Kult-Regisseur unter Verdacht

Tochter wirft Woody Allen Missbrauch vor

+
Gegen den US-Regisseur Woody Allen steht der schreckliche Verdacht des sexuellen Missbrauchs seiner eigenen Tochter im Raum.

New York - Die Adoptivtochter von Oscar-Preisträger Woody Allen (78) schildert in einem offenen Brief, wie der Regisseur sie sexuell missbraucht haben soll, als sie sieben Jahre alt war.

Die heute 28 Jahre alte Dylan Farrow äußert sich in der Sonntagsausgabe der „New York Times“ in einem Brief, den sie dem Kolumnisten Nicholas Kristof zukommen ließ. Darin sagt sie, sie wollte nicht länger schweigen, und beschreibt unter anderem einen angeblichen Missbrauchsvorfall in einer "schummrigen" Dachkammer des Elternhauses. "Er sagte mir, ich solle mich auf meinen Bauch legen und mit der elektrischen Spielzeug-Eisenbahn meines Bruders spielen. Dann missbrauchte er mich", schreibt Farrow. Währendessen soll der 50 Jahre ältere Mann ihr ins Ohr geflüstert haben, sie sei ein braves Mädchen. "Er versprach mir, dass wir nach Paris fahren würden und dass ich der Star in seinen Filmen werden würde", so Farrow.  

„So lange ich mich erinnern kann, hat mein Vater Dinge getan, die ich nicht mochte“, führt Farrow aus und nennt weitere Beispiele. Sie habe versucht sich vor ihm zu verstecken, "doch er fand mich immer." Die Vorfälle seien "oft" und "routinemäßig" passiert. Ihre Mutter, Woody Allens damalige Partnerin Schauspielerin Mia Farrow, die sie zusammen mit dem Filmemacher adoptiert hatte, habe von alldem nichts gewusst - bis die heute 28-Jährige ihr es schließlich erzählte.

1992 trennte sich das Paar nach zwölf Jahren und einem jahrelangen hässlichen Sorgerechtsstreit. In dessen Verlauf klagte die Schauspielerin Allen öffentlich des sexuellen Missbrauchs an seiner Tochter an. Allen stritt das ab und warf Farrow damals vor, die Kinder aus Rachsucht in ihrem Sinne zu manipulieren. Der Regisseur verlor zwar das Sorgerecht, die Ermittlungen wurden aber 1994 eingestellt. Ein New Yorker Richter hielt die Beweise für nicht ausreichend. Gleichzeitig kritisierte er Allen als "egozentrisch, nicht vertrauenswürdig und unsensibel". Allen ging damals eine Beziehung zu Farrows damals 19-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi ein. Sie sind seit 1997 verheiratet und haben zwei Töchter.

"Hollywood hat sich blind gestellt"

Dylan Farrow bezeichnete Allen in ihrem Brief als lebendes Beispiel für das Versagen der Gesellschaft beim Schutz von Missbrauchs-Opfern. Bis heute sei es schwer für sie zu ertragen, dass die Welt einen Sexualstraftäter feiere, der ungestraft davongekommen sei, so Dylan Farrow. Dabei bezieht sie sich auch auf den Golden Globe, der Allen Mitte Januar für sein Lebenswerk überreicht worden war. Farrow warf der Filmindustrie vor, sich blind gestellt und die Vorwürfe unter den Teppich gekehrt zu haben.

In diesem Jahr ist der Regisseur mit dem Original-Drehbuch für seinem Film „Blue Jasmine“ für einen Oscar nominiert. Dylan Farrow rief die Stars des Films (Cate Blanchett, Alec Baldwin und Louis C.K.) in ihrem Brief auf, ihre Beziehung zu dem Regisseur zu überdenken: "Was wäre, wenn es Dein Kind wäre?"

Vertreter des Regisseurs waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut "New York Times" lehnte Allen einen Kommentar der Zeitung gegenüber ab. In der Vergangenheit hatte er die Missbrauchsvorwürfe, die seine frühere Partnerin Mia Farrow bereits vor mehr als 20 Jahren erhoben hatte, stets vehement zurückgewiesen.

dpa/hn/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare