Der Hollywoodstar ganz privat

Chris Pratt: „Was Sie sehen, ist Schall und Rauch“

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Dierk Sindermann im Interview mit Chris Pratt.

Spätestens seit dem Science-Fiction-Blockbuster „Guardians of the Galaxy“ ist Chris Pratt in der Oberliga Hollywoods angekommen. Im Interview plaudert er über Ruhm, Privates und seinen perfekten Tag.

Wie reagiert ein Star, wenn der Journalist sich zum Interview verspätet? Bestenfalls verschnupft. Darum hämmer ich nervös auf die "Up"-Taste des Aufzugs im noblen Hollywood-Hotel "The London". Ich bin im zweiten Stock mit Chris Pratt verabredet. Der Aufzug lässt auf sich warten. Schweißausbruch. Dann sagt eine Stimme in meinem Rücken: "Kein Stress, Kumpel, ich bin auch noch nicht da." Chris steht hinter mir und grinst. Ich kenne das aus früheren Treffen. Der coole Typ ist immer freundlich, bemüht sich, selbst auf taffe Fragen eine ehrliche Antwort zu geben. Warum fangen wir dann nicht gleich mit einer solchen an.

Was ist die andere Seite des Sonnyboys? Die ernsthafte. Oder gibt es gar eine dunkle?

Chris Pratt: Jeder hat eine ernsthafte Seite. Vielleicht habe ich auch eine dunkle. Aber die zeige ich nicht in der Öffentlichkeit, sie gehört zu meinem Privatleben.

Wie gehen Sie mit Konflikten um? Hauen Sie auch mal auf den Tisch, wenn Sie die Faxen dicke haben?

CP: Ich bin in einer Familie groß geworden, in der Streitigkeiten kaum offen ausgetragen wurden. Ich glaube, dass es nicht besonders gesund war, weil man so auch oft Konflikten aus dem Weg gegangen ist. Deshalb tendiere ich dazu, nichts zu sagen, wenn mich was stört. Ich brodele eher innerlich, wenn ich richtig wütend werde.

Was lässt sie am ehesten wütend werden?

CP: Gerüchte und Flüsterkampagnen. Es macht mich echt verrückt, wenn die Leute alles zu glauben scheinen, selbst wenn es keine Beweise gibt. Besonders schlimm ist es, wenn man durch erfundene Schock-Überschriften die Leute dazu bringen will, auf den Link zu klicken.

So quälte sich Chris Pratt für die „Guardians“-Fortsetzung

Wie schwer war es, sich Ihre Superheldenfigur für „Guardians of the Galaxy 2“ anzutrainieren?

CP: Sehr hart. Ich musste mit einer Spezialdiät abspecken. Ich habe ständig Sandwiches essen müssen.

Das klingt doch gut.

CP: Nicht wenn man das Brot durch Gurkenscheiben ersetzt und der Belag nicht Aufschnitt, sondern Sprossen und hartgekochtes Ei ist. Ich bin normalerweise jemand, der fettiges, frittiertes Essen liebt.

Wäre es nicht klüger auch zwischen den Rollen ihre Halbgott-Figur zu halten?

CP: Ich will mein Leben genießen. Sie hätten mich mal im Dezember sehen sollen. Ich hatte seit letztem Juli über 10 Kilo zugenommen. Ich war auf Angeltrips, habe Wein getrunken und Burger gegessen. Ich war blass und wabbelig…

…und sind heute muskelbepackt!

CP: Ich musste mich vor kurzem für das Cover vom Magazin „Men’s Fitness“ ablichten lassen. Glauben Sie mir, ich habe mich dafür mächtig gequält und das Leben war kein Spaß. Was Sie jetzt sehen ist Schall und Rauch – Chris Pratt der Hollywoodstar. Inklusive professionellem Styling und Spray-Teint. Es braucht eine große Crew, um mich gut aussehen zu lassen (lacht).

Wie bevorzugt Sie denn Ihre Frau Anna Faris?

CP: Sie mag den normalen Chris. Um sie herum kann ich ich selbst sein. Ungeschminkt. Am besten war es, als Anna schwanger war. Da haben wir beide gegessen und getrunken was wir wollten und haben gemeinsam zugenommen. Es war großartig.

Ruhm? „Total surreal“

Sie sind spätestens seit der ersten Folge von „Guardians of the Galaxy“ zum Weltstar aufgestiegen. Wie gehen Sie mit dem Ruhm um?

