Von Werne nach Abu Dhabi

Zwei Medaillen und eine Menge Erfahrung: Werner bei den Special Olympics 

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Christian Jansen (links) bei einer der Siegerehrungen im Reitsportzentrum mit Scheich und allem, was bei einer solchen Zeremonie noch so wichtig ist.

Werne - Schon einmal, im Jahr 2007, war Christian Jansen vom Verein für Reittherapie bei den Weltspielen der Special Olympics dabei. In Shanghai. Als Ersatzreiter und ohne Einsatz.  Nun aber, bei seinen zweiten Spielen für Sportler mit geistiger oder mehrfacher Behinderung, war alles viel schöner.

Schließlich hat Christian Jansen in Abu Dhabi zwei Medaillen gewonnen. Und eine Menge erlebt. Gestern begann für den Olympiasieger wieder der Alltag. „Ich muss meinen Kollegen bestimmt ganz viel erzählen“, sagt Jansen, der in den Caritas-Werkstätten in Lünen im Elektronikbereich arbeitet. 

„Auch ein Olympiasieger muss wieder an die Schüppe“, scherzt Arndt Holtsträter, der die deutschen Reiter begleitet hat, am Tag nach der Rückkehr beim Empfang im kleinen Kreis im Reiterstübchen des RV St. Georg Werne. 

Besuch der Paceinternational School in Sharjah

Es gibt schon eine Menge zu erzählen für den Medaillengewinner – angefangen beim Empfang der Lufthansa vor dem Abflug in die Vereinigten Arabischen Emirate, an dem auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), Alfons Hörmann, Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann und Eintracht Frankfurts Fußballprofi Sebastian Rode teilgenommen haben. 

Nach sieben Stunden Flug: Abtauchen in eine andere Welt. „Wir haben ein Aquarium besucht“, erzählt Christian Jansen, „und eine große Moschee.“ Im außersportlichen Programm standen auch der Besuch der Paceinternational School in Sharjah, wo mit den Schülerinnen und Schülern gemalt oder gebastelt wurde, und der Empfang in der Deutschen Botschaft durch ihren Leiter Peter Fischer. 

Zwischendrin führte eine Jeeptour in die Wüste und den Ritt auf einem Dromedar gab’s obendrein. „Ein Pferd reiten ist schwieriger“, sagt Christian Jansen – womit das eigentliche Thema erreicht ist: der Sport. Los ging es am 12. März mit einem Gesundheitsprogramm für die Athleten mit Sehtest, Ernährungsberatung und anderen wichtigen Dingen. 

Den passenden Vierbeiner für die Reiterinnen und Reiter zu finden, stand am Folgetag im Al Forsan International Sports Resort auf dem Programm. Mit dem ersten Pferd klappte es nicht so. „Das war echt wild“, sagt Jansen. Zweiter Versuch. Mit dem Sportkameraden namens Alen läuft es. Sehr gut sogar. 

Eröffnungsfeier im riesigen Zayed Sports City Stadium

Gleich im ersten Wettbewerb, Geschicklichkeit mit Zirkel reiten, Pylonen umsetzen, Slalom, Schrittstangen und Labyrinth mit Richtungswechsel, gab es für Christian Jansen die Silbermedaille. Dass er sie gewonnen hat, bekam er erst am Abend auf dem Botschaftsempfang mit, weil es direkt nach dem Wettbewerb und dem Umsteigen in die offizielle Ausgehkleidung dorthin ging. 

„Da bin ich natürlich stolz und glücklich gewesen“, sagt der Reiter, der auch begeistert ist von der Eröffnungsfeier im riesigen Zayed Sports City Stadium: „Da haben wir den Scheich gesehen.“ Aber auch Popsängerin Avril Lavigne und andere Stars. 

Wieder daheim: Christian Jansen mit seiner Trainerin Uta Deutschländer und Delegationsmitglied Arndt Holtsträter.

Bei weiteren offiziellen Terminen gab’s Treffen mit Timothy Shriver aus der Kennedy-Familie, der Chairman der Special Olympics ist, mit Weitsprung-Legende Bob Beamon oder mit der 5-maligen Eiskunstlauf-Weltmeisterin Michelle Kwan. Sie besuchte die Reiter bei ihren Wettbewerben. „Sie hat mit den Sportlern gesprochen und man hat ihr echt angemerkt, dass sie das Thema interessiert“, sagt Arndt Holtsträter. 

Wie gut sich Christian Jansen auf sein Pferd eingestellt hat, zeigt der zweite Wettbewerb, English Equitation. „Das war super, aber am Schluss da hatte ich einen kleinen Filmriss“, erinnert der Reiter sich an seine Übung, die ihm trotz des kleinen Malheurs die Goldmedaille brachte. 

„Als ich ihm das gesagt habe, da waren die Mundwinkel vor Grinsen an den Ohren“, sagt Arndt Holtsträter hinterher, schubst Jansen freundschaftlich an der Schulter und fügt lachend an: „Seither muss ich auch ein Hörgerät tragen.“ 

Positiver Gesamteindruck

Jansen gefällt der Spruch und so fällt es auch leichter, den vierten Platz in der Dressur zu erklären, wo er doch lieber eine dritte Medaille gewonnen hätte. „Das war nicht so gut“, sagt der Reiter. Er sei ein bisschen nervös gewesen und wohl deshalb hat es mit einer Volte wohl nicht so gut geklappt. Das aber schmälert seinen positiven Gesamteindruck nicht. 

Bei der Abschlussfeier, sagt Jansen, „waren wir hinter der Bühne, wo die ganzen Stars waren – und der Scheich.“ Ansonsten sei alles toll gewesen: Das Team, die Hotels, die Zimmer, besonders das Essen. Dass er ein Leckerschmecker ist, hatte er schon im Gespräch vor dem Flug nach Abu Dhabi erzählt. 

Ein Steakhaus und ein Burger-Bräter gehören in Lünen zu seinen beliebtesten Anlaufstellen in der Freizeit. Da wird er jetzt ebenfalls viel zu erzählen haben – auch über den Traum, ein drittes Mal an den Weltspielen der Special Olympics teilzunehmen. Die finden in vier Jahren in Berlin statt.

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