War's das letzte Spiel im Werner Freibad?

Die zweite Mannschaft feierte mit dem 12:0 über Arnsberg den Gewinn der Meisterschaft in der 1. Kreisklasse.

WERNE - War es wirklich das letzte Pflichtspiel einer Werner Wasserball-Mannschaft im Werner Freibad? „Wir wissen es einfach nicht. Uns sagt ja auch keiner was: Bleibt’s vielleicht, ist es bald weg? Müssen wir unsere Pokale aus dem Clubraum holen, die Küche abbauen?“, fragt Rainer Horsthemke, Fachwart und Trainer bei den Wasserfreunden.

Er ist pessimistisch. Eine rote Markierung, bei der jüngsten Vermessung des Terrains auf der Liegewiese Richtung Friedhof vergessen, macht eher wenig Hoffnung darauf, dass das Sportbecken nebst Tribüne noch lange bestand haben wird.

Dass in Werne überhaupt darüber diskutiert wird, diesen Teil des Natur Solebades eventuell dem Erdboden gleich zu machen, sorgt auch bei der Gastmannschaft aus Arnsberg für Kopfschütteln.

Trübe Stimmung kommt am Donnerstag um kurz nach 21 Uhr aber nicht auf. „We are the champions“, hallt es im schrägsten Sportler-Gröl aus den Räumen unterhalb der Tribüne. Schließlich hat die zweite Mannschaft des TV Werne Wasserfreunde gerade mit einem 12:0-Erfolg über Aegir Arnsberg die Meisterschaft geholt – in der 1. Kreisklasse. Begleitet wird die kleine Feier von Blitz, Donner und heftigem Regen. Die größte Sorge gilt der inzwischen auf dem Grill glühenden Holzkohle.

So schließt sich der Kreis. Als die Wasserfreunde am 28. Juni 1988 zur Premiere in das nagelneue Becken steigen dürfen, haben Blitz und Donner die Austragung fast verhindert. Auch hier feiert Werne die Meisterschaft – in der Regionalliga. Und dies trotz der 11:12-Niederlage zur Premiere. Der erste Torschütze ist auch noch ein Spieler von Vizemeister Hohenlimburg: Stefan Wilde trifft nach 47 Sekunden.

Egal. Danach gibt es von Ligenleiter Ulli Burghoff die Goldmedaillen für die Westdeutsche Meisterschaft, verbunden mit den besten Wünschen für die neue Saison – in der 1. Bundesliga.

Das erste Tor im vielleicht letzten Spiel erzielt Carsten Berg. Er gehört zu der Generation Spieler, die in diesem Becken noch große Erfolge feiern. Er ist an diesem Donnerstag einer der wenigen im Bad, die Erinnerungen haben an die Glanzzeiten des Werner Wasserballsports. Von den alten Kämpen ist jedenfalls keiner zu sehen.

Wie die Zukunft aussehen soll wissen die Wasserfreunde auch noch nicht. „Wir haben den Ernstfall noch nicht durchgespielt“, sagt Rainer Horsthemke. Sollte während des Bad-Umbaus kein Parallelbetrieb möglich sein, sieht er diese Sportart auf Dauer als gefährdet an. „Die Seniorenmannschaften werden wir wohl retten können, dann bestreiten wir eben zwei Jahre lang nur Auswärtsspiele“, sagt Horsthemke, aber auch: „Die Jugend würde uns wegbrechen, denn die können wir nicht zwei Jahre ohne Training lassen. Damit würden wir die Grundlage für ihren Sport entziehen.“

Bliebe als Alternative das Ausweichen auf andere Bäder. „Aber Herbern, Drensteinfurt, Bergkamen oder Nordkirchen würden uns ihr Wasser nicht kostenlos überlassen. Außerdem ist das wieder Mehraufwand, und die Eltern müssten mitziehen. Wir machen das schließlich auch nur ehrenamtlich“, sagt Rainer Horsthemke.

Wäre der TV Werne Wasserfreunde nicht in der Lage, sein Angebot aufrecht zu erhalten, dann – so Horsthemke – „würde ich auch zwei, drei Jugendlichen empfehlen, den Verein zu wechseln. Denn es wäre schade, wenn sie diesem Sport verloren gehen würden.“

Die Frage bleibt: Wo woanders spielen? Der Schwimmverband Südwestfalen bietet im Spielbetrieb nur noch zwei Jugendligen an: Eine U13 und eine U15 Mixed – übrigens ohne Werner Beteiligung. Der TV-Nachwuchs wird bei den Senioren eingesetzt, für die es in Südwestfalen aber auch nur noch drei Spielklassen gibt.

TV Werne wäre kein Einzelfall

Für Rainer Horsthemke liegen die Gründe klar auf der Hand: „Immer mehr Bäder werden zu Spaßbädern oder einfach geschlossen. Da gibt es auch immer weniger Vereine und Mannschaften.“

Da ist der heimische Verband kein Einzelfall und der nationale Verband – übrigens mit dem gebürtigen Werner Ewald Voigt-Rademacher an der Spitze – besonders gefragt. Sonst steht diese olympische Sportart hierzulande auf Dauer vor dem Aus.

52 Aktive, mehr gibt es auch bei den Wasserfreunden nicht mehr. 16 davon sind Jugendliche. Die Zeiten, in denen der TV 03 zweimal deutscher Jugendmeister war und Nationalspieler formte wie die Schmidt-Brüder Jörg und Dirk, sie sind Geschichte....

Von Rainer Gudra

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