Laufkolumne von Anne-Katrhin Mertens

Streicheleinheit für die Waden und das Ego

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Anne-Kathrin Mertens

„Drei auf einen Streich“ waren angesagt am Wochenende. Mit dem Damenteam des TV Werne um Juliane Koch und Ines Tollknäpper ging es zum Triathlon nach Saerbeck. Tja, für den warmen Sommer mal zum Triathlon wechseln, dachte ich.

Und was war’s ? Rattenkalt. Herrlich für einen langen Lauf wäre es gewesen. Aber nein, so stand ich da „mit fast nix an“ und bibbernd am Saerbecker Badesee mit vielen anderen Frauen und stürzte ich mich in die Fluten. Ähhh, Fluten? 

Nein, in eine ganz schön warme, grüne Grütze. Voll mit Pflanzen und Ekelzeugs nach dem verregneten Samstag. Ich bin dann ja doch Tussi und ekele mich. Dahinten zur Boje, dann da vorbei, wieder zurück, einmal an Land und das ganze noch einmal. 

Au Mann, mehr als 1500 Meter. Nun ja, mitgehangen... Ein, zwei imposante Kraulzüge (ich bin eigentlich eine gute Schwimmerin), ein Blick nach links, Mund auf... und erst einmal einen Riesenschluck von dem Badesee probiert. Ich will ja schmecken, worin ich schwimme. Verschluckt, Husten, Panik: „Rettungsschwimmer!! Ich bin die Anne, hol mich hier raus!!“ 

Ja, beim Schwimmen kommen wieder die Selbstgespräche, denn unter Wasser kann ich mit niemandem reden. Hölle. „Ok, Anne, langsam mit Brustzügen weiter, bis das Atmen wieder geht. Und nicht an den Dreck und die Untiefen denken. Dann langsam weiter kraulen.“ 

Nach 200 Metern ging es. Aber: überall diese Frauenhände, die mir die Waden und die Füße streicheln. „Wenn selbst mein Mann mir nicht die Füße kraulen darf, solltest du es besser auch nicht tun, mein Mädchen. Überhol’ doch einfach.“ Nach 25 Minuten Getatsche im See ‘raus in die Wechselzone.

 Startnummernband um, Füßchen abtrocknen, Mittagessen (war schließlich zwölf Uhr) in meine Bauchtasche verstaut, Laufschühchen an, Helm auf und dann das Rad holen. Schön dabei zugesehen haben Markus und Sven, was mich kaum nervös machte. 

Ab ging es auf meine verhasste Disziplin, die leider auch die längste beim Olympischen Triathlon ist: 40 Kilometer Fahrrad fahren. Das ist ziemlich öde. Denn es redet wieder keiner mit mir. Ich schmeiße mich also wild in den Lenker und denke dabei, ich fahre schneller als der Blitz, werde aber direkt eines Besseren belehrt, denn gefühlt alle Frauen, die nach mir den Badesee verlassen haben, überholten mich hier mit ihren Monster-Radfahrer-Waden. 

Keine Schnitte hatte ich, leider auch keine zum Essen. Ich fuhr also hinterher. Na ja, so konnte ich mir die Gegend ansehen und in Ruhe mein Dextro-Mittagessen zu mir nehmen. Wann kann ich schon in Ruhe essen? 

Nie. Ich schaffte irgendwie die zwei Radrunden, mehr aber auch nicht. Dann runter vom Fahrrad, den Helm, der die Frisur ruiniert hat, wegwerfen und direkt los. 38 Sekunden Wechselzeit. Ha! Da lobe ich mir doch den gesparten Schuhwechsel von Klickschuhen auf Laufschuh. 

Und da war dann endlich meine Paradedisziplin: „Am Ende kackt die Ente, meine Damen Wadenbeißer!“ Ich kassierte sie schön lächelnd ein und genoss in vollen Zügen meinen Lauftriumph. Das war nach der Klatsche beim Stadtlauf, als mein Mann mich besiegt hat, bitter nötig für mein Ego. Alles wieder gut.

Die Autorin 

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (38) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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