Jan Tschernoster auf Olaf Ludwigs Spuren

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Der Bergkamener Jan Tschernoster nach seinem Sieg bei der 36. Oder-Rundfahrt.

Bergkamen - Jan Tschernoster, 18-jähriges Radsporttalent aus Bergkamen, hat am vergangenen Wochenende die 36. internationale Oder-Rundfahrt gewonnen – und das als jüngster Fahrer in der 60-jährigen Geschichte der Tour.

Das Mitglied des RSC Werne war nach den knapp 500 Kilometern an vier Tagen und auf fünf Teilabschnitten von der Konkurrenz nicht mehr einzuholen.

Der Radsportler vom Team Rose NRW behauptete mit 1:10 Minuten Vorsprung auf die Konkurrenz.

Schrecksekunde nach einem Sturz

Das Gelbe Trikot hing in Streifen am Rücken, die Rennhose aufgerissen und an Armen und Beinen Schürfwunden – dennoch strahlte Tschernoster nach dem Erfolg. „Das ist ein großer Erfolg“, sagt der Abiturient auch einen nach der Rückkehr aus dem Nordosten der Bundesrepublik. Als den größten will er den Sieg nicht bezeichnen, zumal er ja im Vorjahr in der U19 Elfter der Weltmeisterschaft im Zeitfahren wurde, „und das war ja mehr oder weniger eine nationale Rundfahrt“, versucht der angehende Student den Erfolg einzuordnen.

Gestern stand ein leichtes Ausrollen an. „Ich trainiere eine Stunde und rolle dabei locker aus“, betrieb Tschernoster aktive Erholung nach seinem Premierensieg bei einer Rundfahrt.

Eine Schrecksekunde gab es auf der abschließenden Etappe, auf die Jan Tschernoster schon als Führender der Gesamtwertung ging, in der vierten von 14 Runden auf dem schweren Kurs am Zeisigberg, als ein Sturz den Gesamtsieg fast gefährdet hätte. „Es war aber super, wie meine Teamkameraden mir geholfen haben. Sie haben einen großen Anteil am Sieg“, bleibt Tschernoster erneut bescheiden. „So konnte ich schnell wieder Anschluss finden.“

Mit einer starken Leistung als Zweiter des Zeitfahrens über 19,8 Kilometer am Samstagmorgen hatte Tschernoster den nach zwei Etappen führenden Jonas Tenbruck vom Team Racing Students 2:07 Minuten und damit das „Gelbe“ abgejagt.

Mit seinen 18 Jahren ist Jan Tschernoster nun der jüngste Sieger in der Historie der Tour durch das Oderland.

Bisher hatte dieses Prädikat kein Geringerer als Olaf Ludwig inne. Der spätere Olympiasieger, Weltmeister und Etappengewinner bei der Tour de France war bei seinem Erfolg 1980 im Frühjahr schon 19 Jahre alt.

Erstaunlich ist, mit welcher Konstanz sich Tschernoster in seinem ersten Jahr bei den U23-Männern behauptet. „Mein Ziel war eigentlich, mich ein bisschen einzurollen in dieser Klasse. Aber ich habe bislang konstant gute Leistungen abgerufen“, erklärt Tschernoster: „Und das ist auch ein bisschen eine Bestätigung für meine Trainingsarbeit“, erklärt das größte Talent, dass der RSC Werne hervorgebracht hat.

Am kommenden Wochenende stehen nun gleich zwei weitere Wettkämpfe an. Am Samstag startet Jan Tschernoster bei einem Zeitfahren in Papenburg an der Ems, am Sonntag geht es weiter Richtung Norden nach Emden, um an einen Rundstreckenrennen teilzunehmen. Denn in der U23-Bundesliga, in der Tschernoster schnell aufgestiegen ist, geht es erst Ende August weiter. Bis dahin nimmt der RSC-Fahrer eben an passenden Rennen teil, bei denen er nun als frisch gekürter Sieger der Oder-Rundfahrt als eine der Attraktionen verkauft wird. Und das hat sich Tschernoster hart erarbeitet, auch wenn das Stehen im Rampenlicht dem zurückhaltenden Fahrer nicht unbedingt gefällt.

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