Wie sich der Ex-Star im Internet selbst zertrümmert

Boris’ nächste Besenkammer

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Eine Legende demontiert sich selbst: Boris mit Lilly in Beckers peinlichem Internet-Sender

Der bisherige Welt­rekordler unter den Orientierungslosen war ja Odysseus.

Sie erinnern sich: Zehn Jahre sinnloses Spazierensegeln, jede Menge Stress mit Poseidon – und kein Navi an Bord, das ihm den richtigen Weg weist. Doch mittlerweile hat Homers irrlichternder Alt-Grieche einen würdigen Nachfolger gefunden: Boris Becker, der am Freitag in den Hafen einläuft, der Ehe – allerdings nicht in Ithaka, sondern in St. Moritz. Dabei ist die RTL-Traureifenoper Vorteil Becker – Boris’ Traumhochzeit in St. Moritz noch nicht einmal der Gipfel des Gruselns. Die finale Selbstzertrümmerung findet derzeit im Internet statt, wo Becker seit Mai einen eigenen „Fernsehsender“ unterhält. Nach vier Wochen Boris Becker TV lässt sich diagnostizieren: Mit dieser multimedialen Besenkammer hat der Mann seinen traurigsten, entwürdigendsten Flop gelandet. „Ihr könnt Euch vorstellen, wie uns die Hochzeit auf Trapp hält“, verrät der 41-Jährige in seinem „Blog“ auf boris-becker.tv. Kein Zweifel, nicht nur für Trap: Boris hat fertig.

Beckers Frauen - Exotisch und erotisch

Boris Beckers Frauen - exotisch und erotisch

Das Becker-Fernsehen, in dem sich der gefallene Tennisgott als „Big Brother Boris“ selbst exhibitioniert, ist eine Art virtuelles FKK mit 25 Kilo Übergewicht. Viel Freikörper, keine Kultur. Laut eigener Aussage führt Becker in den Filmchen vor, „wie ich 2009 wirklich bin“.

Das klingt dann in einem Beitrag zu den Hochzeitsvorbereitungen mit Sharlely „Lilly“ Kerssenberg so: „Das Wichtigste steht noch auf der Liste: Cartier! Das bedeutet Nervenkitzel pur.“ Die Lilly ist zu sehen, wie sie ihre künftige „Becker“-Unterschrift probt. Auch sie filmt eifrig das Familien­leben ab. Boris vermeldet bedeutungsschwanger: „Wir haben mit dem Priester gesprochen!“ Aha, so ist er also, der Becker 2009, der Mann mit der Berufsbezeichnung „Legende“. Braucht Klunkerkauf als Nervenkitzel. So reich, so arm.

Kein Wunder, dass kaum jemand hinschauen mag, wie Becker sich, seine Lilly, seine Kinder vorführt. Die Zuschauer sind aufgerufen, die Beiträge zu kommentieren – doch mehr als ein, zwei User erbarmen sich selten. Beim aktuellen Video mit dem Titel Alle schwärmen über Lilly sind bis Dienstag früh zwei Kommentare aufgelaufen.

Einer klingt verdächtig nach einer bestellten Dienstleistung von Beckers Produktionsfirma unter dem Kürzel „BBTVFAN“ („Guter Return!“). Der andere zeigt, auf welch kläglichem Niveau der Alt-Held heute dümpeln muss. „Karl“ schreibt: „hi boris, ich verfolge deine geile perfomränz jeden tag und muss sagen das wird immer besser. echt geil sozusagen. naja wenn du willst kanns ja mal zurückschreiben. würd mich freuen. ich find du und lilly ihr passt gut zusammen auch mendal und pschologisch ciao karle.“

In der Internet-Community Facebook mit weltweit 200 Millionen Usern läuft’s weniger gut. Auch hier findet der Leimener Irrfahrer nicht viele Anhänger. Gerade mal zehn „Freunde“ verzeichnet sein Profil – darunter ein Mitarbeiter seiner Website und offenbar eine Familienangehörige von Peter Lauterbach, einem Premiere-Autorennen-Ansager, der Boris Becker TV mitinitiiert hat. Bleiben acht „Freunde“, die sich dafür interessieren, dass sich „die Tennislegende im Netz so privat zeigt, wie es noch kein deutscher Promi vor ihm getan hat“. Und wie es nach ihm hoffentlich auch keiner mehr tun wird. Der Weg ist weit nach Itha­ka. Und mancher findet ihn nie.

Jörg Heinrich

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