Reiten als Beruf, Fußball als Ausgleich: Die doppelte Lotte

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Charlotte Klein im Springsattel.

Werne -  „Pferd gut, Reiterin scheiße....“, sagt Charlotte Klein beim Verlassen der Bahn in ihrer charmant direkten Art. Die Wertnote 6,5 steht auf der Anzeigentafel, hinzu kommen drei Hindernisfehler. Damit reiht sich die 20-Jährige mit der 6-jährigen Oldenburger Stute Catyvijana im Wettbewerb der 91 Nachwuchspferde weit hinten ein.

„So hoch bin ich mit ihr aber auch noch nicht gesprungen“, sagt die Auszubildende auf dem Hof Gripshöver und wagt eine Prognose: „Heute Nachmittag, in den Stilspringen, da wird es besser. Da liegt alles zwei Löcher niedriger.“

Charlotte Klein als gefeierte Torschützin beim Werner SC.

Dass sie einmal eine klassische Lehre zur Berufsreiterin machen würde, ergibt sich bei Charlotte Klein nicht automatisch. Ihre eigentliche Passion ist: Fußball. Das bringt sie – als Kölnerin – sogar zu Bayer 04 Leverkusen. 

Lenklarer Reitertage 2018 - das erste Wochenende

Aktuell fährt sie sportlich zweigleisig, denn als Ausgleich zur Reiterei kickt sie für den Werner SC in der Kreisliga A. „Leider nicht an den nächsten beiden Wochenenden“, sagt sie, denn wegen des Turniers wird sie gegen die SG Selm/Südkirchen (3:2-Sieg am Sonntag für den Werner SC) und den VfL Senden nicht als Mittelfeldstrategin auf dem Platz stehen.

Innenverteidigerin bei Bayer 04 Leverkusen

Der Pferdesport ist für Charlotte Klein in Kindertagen vornehmlich ein Ferienvergnügen. „Und wir hatten eine Nachbarin, die Pferde besaß, die hat mich immer mal mitgenommen“, sagt sie.

Die Liebe zum Fußball entwickelt sich auf der Straße. „Ich bin immer draußen gewesen und habe mit den Jungs Fußball gespielt – als einziges Mädchen“, erzählt Klein. Mit sieben Jahren wird sie beim SC Holweide angemeldet. Bei dem kleinen Vorstadtverein im Kölner Osten spielt sie oft mit und gegen Jungen. „Das hat abgehärtet“, sagt Charlotte Klein.

Das Talent wird erkannt und es folgt der Wechsel zum TuS Köln. Der hat 1996 die ruhmreiche Frauenabteilung von der SSG Bergisch Gladbach aufgenommen und reicht sie 2008 geschlossen weiter an Bayer 04 Leverkusen, inklusive der Lizenz für die 2. Bundesliga. Klein wechselt mit und spielt anschließend für den Werksclub in den Altersklassen U15 und U17 – als Innenverteidigerin.

Weil Geld verdienen im Frauenfußball kaum möglich ist, steht irgendwann die Berufswahl an. Charlotte Klein möchte Bereiterin werden – nicht gerade zur Freude ihrer Mutter. „Sie hat versucht, mich auf eine andere Bahn zu bringen“, sagt sie. Polizistin oder Physiotherapeutin stehen als Alternative im Raum.

Charlotte setzt sich aber durch und beginnt ihre Ausbildung in einem Betrieb in Rheinland-Pfalz. Sie bleibt acht Monate, denn: „Da hat es mir nicht so gefallen.“

Zu den Gripshövers kommt sie via Facebook: „Silvia hat gepostet, dass sie Auszubildende suchen.“ Sie bewirbt sich mit Erfolg und seit dem Sommer 2017 wohnt und arbeitet sie in Lenklar. Auch wenn der Job, der um 7.45 Uhr beginnt, anstrengend ist und auch nicht immer nach acht Stunden endet, mache ihr die Arbeit in Werne großen Spaß. Sieben bis acht Pferde reitet sie dabei täglich.

Das Verhältnis zur Familie Gripshöver sei gut und auch mit den anderen drei Azubis auf dem Hof verstehe sie sich prima. Im Sommer 2019 steht die Abschlussprüfung an. Was dann? „Weiß ich nicht“, sagt Charlotte Klein, „aber wenn es ginge, würde ich gerne hier bleiben.“

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