Korruptionsaffäre bringt spanisches Königshaus in Verlegenheit

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Iñaki Urdangarin (hinten rechts) steht unter Korruptionsverdacht. Das spanische Königshaus um Kronprinz Felipe (vorne links) gerät unter Bedrängnis

Madrid - Ein Schwiegersohn des spanischen Königs Juan Carlos steht unter Korruptionsverdacht. Iñaki Urdangarin, dem Mann von Infantin Cristina, könnte demnächst der Prozess gemacht werden.

Das spanische Königshaus hüllt sich in Stillschweigen. Eine Korruptionsaffäre, in die der Schwiegersohn von König Juan Carlos anscheinend verwickelt ist, soll dem Monarchen zu peinlich geworden sein. Auch der umstrittene Adlige, der seit 2009 mit Frau und vier Kindern in Washington lebt, schweigt - womöglich bis er vor Gericht erscheinen muss. Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied des spanischen Königshauses eines Deliktes verdächtigt wird.

Die Staatsanwaltschaft auf der Balearen-Insel Mallorca hat diese Woche gegen Iñaki Urdangarin (43) Ermittlungen wegen des Verdachts der Korruption eingeleitet. Der Ehemann der spanischen Prinzessin Cristina soll in den Jahren 2004 bis 2006 als Vorsitzender der in Barcelona ansässigen Stiftung Nóos rund eine Million Euro an öffentlichen Geldern von den Regionalregierungen der Balearen und Valencia veruntreut haben. Bei Durchsuchungen von Firmen in Barcelona, die von Aufträgen des gemeinnützigen Instituts Nóos profitiert hatten, wurden möglicherweise kompromittierende Dokumenten beschlagnahmt. Das Gerichtsverfahren soll erst beginnen, wenn diese ausgewertet sind.

Auch wenn das Königshaus sich nicht zu den Anklagen äußern will, sagten Kreise des Zarzuela-Palastes in Madrid am Freitag der Zeitung “El Mundo“, Urdangarin müsse sich “wie jeder gewöhnliche Bürger“ verteidigen. Das Königshaus respektiere die Arbeit der Richter. Juan Carlos sei auf Distanz zu seinem Schwiegersohn gegangen, weil er durch die Affäre Schaden für das Ansehen des Königshauses befürchte.

Die private spanische Nachrichtenagentur Europapress reagierte mit Unverständnis auf die mutmaßlichen schmutzigen Geschäfte des Herzogs von Palma, der diesen Adelstitel seit seiner Hochzeit mir der Infantin Cristina im Oktober 1997 führt. “Wie kann man verstehen, dass eine Person, die alles hat, hübsch und intelligent ist, gut bei den Menschen ankommt und das kulturelle Niveau hat, um gut zu leben, sich in wenig saubere und transparente Geschäfte verwickelt?“, schrieb die Agentur in einem Kommentar.

Dies sei umso verwunderlicher, als der Herzog als Mitglied des Königshauses ein finanziell sorgloses Leben führen könne. In Spanien ist bekannt, dass König Juan Carlos einen Großteil der mehr als acht Millionen Euro, mit denen der Staat jährlich das Königshaus alimentiert, unter seinen Kindern verteilt.

Der im Baskenland geborene Schwiegersohn von Juan Carlos hatte sich vor seiner Heirat mit Cristina einen Namen als Handballer gemacht. Die Infantin soll sich während eines Spiels in Barcelona sofort von dem gut aussehenden Sporter angezogen gefühlt haben. Er hat 175 Mal für die spanische Handball-Nationalmannschaft gespielt und unter anderem an den Olympischen Spielen in Barcelona (1992), Atlanta (1996) und Sydney (2000) teilgenommen. 2001 war er wegen seiner sportlichen Verdienste mit einem königlichen Orden ausgezeichnet worden. In der spanischen Boulevardpresse wurde stets betont, dass Juan Carlos eine besondere Zuneigung für seinen einzigen Schwiegersohn empfinde. Das dürfte sich jetzt geändert haben.

dpa

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