SVH-Kicker Oscar Franco Cabrera erlebt den spanischen Corona-Notstand hautnah in Granada

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Oscar Franco Cabrera mit seiner Freundin Cristina beim Spaziergang am Schloss Nordkirchen.

Herbern/Granada – Mitte Februar diesen Jahres entschied sich Oscar Franco Cabrera für eine Rückkehr nach Deutschland. Der 25-Jährige reiste mit seiner Freundin Cristina Morenilla Morales aus dem südspanischen Andalusien zurück nach Westfalen, um wieder beim Fußball-Landesligisten SV Herbern zu kicken und zudem in Ascheberg bei Compass als Lagerist zu arbeiten. Seit dem 13. März ist Cabrera mit seiner Freundin nun wieder in Granada.

Und beide sind dort nun massiv von der strengen spanischen Ausgangssperre und vom Notstand wegen der Corona-Pandemie betroffen, die gerade bis Ende April verlängert wurde. Aber immerhin sind sie bei der Familie von Cristina. Der defensive Mittelfeldspieler kam zurück nach Deutschland, als die dunklen Wolken mit dem Coronavirus noch nicht über ganz Europa aufgezogen waren. 

Die Blau-Gelben hatte der Leistungsträger, der im defensiven Mittelfeld Kilometer frisst und seine Gegenspieler durch seine energische Zweikampfführung nervt, nach der Saison 2019/20 nach drei Jahren verlassen, um in seine Heimat zurückzukehren. Dort spielte er bis Ende Januar bei Arenas de Armilla. 

Franco Cabrera kam erst im Februar zurück nach Deutschland

Für den SVH bestritt Franco Cabrera im Februar zwei Testspiele und wurde im Derby gegen den Werner SC am 8. März in der 67. Minute eingewechselt – beim Stand von 1:0. Das letzte Pflichtspiel vor der Corona-Krise endete 1:1 durch den späten WSC-Ausgleich – und Franco Cabrera sah zudem in der fünften Minute der Nachspielzeit noch die gelb-rote Karte für ein wiederholtes Foulspiel. 

Einsatz am 8. März im Derby - später sah der Andalusier die gelb-rote Karte im letzten Spiel vor der Corona-Pause.

„Das war absolut zum Vergessen. Aber ich habe zumindest ein Spiel mitgemacht. Ich wollte alles richtig machen“, sagt der 25-Jährige – und es gelang ihm doch nicht viel in dem Spiel. Danach entschieden sich Franco Cabrera und Morenilla Morales dazu, in ihre Heimat zurückzukehren. Am Freitag, 13. März, stand der Flug an – da ging es aber schon nicht mehr von Deutschland aus nach Spanien. 

Das Paar machte sich in die Niederlande und nach Amsterdam auf und flog vom Flughafen Schiphol nach Malaga. Von dort ging es nach Granada ins Elternhaus von Morenilla Morales. „Wir wohnen bei Cristinas Eltern“, sagt Oscar Franco Cabrera. Die ersten fünf Tage begaben sich die beiden in die Isolation und mieden jeden Kontakt zu Cristinas Eltern. Bei beiden traten keine Corona-Symptome auf und nun verbringen sie die Zeit zusammen – oder sie schlagen sie tot. 

"Normalerweise sind die Leute in den Straßen unterwegs. Das ist ein Schock."

Immerhin haben die Morales ein Haus und nicht nur ein Apartment – allerdings ohne Garten. Denn in der quirligen, 230 000 Einwohner zählenden Studentenstadt und Touristenhochburg mit der weltberühmten Alhambra spielt sich normalerweise ein Großteil des Lebens der Andalusier auf den Straßen, in den Parks und Kneipen und Tapas-Bars ab.

 „Normalerweise sind die Leute in den Straßen unterwegs. Nun ist alles leer. Das ist ein Schock und man hat irgendwie schon Angst. Aber wir befolgen, was der Präsident sagt“, erklärt Franco Cabrera angesichts des Notstandes in Spanien. „Wir können gar nichts machen. Cristinas Vater geht in den Supermarkt oder kauft in der Apotheke ein“, sagte Franco Cabrera. Während dessen bleiben die anderen daheim. 

"Holger ist wie ein Vater für mich" 

Einmal durfte auch Franco Cabrera für seine Schwiegermutter in spe einen Einkauf erledigen – ein Art seltener Höhepunkt. Nun wird der Tag durchgetaktet. „Wir frühstücken gemeinsam und essen gemeinsam zu abend. Wir schauen auch viel fern“, sagt Franco Cabrera. 

Oscar Franco Cabrera beim Training daheim in  Granada.

Um 18 Uhr verabreden sich alle zum gemeinsamen Sport. „Wir machen Liegestütze. Ich kann ein bisschen pumpen. Cristina schaut auf Youtube Fitness-Videos mit Zumba-Anleitungen“, berichtet der junge Sportler. Speziell die Bewegung vermisst der laufstarke Fußballer. „Den Ball habe ich gefühlt seit einen Monat nicht mehr gehabt“, klagte Franco Cabrera: „Es ist absolut stressig.“

Das sagen die heimischen Trainer über den weiteren Saisonverlauf

 Ob die Saison für den SV Herbern im fernen Deutschland fortgesetzt wird, daran glaubt Franco Cabrera nicht. Ohnehin ist das für ihn ganz weit weg. „Ich weiß noch nicht einmal, ob ich einreisen darf“, sagt der Lagerist. 

Oscar Franco Cabrera mit Trainer Holger Möllers, der für ihn wie ein Vater ist, und mit seinem besten Freund Marcel Schotysik nach dem Gewinn des Fußball-Kreispokals im Mai 2019.

Engen Kontakt hält der dennoch: Zu seinem Herberner Mitspieler Marcel Scholtysik: „Das ist mein bester Freund“, sagt Franco Cabrera. Und auch zu seinem Trainer Holger Möllers, der vor einigen Jahren in der spanischen Finanzkrise dafür sorgte, dass Oscar Franco Cabrera eine berufliche und sportliche Zukunft in Deutschland fand. „Er ist für mich wie ein Vater“, sagt Franco Cabrera über Möllers. „Wir telefonieren oft und er erzählt mir, wie es in Deutschland ist.“ Ebenfalls mit seiner langjährigen Ascheberger Gastmutter Hildegard Dortmann steht er im engem Austausch. So hat der junge Andalusier immer noch ein Stückchen Westfalen in sich...

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