Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

Rennen gegen den Kater

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Die gebürtige Wernerin Anne- Kathrin Mertens (38) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

Eine Unwetterwarnung zeigte die Wetter-App an. Und gleichzeitig sprang im Handy-Terminkalender „Nikolauslauf in Hamm“ auf. Die Weihnachtsfeier vom SV Herbern war auch gerade mal ein paar Stunden her. Der Schweinehund war hartnäckig, was noch härter war, war der Kater. Immer diese Viecher.

Roland schrieb: „Ich hol dich 10.15 Uhr ab.“ Dirk schwächelte: „Mein Körper kann das heute nicht.“ Mit Blick nach draußen und dem Brummen meines Schädels schrieb ich zähneknirschend: „Na gut.“ Auf der Fahrt nach Hamm wurde klar: Roland hat verdächtig gute Laune, die Playlist war der Hammer. Und in meinem Kopf war auch immer noch ein Hammer. Der letzte Pflaumenschnaps mit Sahnehäubchen, liebevoll von Birgit serviert, war nicht mehr gut gewesen. Egal. Wer saufen kann, der kann auch laufen. 

In Hamm angekommen, drängte sich das kleine Läuferfeld bis eine Minute vor Startschuss unter die vor Regen und Wind schützende Tribüne am Jahnstadion. Sprecher Jochen rief irgendwann ins Mikro: „Leute, ihr müsst da jetzt irgendwann mal rauskommen, sonst können wir nicht starten.“ Eigentlich drängeln immer alle schon 15 Minuten vor Startschuss da herum, um sich den besten Platz vorne zu sichern. Aber bei Regen lieber doch nicht. 

Der rasende Roland rannte direkt los. Ich ließ es langsamer angehen. Wer weiß, wie der Magen das so mitmacht. Mit dem Wetter hatten wir sogar Glück. Es regnete die ersten zwei Kilometer, bis wir schön triefend nass waren, aber die letzten acht Kilometer konnten wir nutzen, um uns vom Wind trocken pusten zu lassen. Der Wind war sogar auch okay, nur auf dem Rückweg war etwas davon zu spüren. 

Aber da hatte ich eh den Marco vor mir. Schick, mit blauer Nikolausmütze bestückt, gab er mir etwas Windschatten. Aber nur kurz, ich wollte ja weiter. Also an ihm vorbei, hinter Roland her. So geht´s ja nicht. Der Magen hielt – also noch einmal etwas Gas die letzten Kilometer. Schön durch jede Pfütze, die Füße waren ja eh schon nass. 

Und ich musste immer an die wirklich lustige Rede vom Herberner Bürgermeister Bert Risthaus von der Weihnachtsfeier abends vorher denken: „Und man freut sich jedes Mal nach dem Zehn- Kilometer-Lauf in Herbern über ein Getränk, das man sonst nie durch´n Hals kriegt: Zitronentee. Nach so einem Lauf gibt´s nix Besseres.“ Und da auch die LG Hamm Zitronentee kann, hab ich mich darauf gefreut. 

Die letzten Kilometer hörte ich dann immer noch den Marco hinter mir, der auch wacker ins Ziel wollte. Hat sich nachher noch bedankt, ich hab ihn wohl unabsichtlich „gezogen“, nachdem ich ihn überholt hatte. Gern geschehen, „Ehrenmann“. 

Im Ziel gab´s dann den lecker Zitronentee und – Ha! – der Weg nach Hamm hatte sich doppelt gelohnt, denn für mich als Zweitplatzierte der AK 35 gab es noch eine fette Tafel Schokolade. Läuft bei mir. Die Siegerin der Altersklasse hat „nur“ einen Umschlag bekommen. Wer braucht Umschläge, wenn es Schokolade gibt? 

Im Auto zurück war ich wieder besser gelaunt, der Alkohol war ja „rausgelaufen“. Und Roland, der bekam für´s Mitnehmen und die gute Musik (ein Mix aus Hanne Haller, Wolle Petry und Helene) die Schoki.

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