"Die volle Dröhnung Geisterspiel"

Coronavirus: Sky-Kommentator Hansi Küpper hat "Historisches" erlebt

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Sky-Kommentator Hansi Küpper.

Hansi Küpper aus Werne ist wegen der Corona-Pandemie derzeit ein Fußball-Kommentator ohne Tätigkeitsbereich. Als „völlig entschleunigt“ beschreibt der 59-Jährige seinen Alltag.

Werne/Herbern - Im Interview mit Frank Zöllner verrät der Freiberufler, wie er den Shutdown wegen des Coronavirus im Profi-Fußball persönlich erlebt hat und welche Auswirkungen er erwartet und erhofft. Zudem wollte Küpper mit seiner Frau Roswitha zum 1. Juni von Pfaffenhofen in der Nähe von München nach Herbern ziehen.

Herr Küpper, wie sieht derzeit Ihr Alltag aus? 

Völlig entschleunigt. Ich bin mit meiner Frau viel zu Hause, wir gehen viel spazieren, wir sehen viel fern und ich spiele viel Schach. Wir haben auch ein reaktiviertes Trimmrad auf der Terrasse stehen, das wir ausgiebig nutzen können. 

Da bleibt auch Zeit, um weitere Ideen zu verfolgen… 

Ja, ich arbeite gerade grundsätzlich an einer Fußball-Quiz-Idee, die auch für Fußballsender wie beispielsweise Sky etwas sein könnte. Das basiert auf die Grundidee des Bingo-Spiels. Mit den Mitgliedern des SV Herbern habe ich das Quiz als Vereinsvariante im Sommer vergangenen Jahres auf Mallorca gespielt. Das Spiel ist auch für oder über einzelne Bundesliga-Vereine denkbar. 

Wie waren Sie persönlich vom Shutdown betroffen? 

Ich war in mehrfacher Hinsicht und skurriler Weise mittendrin. Ich war am Montag, 9. März, der letzte Kommentator eines Fußballspiels in der 2. Bundesliga – bei VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld vor über 54 000 Zuschauern. Es war dort schon eine etwas andere Atmosphäre, bei allen war eine gewisse Ernsthaftigkeit zu spüren. Unter dem damaligen Wissen wurde verantwortungsvoll gehandelt: Es gab nicht mehr die üblichen Begrüßungen und Umarmungen unter den Mitarbeitern. Wir waren schon deutlich distanziert voneinander. 

Wegen der Coronakrise: Man lernt das Spiel ganz anders kennen

War das Ihr letzter Einsatz? 

Nein. Am darauffolgenden Mittwoch war ich als Sky-Kommentator im Einsatz. Der Tag war genauso skurril. Ich habe an diesem Tag zwei Spiele zusammengefasst, das ist auch alles andere als alltäglich. Erst habe ich das erste Geisterspiel in der Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln zusammengefasst. Das war um kurz vor halb neun zu Ende. Ich musste mich richtig beeilen, denn danach war ich ab 21 Uhr beim Geisterspiel Paris St. Germain gegen Borussia Dortmund im Einsatz. Ich war Backup-Kommentator für den Fall, dass aus technischen Gründen der Kommentar aus dem Stadion ausfällt. Zudem habe ich auch dieses Spiel später zusammengefasst. 

Wir kann man sich die Arbeitsumstände vorstellen?

