Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

"Spieglein, Spieglein an der Wand..."

Am Tag vor dem Marathon kam ich mal in den Genuss eines „professionellen“ Fototermins. Organisiert vom Münsteraner Marathon-Team für Werbeanzeigen im nächsten Jahr. Also hänge ich auch bald an der Litfaßsäule.

 „Haben die dich etwa gefragt, weil du breit genug dafür bist?“ könnten böse Zungen meinen. Nein, ich wurde gefragt weil ich immer Geschichten über das Laufen schreibe. 

Nun ja, ich war für den Samstag vor dem Marathon angemeldet und zwei Stunden vorher fiel mir ein, dass meine Haare viel zu lang waren für dieses Shooting. Zum Glück hab ich eine liebe Mutti, die kann Haare schneiden und die springt immer auch mal spontan ein, wenn ich Flausen im Kopf hab – oder eben oben drauf. 

Frisch gestylt konnte ich vorher sogar noch etwas vor dem heimischen Spiegel üben. Ich dachte ja, dass ich irgendwie beim Laufen fotografiert werde und so bin ich -zig mal im Flur in Laufklamotten meinem eigenen Spiegelbild entgegen gelaufen und habe dabei einen entspannten und lockeren Gesichtsausdruck trainiert. Zur allgemeinen Belustigung der Kinder.

 Sah genauso bescheiden aus wie die Fotos, die bei Läufen kurz vor dem Ziel von einem gemacht werden, wenn die Schwerkraft leider immer sehr stark gegen mich arbeitet. Aber wir sind trotzdem zum Fototermin gefahren. Vor mir war noch ein anderer Läufer dran, so konnte ich schon mal „Mäuschen“ spielen. Spätestens da wurde mir klar, die angesetzten 45 Minuten werden hart. Und hatte nix mit „locker in die Kamera reinlaufen“ zu tun. 

Als der Herr vor mir fertig war, begrüßten wir uns (unter Models macht man das so) kurz freundlich und er fragte: „Ach, und du bist auch wie ich alle 17 Münster-Marathons mitgelaufen? Hast du etwa schon mit zehn Jahren angefangen?“ Mein Mann verdrehte die Augen: „Schleimer...“. Die zwei anderen, die fotografiert wurden, waren also sogenannte „Jubiläumsläufer“, die jeden Marathon in Münster mitgelaufen waren. 

„Ne“, grinste ich, „aber danke für das Kompliment. Ich bin nur hier, weil ich lustige Sachen schreibe.“ Klang wohl so ähnlich wie der Satz von „Baby“ in dem Film, den nur Frauen lieben: „Ich habe eine Wassermelone getragen....“. Tief stapeln und dann groß rauskommen. 

Dann ging das Shooting los. Mir wurden Bilder von hübschen, jungen, schlanken Topmodels gezeigt, die wahrscheinlich keine Läuferinnen waren, aber in den Laufklamotten unverschämt toll und gar nicht verschwitzt aussahen. Ich sollte das dann nachstellen. Was soll ich sagen? Das war harte Arbeit. Bein vor, anspannen, Schultern zurück, Brust raus, Kinn runter, Augen hoch, dabei lächeln, aber nicht zu viel... Ein Befehl folgte dem nächsten und ich versuchte es so gut es ging umzusetzen. Nach zehn Minuten war dem Fotografen klar: „So ernst zu nehmende Fotos, dafür bist du nicht der Typ.“ Sag bloß. 

Auf die Uhr gucken und dann möglichst ehrgeizig in eine Ecke blicken, das ist nichts für mich. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich wohl eher der Modeltyp „Lockere Läuferin, mit Spaß bei der Sache“ bin und dann wurde das Shooting auch lockerer. Vor allem auch lustiger. Mein Mann fand's auch amüsant und am Ende des Tages waren wir uns einig: ich kann wohl besser laufen als modeln. 

Darum bleibt's ein einmaliger Ausflug in die glamouröse Welt der Stars, auch wenn ich weiteren Anfragen gegenüber natürlich nicht ganz abgeneigt bin. Als Dankeschön für das Shooting gab's sogar einen Sport-Klamotten-Gutschein und einen Freistart für das nächste Jahr. Bedeutet übrigens für mich: Den Marathon werde ich dann wohl doch wieder mitlaufen. Wer hat denn auch gesagt, ich lauf nie wieder einen? Ich würde so etwas doch niemals sagen...

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (37) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (9), Fiete (7) und Oskar (5) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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