Wahl zum "Mensch des Jahres"

Papst Franziskus schlägt Miley Cyrus

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Skurile Wahl: Miley Cyrus stand zwar in der engeren Auswahl, gewonnen hat aber doch Papst Franziskus.

New York - Bei einer Internetumfrage des "Time"-Magazins stimmten rund 20 Prozent der Nutzer für Miley Cyrus als Mensch des Jahres. Doch das Magazin stimmte dann lieber selbst noch einmal ab.

Papst Franziskus ist für das New Yorker Magazin „Time“ der „Mensch des Jahres“. „Er nahm den Namen eines bescheidenen Heiligen an und will eine Kirche der Heilung. Der erste Nichteuropäer als Papst in 1200 Jahren hat die Kraft, die Welt zu verändern“, begründete das Magazin seine Entscheidung.

In den neun Monaten seit seiner Wahl habe es Papst Franziskus geschafft, "zu einer zentralen Stimme zu werden in den wesentlichen Diskussionen unserer Zeit: über Reichtum und Armut, Fairness und Gerechtigkeit, Transparenz, Modernität, Globalisierung, die Rolle der Frau, die Ehe sowie die Versuchungen der Macht", würdigte die "Time"-Redaktion das Kirchenoberhaupt. Der aus Argentinien stammende Franziskus war im März zum Papst gewählt worden, nachdem sein deutscher Vorgänger Benedikt XVI. zurückgetreten war. Der 76-jährige Franziskus machte seitdem durch Reformanstrengungen und einen bescheidenen Stil auf sich aufmerksam. 

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi zeigte sich erfreut über die Würdigung. Es sei ein positives Signal, dass einer der angesehensten Medienauszeichnungen an jemanden gehe, "der geistige, religiöse und moralische Werte predige" und sich für für Frieden und mehr Gerechtigkeit einsetze. "Wenn dies Männer und Frauen Hoffnung gibt, dann ist der Papst zufrieden."

Auf dem zweiten Platz landete der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der die Affäre um die Ausspähaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA ins Rollen brachte. Er hoffe, dass seine Enthüllungen zu einem Bewusstseinswandel und mehr Offenheit seitens der Regierungen führten, erklärte Snowden in einem schriftlichen Interview mit dem Magazin. US-Präsident Barack Obama müsse nun die Überwachungsprogramme reformieren und sicherstellen, dass die NSA nicht weiter Bürger auf unangemessene Weise ausspähe.

Er habe das Risiko, verfolgt zu werden, auf sich genommen, weil er die Gefahren eines Überwachungsstaates erkannt habe, schrieb Snowden, der in Russland im Exil lebt. "Was uns am meisten beunruhigt, ist nicht, dass solch eine Überwachung theoretisch möglich ist, sondern dass sie umgesetzt wurde, ohne dass ein Großteil der Bevölkerung überhaupt wusste, dass so etwas machbar ist."

Den dritten Platz in der "Time"-Liste belegte die US-Aktivistin Edith Windsor, die im Juni im hohen Alter von 84 Jahren Geschichte geschrieben hatte. Die verwitwete Lesbe erreichte, dass der Supreme Court homosexuellen Paaren auf Bundesebene die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paaren einräumte.

Lindbergh erste "Person des Jahres"

Seit 1927 kürt das renommierte Magazin alljährlich eine Person des Jahres. Dabei wird die eine Person oder Gruppe von Personen gesucht, die die Welt am meisten beeinflusst hat - zum Guten oder Schlechten. Man suche jemanden, der sowohl abbilde, wo die Welt gerade stehe, als auch, in welche Richtung es mit ihr weitergehe, schreibt das Magazin auf seiner Internetseite.

Der Legende nach entstand die Idee zu der Ehrung Ende 1927. Die Herausgeber stellten beim Durchsehen der Ausgaben des Jahres fest, dass sie das ganze Jahr über kein einziges Mal Charles Lindbergh nach seinem historischen Flug über den Atlantik auf das Cover gedruckt hatten. Um diesem Ereignis eine späte Würdigung zu geben, dachten sich die Herausgeber den „Mann/Mensch des Jahres“ aus und machten Lindbergh zum ersten. Später wurde der Titel in „Person des Jahres“ umbenannt.

Das das Magazin nicht nur guten, sondern auch schlechten Einfluss in einem Jahr widerspiegeln möchte, zeigten die Herausgeber bereits mehrfach. Unter anderen wurde Adolf Hitler 1938 zur Person des Jahres und der russische Diktator Josef Stalin gleich zweimal, 1939 und 1942. In diesem Jahr war unter anderen der syrische Präsident Baschar al-Assad nominiert.

Vor Franziskus wurden in den vergangenen Jahren US-Präsident Barack Obama (2012), die Demonstranten in Tunesien (2011) und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (2010) zur „Person des Jahres“ gekürt. In früheren Jahrzehnten bekamen auch die Päpste Johannes XXIII. (1958-1963) und Johannes Paul II. (1978-2005) diesen Titel.

dpa

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