Für Wernes Meistertrainer Henke heißt es erst einmal Brasilien

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Christoph Henke, hier bei einer Taktik-Anweisung mit Stefan Pavleski.

Werne - Christoph Henke, 32 Jahre alt und Unternehmensberater im Gesundheitswesen, hat gleich in seinem ersten Jahr als Cheftrainer den Aufstieg mit den Männern der LippeBaskets Werne in die 2. Regionalliga geschafft und damit sich, die Mannschaft und den Verein vor eine neue Herausforderung gestellt.

Einen kurzen Blick zurück und einen optimistischen Ausblick gibt’s im Interview mit WA-Redakteur Rainer Gudra.

Wie lange haben die Nachfeiern nach dem tollen Ligafinale und dem Titelgewinn in der Oberliga noch gedauert?

Christoph Henke: Nach dem Spiel sind wir bis vier oder fünf Uhr gemeinsam ins Rathaus. Schön ist, dass wir alle zusammen geblieben sind und sich später keine Grüppchen gebildet haben. Trainiert haben wir danach gar nicht mehr. Ich hatte für die Ferien keine Hallenzeiten mehr beantragt. Wir waren am Mittwoch nach dem Spiel noch einmal gemeinsam zum Essen, haben das Ganze noch einmal genossen und das schöne Gefühl konserviert.

Die neue Saison beginnt erst Mitte September. Hält das denn so lange vor?

Henke: Es ist bis dahin sicher eine lange Zeit. Zunächst aber haben wir in die vergangene Saison eine ganz Menge Arbeit reingesteckt. Wir wollen jetzt nicht sofort los und alles neu planen und sagen: Wir müssen dies verändern oder das. Wir werden zunächst zwei Einheiten in der Woche anbieten, in denen der Spaßfaktor aber groß ist.

Einen Plan zu machen für die nächsten mehr als fünf Monate ist aber eine Herausforderung....

Henke: ... Ja, ganz bestimmt. Wir müssen gucken, dass wir nicht zu früh wieder aufs Gas gehen und dann im September keiner mehr Lust hat. Zunächst einmal sollten die Spieler die Zeit nutzen und sich – zum Beispiel im Fitnessstudio – individuell verbessern. Im Juni wird es den ersten Block mit Blick auf den Saisonstart geben, ab August läuft der Countdown für den 18. September.

Und da warten ein paar dicke Brocken in der neuen Liga.

Henke:  Die Liga ist sehr attraktiv von den Namen her: Paderborn, Schwelm, AstroStars Bochum und natürlich auch Wulfen. Für die Liga ist es nicht schlecht, dass Wulfen ab- und wir aufgestiegen sind. Das wird den Zuschauerschnitt deutlich heben.

Jens König hatte als sportlicher Leiter gesagt, für die junge Mannschaft sei ein weiteres Aufbaujahr in der Oberliga eigentlich sinnvoller – gerade mit Blick auf die U16-Talente. Einen Plan gibt’s bestimmt auch für die 2. Regionalliga, oder?

Henke:  Es gab zwei Entscheidungen abzuwarten: Ob wir aufsteigen, und ob vielleicht die Zweite oder Dritte aufsteigt. Die bleiben jetzt beide in der Bezirksliga. Drei Ligen Unterschied – das ist natürlich nicht so ideal. Kai Küper, Niko Tilkiaridis und Luis Barkowski werden künftig verstärkt bei der Ersten mittrainieren. Der Fokus wird bei ihnen weiter auf die U16 gerichtet sein, Erfahrungen sollen sie in der zweiten Mannschaft sammeln. Im Laufe der Saison wird es sicherlich schöne Heimspiel-Momente geben, in denen sie auch die ersten Regionalliga-Minuten absolvieren werden. Das ist für die Jungs schon eine Hausnummer. Ich halte alle drei aber für sehr talentiert.

