade („Toni Erdmann“) ebenfalls zur Jury gehört und am Abend in Abendgarderobe über den roten Teppich schritt, versicherte, sie wolle sich jedem Beitrag aufgeschlossen und mit offenem Herzen nähern. Dafür hat die 40-Jährige, die bereits zweimal für den Oscar nominiert war, für ihre kommenden Tage eine ungewöhnliche Regel aufgestellt. „Ich habe viele Freunde im Wettbwerb“, sagte sie. Damit ihr Urteil über mögliche Gewinner nicht beeinflusst werden könne, habe sie diesen Freunden gesagt: „Schreibt mir keine SMS, während ich in der Jury bin.“

Netflix sorgt für Cannes-Konflikt

Mit einem Konflikt aber scheinen die Festspiele schon jetzt konfrontiert: Im Wettbewerb laufen zwei Filme, die vom Streamingdienst Netflix produziert wurden und wahrscheinlich nicht wie andere Beiträge in die Kinos zahlreicher Länder kommen, sondern vor allem bei Netflix zu sehen sein werden. Das wurde im Vorfeld bereits heftig kritisiert. „Ich sage nicht, dass ich nicht offen für neue Technologien bin“, sagte auch Jurychef Almodóvar in einem leidenschaftlichen Appell für das Kino. Er persönlich fände es aber nicht gut, wenn ein Film in Cannes die Goldene Palme gewänne und dann nicht auf der großen Kinoleinwand zu sehen sei.

Diese Stars bringen Cannes zum Leuchten

dpa

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