Tatort: „Dieser Krimi war völlig ungenießbar“

München - "Spargelzeit“ im Oktober – der in Münster spielende Fall vom vergangenen Sonntag war der erfolgreichste Tatort-Krimi des Jahrtausends. Doch Deutschlands größter Tatort-Fan schimpft.

10,49 Millionen Zuschauer! Die höchste Zuseherzahl seit dem 12. November 1997, als die Hamburger Kommissare Stoever (Manfred Krug) und Brockmöller (Charles Brauer) im Fall Undercover Camping ermittelten.

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Ganz Deutschland liebt die Münsteraner ­Ermittler Frank Thiel (Axel Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers). In den Top drei der beliebtesten Tatort-Ermittler liegen sie mit durchschnittlich 9,9 Millionen Zuschauern (seit Januar 2009) vor der niedersächsischen LKA-Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) mit 9,22 Millionen und dem Kölner Duo Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) mit 9,02 Millionen.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

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Aber wirklich ganz Deutschland? Nein! Ausgerechnet Deutschlands größter Tatort-Fan fand den Fall Spargelzeit völlig ungenießbar!

François Werner betreibt die umfangreiche Internetseite www.tatort-fundus.de. Der Stuttgarter gilt in der Medienbranche als bester Kenner der vielfältigen ARD-Krimireihe. „Ich bin bekannt dafür, dass ich die Münsteraner Ermittler nicht sonderlich schätze“, sagte François Werner am Montag zur tz. „Ich steh nun mal nicht so auf Krimikomödie…“

Was Werner an den Münsteraner Tatorten nicht schmeckt: „Die sind mir zu leichte Kost. Da werden keine gesellschaftlichen Probleme aufgegriffen. Selbst eine Vergewaltigung wird – wie am vergangenen Sonntag – in diesem typischen Friede-Freude-Eierkuchen-Rahmen abgehandelt.“ Die Beliebtheit der westfälischen Ermittler kann sich Werner nur so erklären: „Offenbar mögen die Zuschauer gerade die leichte Kost, weil sie sich zum Ausklang des Wochenendes nicht mit schweren Themen auseinandersetzen möchten.“

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Den Figuren des raubeinigen Kommissars Thiel und des blasierten Rechtsmediziners Boerne attestiert Werner durchaus einen gewissen Sprachwitz. Außerdem hätten sie einen hohen Wiedererkennungswert: „Das mögen die meisten Zuschauer. Mir wird es auf Dauer zu langweilig.“

Auch die Handlungen dieser vom WDR produzierten Krimis findet Werner „furchtbar vorhersehbar. Nach 30 Minuten weiß ich immer schon, wohin es geht. Im Grunde funktionieren die Münsteraner Tatorte stets nach Schema F – in wechselnden Milieus.“

Als rühmliches Gegenbeispiel nennt Werner die ehemaligen Frankfurter Ermittler Sänger (Andrea Sawatzki) und Dellwo (Jörg Schüttauf): „Das waren modern gemachte Krimis, denen kein Eisen zu heiß war. Nicht nur Trallala und Heiteitei wie in Münster.“

IW.

Die erfolgreichsten "Tatort"-Fälle dieses Jahrtausends

Rang Titel Schauplatz Datum Zuschauer
1 „Spargelzeit“ Münster 10.10.2010 10,49 Mio.
2 „Todesbrücke“ Berlin 13.03.2005 10,41 Mio.
3 „Lastrumer Mischung“ Hannover 07.04.2002 10,34 Mio.
4 „Der Fluch der Mumie“ Münster 16.05.2010 10,26 Mio.
5 „Wolfsstunde“ Münster 09.11.2008 10,09 Mio.
6 „Einmal täglich“ München 29.10.2000 10,05 Mio.
7 „Viktualienmarkt“ München 12.03.2000 9,94 Mio.
8 „Quartett in Leipzig“ Leipzig 26.11.2000 9,92 Mio.
9 „Kaltes Herz“ Köln 21.03.2010 9,90 Mio.
10 „Tempelräuber“ Münster 25.10.2009 9,86 Mio.

Rubriklistenbild: © dpa

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