Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

"Zur Not den Garten rauf und runter"

Nach zwei Wochen Grippe und echter Schlappheit geht es endlich wieder ans Laufen. Und wenn ich zwei Wochen nicht laufen war, dann war ich echt krank. Sonst geh ich, ich geb’s zu, trotzdem mal.

„Nur eine halbe Stunde wird nicht so wild sein“, sage ich dann lapidar. Unterschätzt man oft. Und unterschätzt hab ich auch das mit dem Corona. Ich war jemand von den Leuten, die das alles nicht so ernst genommen haben und sich zunächst darüber lustig gemacht haben. 

Bis, nein, nicht bis alle Toilettenpapier gekauft haben wie blöde. Nein, bis, und ja, das ist verrückt, die ersten Laufveranstaltungen abgesagt wurden. Lächerlich für Nicht-Läufer, aber für Läufer halt wirklich ein Zeichen: Oh, da stimmt was nicht. Denn solche Läufe werden ja fast nie gecancelt.

 Der Syltlauf, der Hamburg-Marathon, der Hermannslauf. Wirklich große Veranstaltungen. Alles, was halt in den nächsten Wochen ansteht und wofür viele sich angemeldet und trainiert haben. 

Tja, da wurde mir bewusst: Es ist wohl doch ernster zu nehmen. Und jetzt liest man wirklich im Internet und WhatsApp und was weiß ich: Wie blöd, ich hab so lange drauf hin trainiert... Mmmhh. 

Da sollte man sich mal überlegen: Warum laufe ich? Für andere? Für Bestätigung? Mein Mann beispielsweise hat mit seinen Freunden für den Hermannslauf trainiert – also schon etwas längere Läufe gemacht. Aber die vier Jungs lassen sich nicht unterkriegen, denn die sind, natürlich, wie soll es anders sein, extrem fit zur Zeit. 

Und trainieren einfach weiter, weil's doch langsam anfängt, Spaß zu machen, auch mal mehr als die üblichen zehn Kilometer zu laufen. Also einfach weiter trainieren, denn der nächste Wettkampf kommt bestimmt. Klar, trainiert man gerne auf ein Ziel hin und hat sich einen Plan gemacht. Und ja, es ist ärgerlich, wenn man sich gerade in der „Form seines Lebens“ befindet (ach, die hatte ich schon so oft…). 

Aber eigentlich sollten wir „Hobbyläufer“ ja laufen um zu laufen. Weil´s gut tut, weil man vielleicht auf Schmerzen steht, weil man mal zuhause raus muss und einfach um mal durchzuatmen. Und weil wir es mögen, fit und gesund zu sein. Und das soll ja auch so bleiben. Daher ist es ja auch Quatsch sich aufzuregen, dass Veranstaltungen dieser (doch eigentlich unwichtigen) Art abgesagt werden. Allerdings freue ich mich auch wieder auf die Zeiten, in denen wir uns nach Läufen verschwitzt in den Armen liegen und man einfach nette Menschen trifft, die halt immer so da sind. 

Das wird mir auch die nächste Zeit fehlen. Das dämliche Gequatsche von manchen, die dummen Sprüche unterwegs und so – das kann mir zuhause doch keiner geben. Aber wir Läufer können ja jetzt auch einfach froh sein, dass wir nicht von den Schließungen der Studios, Turnhallen oder Schwimmbäder betroffen sind. 

Laufen können wir immer draußen. Ich hoffe das bleibt auch so, denn sonst wird’s bei mir auch kritisch mit der guten Laune, gerade in Zeiten der Schulferien-Verlängerung und keinerlei Sportangebote für die Kinder. 

Andererseits stöhne ich auch da auf hohem Niveau: Mit drei Kindern habe ich ja eine Art Kleingruppe zuhause, die genug soziale Kontakte enthält, mehr als mir manchmal lieb ist. Und ich lauf zur Not einfach unseren Garten rauf und runter, mit Stöpseln in den Ohren: Wo ein Lauf-Wille, da ein Lauf-Weg..

Die Autorin 

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohnt mit Ehemann David in Capelle.

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