Auch von ein oder zwei Verstärkungen war im Gespräch mit Jens König die Rede. Da ist wohl in erster Linie an einen Center gedacht?

Henke:  Ich bin froh, dass Robin (Brachhaus, d. Red.) das so durchgezogen hat, vor allem, nachdem das mit Yannick (Brüggemann, Kreuzbandriss, d. Red.) passiert ist. Für Yannick bleibt die Tür offen. Wir werden ihm alle Zeit geben. Wir haben aber ein, zwei Kontakte. Wir werden da wohl eher einen jungen Spieler aus der Region mit Perspektive verpflichten.

Wo ist noch Bedarf?

Henke: Zunächst einmal: Den Kern bildet weiter die Aufstiegsmannschaft. Wir brauchen Spieler, die charakterlich passen und nicht nur auf die eigene Statistik schauen. Das Gleiche gilt für die Aufbauposition.

Fehlt ein erfahrener Spielmacher im Sinn des Wortes?

Henke:  Basti Voigt hat seine Qualitäten in diesem Bereich schon gezeigt und es ist bemerkenswert, dass er dies mit gerade einmal 19 Jahren geschafft hat. Aber um im Training und im Spiel auf das nächste Level zu kommen braucht er vielleicht einen, der drei, vier Jahre älter ist und aus einer höheren Liga kommt. Dann ist der Druck auf ihn auch nicht so groß.

Wie schwer ist es, einen solchen Mann zu holen?

Henke: Wir haben als Aufsteiger ein sehr geordnetes Umfeld, ein tolles Publikum und ein junges Team, das viel und gerne trainiert und sich entwickeln will. Da brauchen wir keine großen Scheine, um Spieler für den Standort Werne zu überzeugen.

Aber Sie verlassen den Standort Werne erst einmal für die nächste Zeit...

Henke:  ... Ja, am Freitag geht es für zwei Monate nach Brasilien. Ich werde am 14. Mai dort heiraten. Ich werde für vier Wochen Urlaub machen und für vier Wochen von dort aus arbeiten. Mein Arbeitgeber ist da sehr fortschrittlich. Technisch ist das ja kein Problem, auch wenn dort, wo ich bin, ab und an das Internet wackeln wird.

Wohin zieht es Sie dort?

Henke:  In ein kleines Dorf etwa eine Stunde südlich von Fortaleza am Atlantik. Es ist ein entschleunigtes Leben und vor allem sehr familiär.

Ist die Beziehung aus dem Brasilien-Besuch anlässlich der WM 2014 entstanden?

Henke:  Nein, ich war zwar sogar in Fortaleza und habe mir dort das Spiel der Niederlande gegen Mexiko angeschaut. Aber Roberta habe ich kennen gelernt, weil ich in der Folge daraus einen Portugiesisch-Sprachkurs angefangen habe. Für Jeden gab es dabei Kontakt zu einem Native Speaker – für mich eben mit Roberta. Und bald schon bin ich mal rübergeflogen...

Der Lebensmittelpunkt ist Deutschland?

Henke:  Ja, meine Verlobte war im Dezember schon hier und hat unter anderem die Spiele gegen Münster im Pokal und gegen Soest gesehen. Dass wir in Brasilien heiraten, hat einen ganz einfachen Grund. Von Robertas Seite werden 300 Verwandte zur Hochzeit kommen. Und die können wir ja schlecht alle in ein Flugzeug stecken.

Kussel und Thivessen mit dabei

Wer begleitet Sie aus Deutschland?

Henke:  Es wird bei der Hochzeit eine deutsche Delegation aus 15 Leuten geben – Michael Kussel ist dabei oder auch Andreas Thivessen. Wir haben haben auch schon ein Fußballspiel verabredet gegen die ganzen Onkel meiner Freundin. Ich freu’ mich drauf. Dann wird von uns die Strandgrätsche ausgepackt. So etwas kennen die nämlich nicht. Noch nicht...

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