Als erster Behinderter: Nick Nobbes Wahl setzt ein Zeichen

Nick Nobbe im Kreis der drei besten Werner Sportler

WERNE -  Nick Nobbe war schier überwältigt. Als sein Sieg am späten Samstagabend bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2013 verkündet wurde, gab es nicht nur laute Jubelschreie an dem mit seinen Vereinskameraden gefüllten Tisch.

Der Rolli-Tennisspieler, der für Blau-Weiß Werne spielt und im vergangenen Jahr Deutscher Meister in der Einstiegsklasse wurde, hatte mit 466 Stimmen überlegen die Wahl gewonnen.

„Ich habe damit nicht gerechnet. Alleine die Nominierung war überragend“, sagte der 19-jährige, der im Vorjahr sein Abitur am Gymnasium St. Christophorus gemacht hat und seit fünf Jahren Tennis spielt.

Dass der Publikumspreis erstmals an einen behinderten Sportler ging, bewertet Nobbe so: „Das setzt in meinen Augen ein gewisses Zeichen.“ Und im Anschluss an den Sportlerball feierte Nobbe noch auf der After-Show-Party mit zahlreichen Freunden aus dem Verein wie Kathrin Gößl ausgelassen: „Das wird noch ein schöner Abend. Mit dem Preis habe ich unglaublich viel Spaß.“

Und auch der beste Werner Fußballer, der extra zum Sportlerball aus Kopenhagen angereiste Profi Marvin Pourie, ließ es sich nicht nehmen, dass er auf ein gemeinsames Bild mit Nick Nobbe kommt. Natürlich, nachdem er seinen Kontrahenten bei der Sportlerwahl gratuliert hatte. Das taten übrigens die zahlreichen Gäste ebenfalls merhfach mit lang anhaltendem Applaus.

Dabei war es lange Zeit fraglich, ob Nobbe am Samstagabend überhaupt erscheinen konnte. Denn er musste sich Ende November am Bein operieren lassen. „Eigentlich wäre ich schon auf dem Weg in die Reha nach Hattingen“, sagte Nobbe, „aber die hat sich glücklicherweise auf Montag verschoben.“ Nach diesem Eingriff soll Nobbe ein neues Gangbild erlernen – ein par Schritte kann der Oberadener laufen.

Bei der Ausübung seines Sportes schränkt ihn das nicht ein – seine Beine werden in dem Spezial-Sportrollstuhl fest eingebunden.

Sein Trainingspensum umfasst zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche. Und dass er an der Pagensstraße bei Blau-Weiß seinen Sport ausüben kann, sei auch nicht selbstverständlich. „Es gibt ja auch Bedenken, dass die Plätze beschädigt werden. Aber Blau-Weiß ist ein super-offener Verein. Da gibt es keine solche Ängste“, sagt Nobbe, der unter Thomas Dröge trainiert.

Blau-Weiß ist „bestes Beispiel für Inklusion“

Er spielt gegen Läufer – und gerne gegen richtig gute Akteure aus der Regional- oder 2. Bundesliga. Speziell das Tempo und den Blick dafür, wohin er spielen muss, schult er damit. „Und die machen mich genauso fertig wie andere“, will der künftige Jura-Student in Münster auch keine Rücksichtnahme.

Speziell Jugendwartin Iris Schindelbauer „unterstützt mich in so vielen Dingen“, fühlt sich Nobbe wohl bei Blau-Weiß und wartet noch mit dem wohl größt möglichen Kompliment auf: „Das ist das beste Bespiel für eine Inklusion.“

Und auch Iris Schindelbauer freute sich unbändig: „Wir im Verein sind unheimlich stolz darauf, dass Nick gewonnen hat.“ Sie will mit Nobbe gemeinsam im Sommer einen Schnuppertag organisieren, an dem weitere Rolli-Spieler aus der Region auf der Anlage von Blau-Weiß Werne den Sport der Öffentlichkeit vorstellen.

Nick Nobbes großes Ziel ist die Teilnahme an den Paralympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Dafür bereitet sich der amtierende Deutsche Meister in diesem Jahr mit vier Lehrgängen beim Rollitennis-Bundestrainer Christoph Müller vor, in deren Rahmen auch insgesamt drei nationale Turniere anstehen.

Dazu möchte Nobbe zwei internationale Wettkämpfe spielen, einen vermutlich erneut auf Sardinien vom 23. bis 30. September, um weitere Punkte in der Weltrangliste zu sammeln.

Da die Preisgelder bescheiden sind, die Reisekosten hoch und auch das Equipment teuer ist, war Nick Nobbe über die 400 Euro Spende der CDU-Bürgerstiftung sehr dankbar. Diese war durch ein Sportlerportrait im Westfälischen Anzeiger auf Nick Nobbe aufmerksam geworden.

Nobbe, der im vergangenen Jahr bei den German Open in Berlin im Doppel gewann, ist auf Gönner angewiesen, um seinen Sport auf dem hohen Niveau zu betreiben.

„Für privates Sponsoring bin ich offen“, sagt Nobbe. Und mit Blick auf sein großes Ziel Rio de Janeiro sagt er: „Da geht nichts ohne Unterstützung.“

Wer Nick Nobbe kontaktieren will, kann sich an ihn wenden unter 0157/79485098 oder per E-Mail: nick.nobbe94@gmail.com

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