Klaus Holtmann krönt Comeback mit WM-Gold

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Klaus Holtmann bei einem der beiden Tagesläufe in Kandersteg (rechts), bei der Siegerehrung am Abschlussabend und beim Dankeschön an den Sportkameraden Tuulikki. - Fotos: pr.

RÜNTHE - Rünthe hat einen Weltmeister: Klaus Holtmann gewinnt bei den Titelkämpfen der Welt-Schlittenhunde-Gesellschaft in Kandersteg (Schweiz) die Goldmedaille bei den Skandinaviern (Kombi Ski/Schlitten) auf der Mitteldistanz.

Es ist ein tolles Comeback, das er mit den Siberian Huskies Tuulikki und Tapio feiert. Denn der 59-Jährige muss bis weit in das vergangene Jahr hinein wegen einer Krankheit für zehn Monate pausieren. Holtmann: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal so zurückkomme.“

Die Aussage ist nachvollziehbar, sobald die Distanzen bei der WM aufgerufen werden: In Kandersteg im Berner Oberland haben die drei Strecken eine Länge von 18,8 Kilometer beim Prolog sowie 37,6 und 34,5 Kilometer in den Läufen zwei und drei. Macht in der Summe über drei Renntage 90,9 Kilometer – und reichlich Höhenmeter dazu.

Ganz klein sind hingegen Holtmanns erste Schritte zurück in den Sport: „Erst 500, dann 800 Meter. Es war eine sehr, sehr schwere Zeit für mich“, sagt der neue Weltmeister. In Kandersteg benötigt der Rünther insgesamt sechs Stunden, neun Minuten und 6,8 Sekunden. Damit liegt er zehn Minuten und zwei Sekunden vor dem Zweiten, Joserra Lebron aus Spanien, und weitere 29 Minuten und 53 Sekunden vor der Dritten, Ekaterina Zhukova aus Russland. Die Strecke hat echtes WM-Format: „Da waren ein paar Abfahrten drin, da ist mir das Herz ganz schön in die Hose gerutscht“, sagt Holtmann.

Insgesamt starten in den verschiedenen Klassen 240 Teilnehmer mit 2 500 Hunden – in der Königsklasse mit bis zu 16 Tieren vor dem Schlitten. Die meisten Teilnehmer sind in den Sprintklassen am Start. Die Mitteldistanz ist vielen zu hart. „Den Wahnsinn machen nicht so viele“, sagt Klaus Holtmann, „da muss man sich richtig quälen. Außerdem muss man die richtigen Hunde dafür haben und vor allem für sie auch das richtige Maß finden. Ist der Akku leer, dann ist der Akku leer.“

Tuulikki, sieben Jahre alt, und der 3-jährige Tapio, sind die passenden Vierbeiner und zeigen dies vor allem im Prolog. Denn der war als Nachtlauf ausgeschrieben. „Außerdem hatten wir starken Schneefall, das hat die Orientierung sehr erschwert. Ich habe die Hand vor Augen nicht mehr gesehen“, sagt Holtmann. Sein Vorteil: „Das war mein Wetter: Lieber 30 Zentimter Neuschnee als eine Autobahn.“ Seine Hunde erleichtern die Arbeit bei der Fährtensuche, bringen den Schlitten und nach 1:16 Stunden ins Ziel – vorerst Platz zwei hinter dem Spanier. Der verliert aber in den beiden folgenden Läufen jeweils sechs Minuten auf den Rünther, obwohl er deutlich jünger ist als sein deutscher Kontrahent, für den es der größte Erfolg seiner Laufbahn ist.

20 Jahre betreibt Klaus Holtmann diesen Sport, beginnt mit dem Canicross, steckt jede Menge Geld und Energie hinein. Die größten Erfolge: Platz drei bei der Weltmeisterschaft in Oberwiesenthal sowie der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2005. Immer dabei: Ehefrau Brigitte, die auch die Ausbildung der Hunde bereits im Welpenalter übernimmt. „Sie hat die Ruhe, die mir manchmal fehlt“, sagt Klaus Holtmann.

Die Vorbereitung für Tuulikki (aus dem finnischen übersetzt „Kleiner Wind“) und Tapio („Gott der Wälder“) auf die WM in Kandersteg beginnt gemächlich im Herbst.

Anfangs sind es zwei, vier oder fünf Kilometer am Tag. Das steigert sich am Fahrrad oder vor dem Wagen auf 30 bis 35 Kilometer pro Tag im Dezember. Klaus Holtmann als „Musher“ (Schlittenhundeführer) läuft zunächst 60 bis 70 Kilometer pro Woche, später sind es 100 – teils mit dem Rollenski. Mit seinen Vierbeinern absolviert er ein einwöchiges „Trainingslager“ in Dänemark. Holtmann: „Wir haben am Strand immer so 32, 33 Kilometer gemacht. Das hat uns echt was gebracht, denn der Sand läuft sich ähnlich wie Schnee, weil er weich und elastisch ist.“

Weil er keinen Profisport betreibt, ist die Saison auf dem Höhepunkt vorbei: „Jetzt ist erst einmal Arbeit angesagt, ich bin jetzt fünf Wochen weggewesen“, sagt Klaus Holtmann. Er habe gottlob mit dem Marienhospital einen guten Arbeitgeber, der seinen Sport unterstütze, sagt der 59-jährige Maler. Kleinere Volksläufe im Sommer werden anstehen, ansonsten sei die Teilnahme am Jungfrau-Marathon im Herbst in der Schweiz noch einmal ein Ziel für 2014. Einen Traum gibt es noch: „Einmal in Nordamerika ein Rennen gegen die Besten fahren, das hätte schon was.“ Die nächste Weltmeisterschaft der „World Sleddog Assosiation“ liegt allerdings gleich um die Ecke – in Österreich. - gu

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