Pocher im Interview: „Bin der Magath von Sat.1“

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Oliver Pocher startet seine neue Late-Night-Show auf Sat.1.

Hamburg - Zuletzt stand er mit Harald Schmidt gemeinsam für die ARD vor der Kamera, nun ist Oliver Pocher auf sich allein gestellt.

Der 31-Jährige startet an diesem Freitag um 22.15 Uhr bei seinem neuen Arbeitgeber Sat.1 eine wöchentliche Late-Night-Sendung mit dem Titel “Oliver Pocher Show“. Angst vor dem ungeteilten Rampenlicht hat der TV-Komiker aber nicht, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte.

Die fiesesten Sprüche von Oliver Pocher

Oliver Pochers fieseste Sprüche

Pocher: “Nein. Ich bin nicht aufgeregt.“ (In der Stimme von Oliver Kahn, eine seiner Parodiefiguren): “Ein Oliver Kahn ist nicht aufgeregt. Das sind doch die Matches auf die man hinfiebert...“

Sie stehen jetzt allein im Fokus der Öffentlichkeit.

Pocher: “Ja, jeder schaut nur auf mich - und viele würden sich freuen, wenn es nicht funktioniert.“

Sie haben ja aber Ihren Vater Gerhard dabei...

Pocher: “Er hält sich selbst für so talentiert und mit soviel Potenzial ausgestattet, dass er auch was im Fernsehen machen will. Es ist ein neuer Ansatz. Eine Late-Night-Show, wo der Vater dabei ist, gibt es weltweit noch nicht. Er war ja immer schon mal im Fernsehen, bei “Rent a Pocher“ oder “Schmidt & Pocher“. Am Wochenende habe ich ihn dann in die große Medienwelt eingeführt: Beim Deutschen Fernsehpreis hat er schon mal Kontakte knüpfen können.“

Er wird aber nicht der Manuel Andrack in der “Pocher-Show“ werden?

Pocher: “Ich traue ihm noch nicht zu, dass er sich an seinen eigenen Schreibtisch setzt - er schon. Aber am Anfang schaut er erst einmal zu. Er ist praktisch mein Show-Praktikant.“

Der Aufbau der Sendung ist klassische Late-Night - mit Schreibtisch, Sessel, Gästen. Was wird anders?

Pocher: “Es ist eine Personality-Show. Ich glaube, dass ich genug Meinung zu Themen reinbringe, dass es die Leute einmal die Woche interessiert. Wir wollen es auch nicht zu klassisch machen und nur talken, sondern die Gäste einbinden mit einem Einspieler, einem Sketch und gemeinsam etwas machen.“

Der künftige Sat.1-Talker Johannes B. Kerner als erster Talkgast in Ihrer Sat.1-Show ist aber nicht gerade originell...

Pocher: “Johannes B. Kerner sieht man ja nicht so oft in so einer Talksituation als Interviewgast. Ich bin ja auch nicht jemand, der abfragt “Wie sieht Deine Sendung aus und so“ - da geht es schon etwas anders zu. Wir haben ihn in einer seiner Sendungen begleitet und einen Einspieler mit ihm gedreht, das hat schon einen anderen Ansatz. Er ist ja auch ein “Mensch der Woche“: Er hat seine letzte Sendung beim ZDF - und ist einen Tag später bei seinem neuen Sender...“

Was hebt das “TV-Lästermaul“ Pocher in der Late-Night vom “TV- Lästermaul“ Stefan Raab ab?

Pocher: “Ich sehe mich gar nicht so als Lästermaul, sondern als einer, der die Wahrheit ausspricht. Mir fallen Sachen auf bei Leuten, die ich ausspreche, andere sehen das auch, trauen sich aber nicht, das zu sagen. Aber davon abgesehen: Allein in Sachen Stand-up wird es markante Unterschiede geben. Stefan hat eher die musikalische Komponente, ich die parodistische. Ich drehe Einspieler, gehe raus auf die Straße, zum Oktoberfest, zum Fernsehpreis, auf die Straße.“

Also dahin, wo es wehtut?

Pocher: “Da wo es nicht nur wehtut, da wo es auch interessant ist.“

Dennoch teilen Sie viel aus, geben derbe Parodien. Plötzlich waren Sie mit Ihrer Beziehung zu Sandy Meyer-Wölden selbst das Ziel des Boulevard, von Witzen und Spott. Können Sie auch einstecken?

Pocher: “Ich muss das zwangsläufig. Dass diese Konstellation für Interesse sorgen würde, war mir durchaus klar. Ich war aber auch überrascht, wie viel Wirbel das Ganze ausgelöst hat. Da lebt so ein Boulevardjournalist vier Wochen von und eine Zeitung fünf Tage. Ich mach' ja auch locker drüber weiter, mache meine Witze, beim Soloprogramm, in meiner Show. Aber wenn die Leute in der Hecke stehen und Fotos machen und man nicht mal mehr normal essen gehen kann, ist das schon ein bisschen anstrengend.“

Wie geht Ihre Freundin mit den Witzen um, die sie auch über sie reißen? Sagt Sie da manchmal, das war jetzt etwas viel, da hättest Du mal den Mund halten können?

Pocher: “Nein, sie weiß ja, mit wem sie zusammen ist. Sie hat es ja schon oft genug abbekommen von meiner Seite - was ehrlich gesagt eher an ihrem vorigen Lebensabschnittsgefährten (Boris Becker) lag als an ihr. Auch viele Prominente gehen da relativ gelassen mit um, so wie Franjo Pooth, der mir sagt: “Den Spruch fand ich gut und diese Parodie hat mir gefallen.“

Sie haben also keine Angst vor den Parodierten?

Pocher: “Ich weiß schon, dass die Leute, die ich parodiere, das natürlich nicht uneingeschränkt immer lustig finden, aber die geben ja auch Anlass dazu.“

Und Sat.1 steht fest zu Ihnen - ohne zeitliche Begrenzung und Quotenvorgaben?

Pocher: “Naja, das ist wie Lucien Favre bei Hertha. Wenn ich fünf Mal in Folge hoch verliere, werden sicherlich Konsequenzen gezogen und da bin ich als Protagonist der Sendung sicherlich das schwächste Glied. Aber ich sehe mich eher in einer Felix-Magath-Situation, aus dem Schalke 04 der Fernsehlandschaft einen Meisteraspiranten zu machen.“

Sat.1 und Schalke 04?

Pocher: “Das passt: Finanzielle Probleme. Ansprüche, ganz oben mitzuspielen. Irgendwie sind die Fans da, aber es ist schwer.“

Interview: Patrick T. Neumann, dpa

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