Schiedsrichter Siegfried Seifert pfeift seit fast 50 Jahren

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Ein Höhepunkt für Siegrird Seifert (rechts) war der Einsatz als Linienrichter an der Seite des Bundesliga-Schiedsrichters Thomas Kestermann im Bochumer Ruhrstadion, als sie die Partie zwischen den damaligen Bundesligisten VfL Bochum und Gornik Zabrze leiteten. Mit dabei war auch der Ascheberger Klaus Schilling.

Werne - Vor fast genau 50 Jahren leitete Siegfried Seifert sein erstes Fußballspiel. „Es war bei BW Ottmarsbocholt und ein A-Jugendspiel. Mehr weiß ich aber nicht mehr“, sagt der langjährige höherklassig pfeifende Schiedsrichter aus Werne, der am Dienstag (8. März) seinen 70. Geburtstag feiert.

Seifert hatte dabei aber nicht nur die Karriere als Unparteiischer im Blick. Bis zu seinem 25. Lebensjahr kickte er beim damaligen SC 47 Stockum, dem Vorgängerverein des heutigen SV Stockum. Dort war er Spielführer in der ersten Mannschaft, bis ein Kreuzband- und Meniskusriss ihn früh zum Laufbahnende zwangen.

Parallel dazu pfiff Seifert bereits bis zur Landesliga. Nach seiner vollständigen Genesung war der Werner nur noch als Schiedsrichter aktiv – wobei er das streng genommen eigentlich gar nicht hätte sein dürfen.

Denn bei seiner ersten Schiedsrichterprüfung hatte er verheimlicht, dass er einen leichten Herzklappenfehler hatte. „Da hätten sie mich eigentlich nach Hause schicken müssen“, sagt Seifert. Er schaffte es trotzdem irgendwie in die Prüfung und schloss diese als einer der Besten ab.

Es folgten über 30 Jahre, in „denen ich voll aktiv war als Schiedsrichter“. Er stieg mit 28 Jahren in die Verbandsliga auf – damals die höchste Amateurklasse. Sein erstes Spiel darin war 1974 das Duell SpVg Holzwickede mit dem Dortmunder Europapokalsieger Hoppy Kurrat als Spielertrainer in seinen Reihen gegen Sportfreunde Siegen. Auch in den höchsten westdeutschen Jugendklassen bei den A- und B-Junioren leitete der langjährig mit seiner Frau Erika verheiratete Seifert viele Partien.

Wie viele er seitdem geleitet hat, weiß er nicht. „Ich habe nie für die Statistik gepfiffen“, erklärt der Rentner, der als Konstrukteur beim Maschinenbauer Westfalia in Lünen tätig war.

Als er 50 Jahre alt war, zog sich Seifert als Schiedsrichter zurück. „Das tue ich mir nicht an, mit 70 Jahren noch in der Kreisliga herum zu gurken“, erklärt Seifert dazu.

Aber so ganz aufhören geht dann doch nicht. Seit Jahren leitet er zusammen mit seinem langjährigen Begleiter Burkhard Knuth vom Werner SC die Spiele bei den Werner Schulmeisterschaften im Fußball – sowohl draußen als auch in der Halle.

Um fit zu bleiben, hatte sich Seifert vor 27 Jahren entschieden, mit dem organisierten Tennisspielen anzufangen. Diese neue sportliche Betätigung bei der BSG Gersteinwerk Stockum brachte ihm auch einige Posten und Verantwortung ein. So ist er aktuell Pressewart des Vereins und Mannschaftsführer der Herren 65.

Über 25 Jahre auch als Funktionär tätig

Auch als Funktionär im Schiedsrichterwesen hat sich der für den SV Stockum pfeifende Seifert Verdienste erworben. Über 25 Jahre war der in verschiedenen Funktionen im Schiedsrichter-Ausschuss des früheren Fußballkreises Lüdinghausen im Einsatz. Bis zu der Auflösung des Kreises im Sommer vergangenen Jahres war Seifert zuletzt als Schiedsrichter-Beobachter und Betreuer von jungen Kollegen aktiv.

Diese Funktionen gab er nach der Auflösung des Fußballkreises LH ab und lässt sich im neuen Kreis (Unna/Hamm) nun als passiver Schiedsrichter führen – obwohl es auch Anfragen gab, sich im Schiedsrichterwesen im neuen Kreis einzubringen.

Seifert pfiff in der Verbandsliga jahrelang mit seinem Gespann, zu dem über ganz viele Jahre der aus Rünthe stammende Burkhard Knuth (Werner SC) und Martin Pier gehörten. Der ebenfalls früher für den SV Stockum pfeifende Pier machte später ebenfalls Karriere, pfeift bis zur Oberliga und war zuletzt Obmann des Schiedsrichter-Ausschusses des aufgelösten Kreises Lüdinghausen.

Bei den jährlichen Prüfungen war Seifert immer einer der Besten. Da die Mittelstrecken über 1 500 oder 1 000 Meter nicht seine Stärken waren, holte er die wichtigen Punkte auf der Sprintstrecke mit beachtlichen 12,0 Sekunden über die 100 Meter. Am 5. Mai 1990 zog er sich dabei in Münster einen Muskelriss im Oberschenkel zu und wurde – mit nur einer Hand im Ziel liegend – noch mit 12,6 Sekunden gestoppt. Auch als Linienricher hatte Seifert zahlreiche interessante Einsätze im Gespann mit dem Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer sowie mit Manfred Krebber in der Ober- und Regionalliga – so etwa beim damaligen Westfalenderby vor 12 000 Zuschauern zwischen Preußen Münster und dem ASC Schöppingen.

Als Linienrichter im Ruhrstadion dabei

Am 7. Februar 1990 leitete er eines seiner wenigen Spiele auf dem Rasenplatz seines Heimatvereins SV Stockum. Dort standen sich eine Werner Stadtauswahl und der DDR-Oberligist Lokomotive Leipzig gegenüber. „Leipzig gewann nur 7:0, weil ich ihnen ein Tor geklaut habe. Das Flutlicht war damals ziemlich schlecht und ein Ball flog durch ein Loch im Tornetz“, erinnert sich Seifert genauso wie an Feuerzeug-Würfe im Stadion an der Hafenstraße von Rot-Weiss Essen.

Ein Höhepunkt für Seifert war auch der Linienrichtereinsatz im Frühjahr 1996, als der damalige Bundesligist VfL Bochum zu einem Testspiel den polnischen Erstligisten Gornik Zabrze im Ruhrstadion empfang. Dort gehörte Seifert als Linienrichter zusammen mit Klaus Schilling (TuS Ascheberg) zum Gespann von Bundesliga-Schiedsrichter Thomas Kestermann (Lüdinghausen).

Und wenn Siegfried Seifert heute im privaten Kreis seinen Geburtstag feiert, wird sicherlich noch so manche andere Anekdote erzählt werden...

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