Freilassung Polanskis: Empörung in den USA

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Roman Polanski

New York/Los Angeles/Washington - Die Freilassung Roman Polanskis durch die Schweizer Behörden hat in den USA Empörung ausgelöst.

Er sei “tief enttäuscht“ über die Entscheidung, die Auslieferung des Regisseurs nach Kalifornien zu verweigern, sagte der Bezirksstaatsanwalt Steve Cooley der Zeitung “Los Angeles Times“. Der Regisseur sei schließlich wegen schwerer Vorwürfe verurteilt, betonte Cooley. Die USA werfen dem Oscar-Preisträger vor, sich in den 70er Jahren an einer Minderjährigen vergangen und dann der US-Justiz entzogen zu haben. Seine Behörde habe alle notwendigen Unterlagen für den Auslieferungsantrag geliefert, sagte Cooley. Zum weiteren Vorgehen der US-Behörden kündigte er an: “Wir werden mit dem Justizministerium über die Auslieferung von Roman Polanski sprechen, falls er in einem kooperativen Zuständigkeitsbereich verhaftet wird.“ Das Justizministerium in Washington wies den Vorwurf der Schweizer Behörden zurück, das Auslieferungsgesuch habe Mängel gehabt.

Polizeifotos von US-Stars

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Die gelieferten Beweise hätten den Antrag “voll unterstützt“ und alle Bedingungen erfüllt, sagte Sprecherin Laura Sweeney. Die USA hätten kein Verständnis für die juristischen Argumente der Schweizer Behörden und würden weiter versuchen, den 76-Jährigen zur Verantwortung zu ziehen, sagte Philip Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums. “Ein 13-jähriges Mädchen wurde unter Drogen gesetzt und von einem Erwachsenen vergewaltigt. Das ist keine Frage, bei der es um Formalitäten geht.“ Die Schweizer Behörden hatten entschieden, dass der Regisseur wegen des Jahrzehnte zurückliegenden Sexualdeliktes nicht an die USA ausgeliefert wird. Die USA könnten diese Entscheidung nicht anfechten, hieß es in Bern. In Berlin, Paris und Warschau gab es freudige Reaktionen auf die Freilassung des französisch-polnischen Filmemachers. Einer von Polanskis Anwälten, Georges Kiejman, äußerte sich erleichtert. “Ich bin natürlich sehr glücklich für Roman“, betonte er gegenüber der Zeitung “New York Times“ in einem Telefoninterview.

Der ganze Fall sei ein “amerikanisches Missverständnis“, so der Anwalt. Er hoffe, dass der Filmemacher eines Tages wieder unbehelligt in die USA reisen könne. “Intellektuell und künstlerisch ist es eines seiner adoptierten Heimatländer“, so Kiejman. Polanski war Ende September 2009 aufgrund eines US-Haftbefehls in Zürich festgenommen worden und stand seit Dezember unter Hausarrest. Die Schweizer Behörden entschieden nun, ihn nicht auszuliefern und alle Auflagen aufzuheben.

dpa

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