 Ich hatte also die volle Dröhnung Geisterspiele. Wenn man sonst die Stimmung in deutschen Stadien kennt, war dies schon ein komisches Gefühl. Ich musste einen ganz anderen Rhythmus für meinen Kommentar finden, da die Emotionen fehlten. Wenn ich sonst bei einem Spiel wichtige Situationen heraussuche und mit meinem Cutter bespreche, werde ich durch die Reaktionen der Fans im Stadion auf eventuell andere wichtige und direkt folgende Situationen aufmerksam. Das fiel ja alles weg. Andererseits, man lernt das Spiel ganz anders kennen, hört die Kommandos der Trainer und wie die Profis auf dem Platz kommunizieren. Ich habe also das letzte Zweitliga-Spiel mit Zuschauern und das erste Geisterspiel in der Bundesliga kommentiert. Der Geisterspieleinsatz am 11. März war übrigens genau der 30. Jahrestag meines ersten Kommentars für den Westdeutschen Rundfunk. Das war in meiner Geburtsstadt Essen zwischen Rot-Weiss und Hessen Kassel. 

Wie haben Sie von der Absage des folgenden Spieltages in der Bundesliga erfahren? 

Das ist die nächste skurrile Geschichte in der Woche. Ich bin am Donnerstag als Vor-Ort-Kommentator bei RB mit meiner Frau nach Leipzig gefahren, wo unser ältester Sohn Alexander mit seiner Familie lebt. Dort arbeitet er beim Mitteldeutschen Rundfunk und für Telekoms Magenta-TV. Ich habe ihn am Freitag bei einer Fahrt nach Zwickau begleitet, wo er beim dortigen Drittligisten nachfragen wollte, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie für den Verein hat. Dort habe ich dann von der Absage des Spieltages und des Spiels RB Leipzig gegen Freiburg erfahren. Kommentiert hab ich also nicht mehr, aber wir haben die Kinder und Enkelkinder gesehen! Ich hätte an dem Wochenende auch noch aus dem Studio in München das Zweitliga-Spiel zwischen Wehen Wiesbaden und Stuttgart kommentieren sollen. Seitdem ist die Welt eines Fußball-Kommentators entschleunigt. 

Hansi Küpper und seine Pläne für die Rückkehr nach Westfalen

Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter? 

Die Entscheidung ist meiner Meinung nach für den Fußball die gleiche wie für die Gesellschaft. Man wird abwägen müssen zwischen dem zwingend medizinisch Notwendigen und dem gesellschaftlich Akzeptablen. Meiner persönlichen Überzeugung nach hat das Medizinische derzeit absolut Vorrang. Ich finde es schon bemerkenswert, dass es Stimmen gibt, dass es in der Wirtschaft schon schneller wieder weitergehen soll und es jetzt schon Fragen gibt, wie lange die Kontaktsperre aufrechterhalten werden soll. Natürlich hoffe ich, dass es für uns alle sich irgendwann normalisiert und dass dann auch wieder der Ball rollt. Vor allem habe ich die Hoffnung, dass es in der Gesellschaft nach all dem Ganzen solidarischer weiter geht. 

Wie meinen Sie das konkret?

Ich sehe den Dauerapplaus etwa für Krankenschwestern sehr kritisch. Seit Jahren leisten diese Berufsgruppen Herausragendes für die Gesellschaft, seit Jahren wird das nicht gewürdigt und schlecht bezahlt. Ich bin der Meinung, dass sie diese Anerkennung schon immer verdient haben – auch finanziell. Dass diese systemrelevanten Berufe nach der Krise mehr Anerkennung über den symbolischen Beifall hinaus bekommen, auch durch mehr Lohn, das wünsche ich mir. 

Hansi Küpper zieht es zurück in die Heimat - ab 1. Juni will er mit seiner Frau Roswitha in Herbern leben.

Wie sind Ihre Umzugspläne durch den Umgang mit der Corona-Pandemie betroffen?

Der verkompliziert sich, keine Frage. Der Umzug nach Herbern zum 1. Juni ist weiter im Visier. Da wir uns schon vor einigen Jahren bei einem Umzug innerhalb Pfaffenhofens verkleinert haben, hoffen wir, dass wir schon mal einen Sprinter vollmachen können mit unseren Sachen.

Alle fortlaufenden Informationen zum Coronavirus in Nordrhein-Westfalen bekommen Sie in unserem Live-Ticker.

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