„Erwachsen auf Probe“

Familiennetzwerk schaltet Gericht gegen RTL ein

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In der Sendung „Erwachsen auf Probe“ sollen Teenager den Umgang mit Babys und Kleinkindern lernen.

Köln - Über die Ausstrahlung der neuen RTL-Reihe “Erwachsen auf Probe“ wird jetzt vor Gericht entschieden:

Das deutsche Familiennetzwerk, ein bundesweiter Verbund aus knapp 100 Organisationen, hat beim Kölner Verwaltungsgericht einen Erlass auf einstweilige Anordnung beantragt. Das bestätigte am Dienstag ein Gerichtssprecher. Das Gericht werde seine Entscheidung am Mittwochvormittag bekanntgeben, sagte er.

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Die seit Wochen umstrittene Reihe “Erwachsen auf Probe“ soll an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) anlaufen. In ihr sollen Teenager den Umgang mit Babys und Kleinkindern lernen. Ziel des Antrags sei es, die Ausstrahlung von “Erwachsen auf Probe“ zu verhindern, da “gravierende Menschenwürdeverletzungen“ befürchtet würden, hieß es vom Familiennetzwerk. Zudem werde dem Fernsehzuschauer suggeriert, dass die “Vermietung von Kindern normal“ geworden sei. “Bereits schwangere Mädchen im Teenageralter könnten durch die Sendungen, in denen vollkommen überforderte Teenager- Pärchen in - aus pädagogischer und familiärer Sicht - abschreckender Art und Weise gezeigt werden, ermuntert und geradezu aufgefordert werden, die Schwangerschaft abzubrechen oder ihr Kind abzutreiben.“

RTL musste bereits in der jüngsten Vergangenheit viel Kritik einstecken. Viele Verbände und Politiker attackierten die neue TV- Reihe. Am Ende der vergangenen Woche wandten sich 60 Organisationen und Verbände - unter ihnen Pro Familia, die SOS-Kinderdörfer, der Deutsche Lehrerverband, der Deutsche Kinderschutzbund und der Deutsche Hausfrauenbund - gegen RTL. Auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen kritisierte den Sender und sprach sich für einen Stopp der Reihe aus. “Man fragt sich die ganze Zeit: Was ist mit den Kindern? Wo bleiben deren Rechte?“, sagte sie dem “Spiegel“.

Die Eltern gaben während der Aufnahmen ihre Kinder bis zu vier Tage an die Jugendlichen ab, konnten aber jederzeit zugucken und eingreifen, betonte RTL. “Wir haben das Wohl der mitwirkenden Kinder, Paare und Eltern ebenso fest im Blick wie die Wirkungen auf unsere Zuschauer“, sagte Geschäftsführerin Anke Schäferkordt bereits vor einer Woche. “Wir weisen den aktuellen Druck, den zahlreiche Organisationen und Verbände auf RTL wegen der Ausstrahlung des neuen Formats ausüben, entschieden zurück“, erklärte Schäferkordt. Die Sendung sei eine einzigartige Möglichkeit für die beteiligten Jugendlichen mit Kinderwunsch, Familienkompetenz zu erlernen. Schäferkordt führte die Bedenken um die Kinder unter anderem auf eine missverständliche Ankündigung ihres Senders zurück und erklärte: “Wir haben vollstes Verständnis für die Sorge - die aufgrund der misszuverstehenden RTL-Pressemitteilung entstanden ist -, dass Kinder mehrere Tage der Obhut ihrer Eltern entrissen werden. Doch diese Sorge können wir zu 100 Prozent entkräften, dies war nicht der Fall.“

Wenn die Reihe anläuft, wird sich die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten am Donnerstag jugendschutzrechtlich mit dem Thema befassen.

dpa

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