Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

"Wenn es einfach nicht mehr läuft"

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So, meine kleine Läuferkrise ist mit diesem Text hoffentlich beendet. Ich hatte ein Läufer-Burnout. Besser: Sport-Burnout. Keine Lust auf laufen, schwimmen, Rad fahren. Nix ging mehr.

Das Burnout hab’ ich selbst diagnostiziert. Und es war weit schlimmer als die angeblichen Muskelfaserrisse meines Mannes, wenn er vom Altherren-Training kommt. Sportler nennen das Muskelkater. 

Bei ihm ist das jedesmal direkt eine Zerrung oder ein schlimmer Muskelfaserriss – natürlich ebenfalls selbst diagnostiziert, denn Männer gehen ja nicht zum Arzt.  Also ab donnerstags Gejammer drei Tage lang. Am nächsten Mittwoch zum Training (mit dritter Halbzeit) ist immer alles wieder vergessen. Wunderheilung, ist doch klar. 

Zurück zu mir: Bei mir war es wirklich schlimm. Desaströs. Und ich übertreibe nicht. Ich hatte keinen Bock mehr. Zum Training bin ich zeitlich nicht gekommen und wenn ich gekonnt hätte, habe ich mir irgendwas ausgedacht. Immerhin bin ich hin und wieder alleine gelaufen. Mit Musik. Allerdings nur in einem Umkreis von sechs Kilometern um unsere Villa Kunterbunt herum. Bereits nach der Hälfte habe ich mich dann wirklich gefragt: „Wozu mach’ ich das eigentlich und warum laufe ich?“ 

Klar, diese Frage stellen mir Nicht-Läufer eigentlich ständig, aber für mich war das Laufen sonst Entspannung vom Alltag und danach ging es mir einfach immer gut. Die letzten Wochen jedoch blieb das geliebte Runner´s High allerdings aus. Schlimmer noch: Nach dem Laufen war höchstens ein Motz-High angesagt.

Meinen Mann hab ich schon wahnsinnig gemacht. War es doch immer so leicht gewesen: Wenn ich schlecht drauf war, ging ich ‘ne Runde laufen und alles war wieder gut. Jetzt wurde es noch schlimmer, weil ich schlecht gelaunt vom Sport zurück kam. „Anne, so geht´s nicht weiter. Du brauchst Hilfe.“ Oh Gott, es war so weit, er wollte mich doch nicht etwa einweisen lassen? War es schon so schlimm? Nein, meinte er, ich solle mich einfach mal wieder ordentlich zu den Trainingszeiten aufraffen und mit den netten Teamkollegen laufen. 

Mhh, eigentlich hatte ich keine Lust, aber ich tat es. Und ich muss Zähne knirschend zugeben: Er hatte recht (ausnahmsweise). Kaum angekommen bei den anderen verrückten Läufern – auch unser Spaßvogel Markus war nach ewiger Zeit (gefühlt Jahren) wieder fit und stieg mit seinem Gesabbel ein ins Laufgeschehen – merkte ich, dass es langsam aber sicher wieder „lief“ bei mir, im wahrsten Sinne des Wortes. Das Burnout verschwindet. Langsam, aber sicher. Wird ja auch Zeit. Am kommenden Wochenende ist nämlich Triathlon in Hagen (Upps, da war doch was?) und da muss ich wenigstens die fünf Kilometer am Ende noch laufen, wenn ich heile aus dem Wasser und vom Rad herunter komme. Ich werde berichten...

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (37) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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