Werner SC: Umschalten, nicht abschalten

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Wie Atlas die Welt, so scheint Marc Schwerbrock die Last des Werner Spiels auf seinen Schultern zu tragen. Das, so sein Trainer, mache er überragend. Nur: wessen Arm stützt ihn dabei?

WERNE - Alte Fußballweisheit aus den Tagen von Libero und Vorstopper: Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften. So gesehen war das Bezirksliga-Spitzenspiel des Werner SC am Sonntag gegen Wethmar ein Fingerzeig. „Im Moment sieht’s ja fast so aus, aber die Tabelle muss morgen für alle schon wieder vergessen sein. In die andere Richtung geht’s so was von schnell...“, sagt Trainer Kurtulus Öztürk.

16 von 18 möglichen Punkten auf dem Konto, ein Torverhältnis von 19:2 und vier Zähler Vorsprung an der Tabellenspitze – das ist die aktuelle Bilanz nach dem 3:0-Erfolg über den bisherigen Zweiten. In 540 Saisonminuten plus Nachspielzeiten haben die Werner noch kein Tor aus dem laufenden Spiel heraus kassiert, auf der anderen Seite den erfolgreichsten Angriff aller 16 Teams.

Und trotzdem: „Die Liga ist sehr, sehr ausgeglichen, ich sehe keinen klaren Favoriten. Ich verstehe zum Beispiel nicht, dass Ascheberg so schlecht dasteht. Die haben gegen uns ein Bomben-Spiel gemacht“, sagt Giovanni Schiattarella, der Spielertrainer des VfL Kemminghausen.

Dessen Team ist einzig neben dem WSC noch ungeschlagen – und das, obwohl die Mannschaft wegen des Kunstrasenbaus am Gretelweg in den bisherigen sechs Spielen nur auswärts angetreten ist. Dass mit der Platzeröffnung am 5. Oktober gegen den FC Nordkirchen auch ein Heimvorteil entstehen wird, glaubt Schiattarella nicht: „In dieser Liga ist das nicht so interessant.“ Das hat er selbst gerade bewiesen.

„Das ist auch noch ein Verein, den ich auf der Rechnung habe“, sagt Kurtulus Öztürk. Ob der WSC-Trainer am Freitag beim vorgezogenen Spiel der Kemminghauser beim SC Dorstfeld den neuen Tabellenzweiten beobachten wird? „Wir haben ja selber Training, vielleicht die zweite Halbzeit“, sagt er. Aber Öztürks Devise heißt sowieso: „Wir gucken in erster Linie mal auf uns.“

Und da sieht er aktuell einen überragenden Torhüter Karsten Rockel, der gegen Wethmar eine enorme Sicherheit ausgestrahlt hat, eine Dreier-Abwehrkette, die „arbeitet, unheimlich viel malocht“ (Öztürk), zwei offensive Außenverteidiger, die großen läuferischen Aufwand betreiben, mit Thannheiser und Schwerbrock zwei Spieler, bei denen „alles Sinn macht, was sie tun“, und mit Bacak und Durkalic zwei starke Angreifer.

Und Öztürk sieht vor allem auch die passende Einstellung: „Schnell umschalten, das Tor verteidigen – alle arbeiten gut mit nach hinten“, sagt Öztürk und hat gleich eine Schlüsselszene aus dem jüngsten Spiel ausgemacht, in der Mujezinovic völlig frei vor Rockel auftaucht, einen Moment zögert und blitzschnell wieder von den Wernern gestellt wird (47.). „Keiner hat da abgeschaltet“, sagt Öztürk. Das war in der vergangenen Saison anders. Zum Vergleich: Da hatte der WSC nach sechs Spielen ein Torverhältnis von 10:11 und neun Punkte auf dem Konto.

Nun wird die gerade beschriebene Elf – in fünf der sechs Spiele die Startformation – am kommenden Sonntag in Langschede nicht auflaufen. Leon Heese aus der Dreierkette hat – Stand heute – gegen Wethmar sein letztes Spiel gemacht. Er studiert in Bonn. Und Necati Bacak wird wegen einer Verletzung wohl fehlen. Für Öztürk kein Problem: „Es war für mich am Sonntag schwer genug, Oli (Winter) und Janis (Leenders) erst einmal auf die Bank zu setzen.“ Weitere Optionen bieten Jussef Saado und Kai Wintjes, die wieder fit sein dürften, sowie Routinier Nowak und andere. Fast schon paradiesische Zustände für einen Trainer. - gu

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