Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

So viel Wald gesehen wie noch nie

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Anne "Kaffeekanne " Mertens (rechts) und ihre Lauffreundin Andi Hagenkötter-Börste im Bergischen Wald.

Kurz vor dem Silvesterlauf waren wir in Wuppertal beim Bergischen Wupperlauf. Empfohlen von einem Läufer aus Hamm, hatte ich meine Laufkollegen überredet, mal was anderes auszuprobieren. Sie hatten wohl vergessen, wie schlimm der letzte Lauf war, den ich ausgesucht hatte...

Und außerdem kam uns dann nach der Weihnachtsvöllerei ein 25 km-Trail-Lauf ganz gelegen. Bevor der Körper sich ans Faulsein gewöhnt. Auf der Hinfahrt waren schon alle leicht nervös. 

Die angegebene Höhenmetern von 750 Meter auf matschigen Untergrund und das ohne große Erfahrung, da hatten wir schon Muffensausen. Wir „flachgebauten“ Münsterländer Läufer genießen ja eher die ebenen Laufstrecken und jaulen schon beim kleinsten Anstieg. Noch dazu ohne Trailschuhe: „Das wär ja noch schöner, wenn du dir deswegen noch extra (Lauf-) schuhe kaufen würdest“, meinte mein Mann: „Da wirst du wohl auch so hochkommen.“

 Am Schwimmbad war Treffpunkt. Und sofort zum Klo, da wie immer eine Schlange Weiber. Alle bekloppt. Eine habe ich wieder erkannt aus Bottrop – die hatte da schon ein kleines Klo-Gemecker am Start (weil nur ein einziges Klo für alle) – und hier mopperte sie wieder los. Weiß gar nicht warum, beim Anstehen lernt man oft nette Leute kennen, die sogar manchmal hier ums Ecke wohnen – die Welt ist eben doch ein Dorf. 

Gleich am ersten Berg: Unser Tempo-Guide (acht Minuten pro Kilometer) guckte schon mucksig: „Mädels, das wird aber gleich glatt für euch.“ Nach 800 Metern leichten Trabens wusste ich, was er meinte: Ich rutschte direkt am ersten Berg: „Soll ich anschieben?“, fragte hinter mir einer mit voller Ausrüstung und natürlich Trailschuhen mit besseren „Griff“... Ich jammerte: „Klar, wenn ich dann leichter hochkomme, schieb mal an.“

 Bei solchen Läufen hilft man sich gegenseitig und passt auf sich auf. Auch war mir schnell klar, warum viele Handschuhe trugen, wo es doch gar nicht so kalt war. Man musste zwischendurch hoch kraxeln und meine Finger waren direkt eingesaut. Dann nochmal fein den Schweiß abwischen und ich sah aus wie Sau. Wir ließen es langsam gehen – denn rechts von uns tiefster Abgrund – links steiler Berg. Dazwischen ein kleiner Pfad. Aber schön, dass man nicht so rennt, denn sonst würde man die tolle Umgebung nicht sehen. 

Ich glaube, soviel Wald habe ich echt noch nicht gesehen, und ich wohne am Wald. Naja, weil Andi und ich es so toll fanden, haben wir eine Extra-Schleife gemacht, denn wir bogen mal falsch ab, unser Laufguide war im wahrsten Sinne schon über alle Berge.

 Aber wir bekamen wieder Hilfe: Ultraläufer Andreas zeigte uns den richtigen Weg und freute sich über Damengesellschaft. Und was gibt es da lecker Futter unterwegs: Das war besser als unser auch immer gut bestückter Süßigkeiten-Schrank. Hier weiß man, was Frau braucht. Süßes. Wer wollte, konnte sogar ein Sektchen kriegen. Wollten wir aber nicht. Wir wollten nur noch nach Hause. Es war wirklich anstrengend, eben weil wir es nicht so oft machen... Aber die Läufer um uns rum waren alle mega-entspannt. 

Das ist das Schöne bei solchen Läufen: Es geht eigentlich um nix, nur um gemeinsam die Strecke zu schaffen. Dabei lernt man völlig andere Menschen kennen als die, bei den schnellen Wettkämpfen auf die Zeit schauen. Fragt mich da jemand, wo ich hergelaufen bin, ich habe keinen Plan, denn ich renne nur schnell auf Zeit.

 Aber hier – familiär organisiert von Oliver, noch dazu für wenig Geld. Die letzten vier Kilometer aber waren wirklich hart, bin noch in ein eigentlich romantisch plätscherndes Bächlein gelatscht. Die nassen Füße waren weniger romantisch. Und es ging nochmal richtig fies hoch. 

Aber dafür wurden wir wieder belohnt im Ziel: um die angesäuerten Muskeln zu besänftigen, durften wir kostenlos ins Schwimmbad und in die Sauna. Da war schnell alles wieder gut. Übrigens, Oliver, zwei Tage später beim Silvesterlauf hatten wir auch noch was von „Deinem“ Lauf. Nämlich Muskelkater vom Feinsten...

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (38) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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