Ex-Profi Lars Müller läuft Marathon in New York

+
Strahlendes Gesicht nach 42, 195 Kilometern über die Straßen New Yorks: Lars Müller erfüllte sich seinen Traum.

WERNE - Bestimmt 15 Jahre, sagt Lars Müller, habe er schon den Wunsch mit sich getragen, nach seiner Profikarriere als Fußballer einen Marathon zu laufen. „Nichts gegen Essen zum Beispiel“, sagt er, „aber es war klar: Das muss schon ein ganz besonderer Lauf sein.“ Seinen Traum erfüllt er sich in Amerika. Besser gesagt, in New York.

Am 2. November läuft er beim 34. Marathon in New York mit. Und nicht der Weg ist das Ziel, sondern „einmal eine Belastung spüren, wie ich sie so noch nie hatte – einmal total im Eimer zu sein.“

Das hat er geschafft – und eine herausragende Zeit dazu: Mit 3:07,21 Stunden durchbricht er auf dem welligen Kurs, dessen Profil wahrlich nicht für Rekorde gemacht ist, fast die Schallmauer. „Ich bin gefragt worden, ob ich das nicht noch einmal versuchen will. Nein, will ich nicht. Ich sage mir: In Berlin, auf der flachen Strecke, wäre ich unter drei Stunden geblieben. Das reicht mir für mein Ego“, sagt Müller.

Die Strecke genießen, das habe er nicht wollen. Schließlich sei er schon einmal in New York gewesen: „Mit einer Zeit von 3:45 hätte ich sicher vieles mitgekriegt, aber das wäre körperlich alles zu entspannt gewesen. Das war nicht das, was ich 15 Jahre gewollt habe.“

Um die Grenzen auszuloten, sind die 42,195 Kilometer von Staten Island aus durch Brooklyn, Manhattan, Harlem oder Bronx bis zum Ziel im Central Park wie gemacht. „Da sind auch ein paar richtig fiese Brücken bei“, sagt Lars Müller, dem auch fünf Tage nach dem Zieldurchlauf die Oberschenkel noch ein wenig schmerzen.

Hinzu kommt in diesem Jahr, dass es sehr stürmisch ist. Nicht so wie 2012, als Wirbelsturm „Sandy“ die ganze Veranstaltung weggeblasen hat, aber windig genug, um die Läufer sehr zu beeinträchtigen. „Auf der Verrazano Brücke habe ich mir drei-, viermal selbst gegen das Bein getreten, das gerade am Boden war, weil das andere von einer Böe erwischt wurde. Ich habe das erst gar nicht gemerkt und gedacht, es hätte mich ein anderer Läufer erwischt“, erzählt Lars Müller.

Das respektable Ergebnis nach harter Plackerei: Er kommt in der Gesamtwertung als 1 169. Läufer unter 50 600 Finishern ins Ziel, belegt in der Klasse der 35- bis 39-jährigen Läufer den 212. Platz. Die große Finisher-Medaille bekommt zu Hause in Werne einen Ehrenplatz: „Ich weiß noch nicht wo, vielleicht neben der kleinen Meisterschale.“ Die gab’s 1996 für den Titelgewinn mit Borussia Dortmund unter Ottmar Hitzfeld.

Die Vorbereitung auf New York hat Lars Müller genau so akribisch vorgenommen wie all jene in seiner langen Profikarriere. Gebucht wird früh über eine Agentur (laufreisen.de), und den ersten Teil des Lauftrainings hat er selbst absolviert. „Auf 90 bis 95 Prozent“ arbeitet er hin, bevor drei Monate lang nach dem Plan eines Freundes, der selber gut läuft, trainiert wird.

Sechs Einheiten die Woche stehen auf dem Plan, am Ende sonntags bis zu 38 Kilometer. „In Werne und im Bereich Südkirchen kenne ich mich jetzt gut aus. Da gibt es einige schöne Stellen, die ich bis dahin noch nicht gekannt habe“, sagt Müller. Dort wird er sicher auch in Zukunft laufen. „Für mich, für meine Fitness“, sagt er.

Mit dem Fußball hat der frühere U21-Nationalspieler abgeschlossen: „Ich bin froh, dass ich damit nichts mehr zu tun habe. Das hat jetzt auch mit meiner letzten Station in Hamm nichts zu tun. Es war allgemein einfach genug.“ Irgendwann mal wieder als Trainer oder Sportlicher Leiter? „Nee, gar nicht mehr“, sagt der verheiratete Familienmensch Müller, der in Werne wieder in der Nähe des Elternhauses und der Schwestern wohnt.

Ein bisschen Spaß am Ballspiel selbst ist ihm aber geblieben. Kürzlich hat Müller mit alten Kollegen in der Traditionself von Borussia Dortmund ein Turnier gespielt. „Für den guten Zweck. Und das war auch ganz lustig. Es war das erste Mal seit anderthalb Jahren“, erzählt er. Ein bisschen Vorfreude auf das eine oder andere Hallenturnier mit den Jungs im Winter klingt schon durch.

Beruflich geht’s für ihn in eine völlig andere Richtung. Müller hat im Sommer seine Ausbildung zum Immobilien-Kaufmann abgeschlossen und ist nun auf dem Weg zum Betriebswirt. „Irgendwas muss man ja nach der Profizeit machen“, sagt er, „sonst fällt einem die Decke auf den Kopf.“ - gu

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare