Lagerfelds neuer Duft riecht nach Papier

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Ein Parfüm, das nach Papier riecht: Den Flakon hat Karl Lagerfeld gestaltet.

Berlin - In einer Welt ohne Papier könne er nicht leben, schreibt Designer Karl Lagerfeld. Damit wirb er für das weltweit ein besonderes Parfüm - es riecht nach Papier.

Den Geruch druckfrischer Bücher in eine Parfümflasche zu bannen, ist eine verrückte Idee. Doch nach einjähriger Vorbereitung wurde „Paper Passion“ tatsächlich auf der noch bis Sonntag laufenden Designmesse in Mailand präsentiert: Es ist ein Buch mit einem weißen Leinen-Einband, hinter 32 bedruckten Seiten liegt in einer roten Aussparung der Flakon. Das Design der Verpackung und ein Vorwort stammen von Modezar Karl Lagerfeld, der sich darin als „Paper Freak“ outet und davon schwärmt, schönes Papier anzufassen und zu riechen. Literaturnobelpreisträger Günter Grass steuert ein kurzes Gedicht mit dem Titel „Duftmarken“ bei.

Hinter dem ungewöhnlichen Projekt steckt der Göttinger Verleger Gerhard Steidl, der die Rechte an Grass' Werk besitzt und sich vor allem mit Fotobüchern einen Namen gemacht hat. Für den 61-Jährigen ist das Büchermachen ein sinnliches Erlebnis. „Der Geruch eines frischen Buchs ist betörend wie ein Rauschmittel“, sagt Steidl der Nachrichtenagentur dpa. „Ja, dieser Duft ist dein Parfüm“, bemerkt der US-Fotograf Robert Frank in einem Dokumentarfilm über Steidl, als ihn der Verleger an einem neuen Bildband schnuppern lässt. Wegen dieser Szene regte das britische Lifestyle-Magazin „Wallpaper“ das gemeinsame Projekt an.

Dutzende Bücher, Papiere, Tinten und Farben schickte Steidl dem Berliner Parfümeur Geza Schön als Inspiration. Wohlgemerkt geht es um den Duft neuer Druckerzeugnisse, nicht um den modrigen Geruch, der alten Büchern oft anhaftet. „17 Versuche habe ich gebraucht, meine Papierbase ging relativ fix“, erzählt der 43-Jährige, der innovative Düfte kreiert und Popikone Madonna und Fußballstar Lionel Messie als seine Kunden nennt. „Papier riecht industriell, trocken und fettig“, beschreibt Schön. In seiner Kreuzberger Wohnung, wo Fläschchen mit fast 800 Rohstoffen stehen, mixte er aus 13 Rohstoffen den neuen Duft.

Der Parfümeur hätte den rohen Papiergeruch mit holzig-chemischer Note bevorzugt, doch auf Wunsch seiner Auftraggeber machte er „Paper Passion“ mit Nuancen von Osmanthus und Moschus tragbarer. „Es riecht trotzdem noch krass nach Buch“, sagt Schön. Der gebürtige Kasseler lernte sein Handwerk beim Duftunternehmen Haarmann & Reimer (heute Symrise) im niedersächsischen Holzminden und arbeitet seit über zehn Jahren selbstständig. Den internationalen Durchbruch schaffte er mit seiner eigenen Marke „Essentric Molecules“.

Den reinen Papier-Duft schmetterte Steidl allerdings ab. „Ich wollte keinen experimentellen Duft, um Duftkerzen in Buchläden oder bei Lesungen anzuzünden, sondern ein modernes Parfüm basierend auf zeitgenössischen Büchern“, betont der Verleger. Von August an soll „Paper Passion“ weltweit in Buchhandlungen, Museumsshops sowie in Concept Stores und Nischenparfümerien verkauft werden.

„Es ist eine witzige Idee. Den berühmten Neuwagen-Duft gibt es ja schon lange“, kommentiert Geruchsforscher Hans Hatt das Projekt. „Aus Studien weiß man, dass in Reisebüros mit Sonnenmilchduft mehr Reisen verkauft werden.“ Es wäre also sinnvoll, Buchläden mit „Paper Passion“ zu beduften, schlägt der Professor für Zellbiologie an der Uni Bochum vor. Voraussetzung für den Erfolg sei allerdings, dass der Duft originalgetreu ist. „Die Nase gehört zu unseren empfindlichsten Sinnesorganen. Wenn wir merken, da stimmt was nicht an dem Geruch, vermittelt das ein ungutes Gefühl.“

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