CP: Ich sehe mich überhaupt nicht so. Selbst wenn ich abheben sollte, würden mich meine Familie und Freunde sofort auf den Teppich zurück holen. Ich bin wie der 10-jährige Junge, der es nicht fassen kann, dass er am selben Set ist wie die Hauptdarsteller aus seinem Lieblingsfilm „Tango und Cash“. Plötzlich drehst du Szenen mit Sylvester Stallone und Kurt Russell. Total surreal. Idole meiner Jugend sind plötzlich einfach Kollegen. Echt Gewöhnungssache.

Wie sehr hat sich Ihr Leben verändert?

CP: Sehr. Aber wenn Sie jetzt hören wollen, dass ich den Verlust der Anonymität beklage oder so, dann muss ich Sie enttäuschen. Das gehört für mich dazu. Ich bin unheimlich stolz und froh über mein Leben. Es füllt mich aus und deshalb bin ich auch ein sehr glücklicher Mensch. Allein dass ich nicht mehr auf Rechnungen schauen muss bevor ich sie bezahle, ist schon was Tolles.

Sie haben dank ihrer Gagen genug Geld, um sich als Privatmann bald einen Flug ins Weltall leisten zu können. Oder eine Reise zum Mond. Hätten Sie da Lust drauf?

CP: Ich hätte ein paar Leute in Kopf, die ich gerne zum Mond schießen würde (lacht). Aber selbst durch den Weltraum fliegen, darauf verzichte ich. Ich habe Familie und würde wegen ihr kein so großes Risiko eingehen. Zumindest solange, bis mein Sohn im College-Alter ist. Dann überlege ich mir den Trip vielleicht noch einmal.

Bis dahin lassen Sie also alles, was gefährlich sein könnte?

CP: Kalkuliertes Risiko geh ich schon mal ein. Tiefseetauchen zu Beispiel, das mache sehr gerne. Und irgendwie fühlt sich ja auch das so an, als sei man im All unterwegs. Unter Wasser wie im Weltraum hängt das Leben davon ab, dass das Atemgerät funktioniert.

Erziehung á la Pratt

Ihr Sohn Jack ist 4 Jahre alt. Was versuchen Sie ihm fürs Leben mit auf den Weg zu geben?

CP: Das man immer “Bitte” und “Danke” sagen soll. Wenn er es vergisst, mahne ich „Wie heißt das?“. Das Schlimme ist, dass mein Sohn mir meine eigenen Erziehungsmaßnahmen um die Ohren haut. Neulich hab ich zu ihm gesagt „Jetzt setz dich hin!“ Er hat nicht reagiert und mich dann in meinem Papa-Tonfall gemaßregelt „Wie heißt das?“. Es war echt schwer, nicht zu lachen.

Und Sie haben was gesagt?

CP: Setz dich BITTE hin lieber Jack. Danke! (lacht)

Diese drei Dinge hat Pratt immer auf Reisen dabei

Sie reisen als Schauspieler ständig durch die Welt. Gibt es etwas, was Sie immer mit dabei haben?

CP: Ich reise nicht, ich werde verschickt. Wie ein Amazon-Paket (lacht). Reisen heißt, dass man sich das Ziel selbst aussuchen kann. Ich weiß oft gar nicht, wohin der Flieger geht, wenn die Maschine losrollt. Ich habe aber immer eine Tasche dabei, wo ich drei Dinge drin habe, ohne die ich nicht fliege. Meine Kopfhörer, ein Buch und einen Zauberwürfel, mit dem ich meine Sitznachbarn wahnsinnig mache. Weil ich stundenlang daran herumdrehe.

Packen Sie Ihre Koffer selbst?

CP: Selten. Sonst würde ich die Hälfte vergessen, weil ich es immer auf den letzten Drücker mache. Gottseidank ist meine Frau das Gegenteil und legt schon zwei Tage vorher alles raus. Wenn nicht, dann fehlen schon mal so Dinge wie meine Unterwäsche, meine Socken oder mein Pass.

Wenn Sie sich einen perfekten Tag ausmalen, wie sähe der aus?

CP: Ich wäre völlig unerkannt mit meiner Familie am Black Rock Strand in Maui. Mit einem Picknick im Sand. Ich würde mit meinem Sohn im Wasser spielen und mit meiner Frau die Leute beobachten. Traumhaft!

Sindermann/SnackTV

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