Interview mit dem Ex-Profi

Preußen Münsters Co-Trainer "Kutte" Öztürk über die Saison, seine Zukunft und Marvin Pourié

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"Kutte Öztürk (rechts), Co-Trainer bei Preußen Münster an der Seite von Marco Antwerpen

Kurtulus Öztürk, 39, arbeitet seit Mitte 2017 als Co-Trainer an der Seite von Marco Antwerpen im Profifußball. Erst bei Viktoria Köln in der Regionalliga , dann bei Preußen Münster in der 3. Liga. Der Werner, der verheiratet ist und eine Tochter hat, und sein Chef bleiben weiter ein Team, wenn auch derzeit ohne Job. Auch darüber spricht Öztürk, der Deutscher Meister mit der U19 von Borussia Dortmund war und in der türkischen Superliga unter Joachim Löw bei Adanaspor spielte, mit Rainer Gudra.

Seit fast zwei Jahren arbeitest Du jetzt im professionellen Fußball. Ist der Einstieg so gelaufen wie erwartet? 

Kurtulus Öztürk: Das ist natürlich noch einmal eine andere Nummer als in der Bezirks- oder Landesliga. Ein schwieriger Sprung war das aber nicht. Klar, man setzt sich am Anfang Ziele und startet mit Marco zusammen auch schon mit Visionen. Umso schöner, dass wir Ende 2017 schon in der 3. Liga waren. 

Wie fällt die persönliche Bilanz bei den Preußen aus? 

Öztürk: Ich bin sehr zufrieden, muss ich sagen. Bei Preußen ist das etwas anderes: Heimat und Herzenssache. Ich habe mich als Spieler dort schon wohl gefühlt und jetzt auch gerne für den Verein und mit den Spielern gearbeitet. Unsere Bilanz als Trainerteam ist auch sehr positiv. Wenn man das mit anderen Drittligisten vergleicht, dann ist es aber nicht einfach gewesen – vor allem in der Trainingssteuerung mit dem relativ kleinen Kader, um möglichst wenig Verletzungen zu haben. Anfang der Saison wurde von Vereinsseite gesagt, man will nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Marco und ich haben nicht in dieser Region gedacht. Ich bin mir sicher: Mit ein oder zwei weiteren Spielern, Lösungen hatten wir bereits, wäre es für uns in der Tabelle noch weiter nach oben gegangen. 

Erzähle ein bisschen über Cyrill Akono aus Südkirchen, der jetzt zum FSV Mainz 05 wechseln wird. 

Öztürk: Ich habe sehr viel mit ihm gearbeitet. Wir haben sehr viel im Detail gearbeitet und ihn gefördert, was man bei seinen Einsätzen in dieser Rückrunde gesehen hat. Er hat vier Tore gemacht und sich seine Spielzeiten verdient. Er hat gutes Potenzial, sein Charakter ist einwandfrei. Er hat keine Allüren und auch der U19 noch geholfen, in der Bundesliga zu bleiben. Ich freue mich, dass er jetzt in noch professionellere Hände kommt und da ist Mainz keine schlechte Adresse für ihn.

Er ist nicht der einzige Preuße, auf den andere Vereine ein Auge geworfen haben? 

Öztürk: Als wir gekommen sind, haben wir gesagt: Das muss eine andere Entwicklung nehmen als in den Jahren zuvor. Das ist uns, glaube ich, ganz gut gelungen. Bevor wir gekommen sind, war keiner so recht im Blickfeld. Jetzt sind es Klingenburg, Kobylanski oder Fabian Menig, für den eine Anfrage eines ausländischen Erstligisten vorgelegen hat – und natürlich Cyrill Akono. 

Du hast deine berufliche Zukunft eng an die von Marco Antwerpen geknüpft. Jetzt habt ihr schon früh im Jahr bekannt gegeben, dass ihr nach der Saison 2018/19 bei den Preußen aufhören werdet. Ihr seid dennoch weiter ohne Verein... 

Öztürk: ...Marco und ich haben gleiche Visionen und Ziele. Die Zusammenarbeit ist perfekt und alles automatisiert. Es laufen gerade Gespräche, aber konkret kann ich noch nichts vermelden. Ich bin ganz entspannt und warte darauf, was die Zukunft bringt. Es war uns wichtig, den Entschluss frühzeitig mitzuteilen, nachdem unser letzter Wechsel mitten in der Saison ablief. Es war uns auch sehr wichtig, dass wir mit unserem Heimatverein die Saison vernünftig zu Ende bringen und nicht beim ersten Angebot gleich vom Hof gehen; so haben wir auch das erste von Uerdingen nicht angenommen. Wir waren uns schnell einig, dass das nicht zu uns passt. 

Wie verbringt man die arbeitsfreie Zeit? Wirst Du vielleicht irgendwo hospitieren?

Öztürk:  Nein. Jetzt ist erst einmal Familienurlaub angesagt und ich werde auch mit Marco noch einmal in die Türkei fliegen, um es uns gut gehen zu lassen. Wir werden gut beraten. Heute Abend bin ich allerdings beim Drittliga-Aufstiegsspiel von Wolfsburg II gegen Bayern München II. Fortbildung ist das aber nicht. Ich mache das privat und treffe dort einen guten Bekannten.

Was waren die Höhepunkte in der vergangenen Saison? 

Öztürk: Sicherlich die Spiele in Lautern, Braunschweig und in Rostock, wo wir ein überragendes Spiel gemacht haben mit 16 000 Zuschauern gegen uns. Da haben wir ein überragendes Angriffspressing gespielt und mit 4:1 gewonnen. Auch das 3:3 in Braunschweig, obwohl es eine gefühlte Niederlage war. Besonders wichtig war Lautern. Wir sind mit einer Niederlage im Rücken dahin, wollten wieder punkten, um oben mitzumischen – und haben 2:1 gewonnen. 

Die Frage nach dem Werner Torjäger in Liga 3, Marvin Pourié, wollen wir nicht ausklammern. 

Öztürk: Klar, wenn man in einer Liga spielt, verfolgt man alle. Aber die, die man kennt, natürlich ein bisschen mehr. Karlsruhe musste mit Schleusener (nach Sandhausen, d. Red.) einen guten Stürmer ersetzen. Den Karlsruhern kann man nur gratulieren, wie sie das mit Marvin gemacht haben. Und es spricht für ihn, dass er sich durchgekämpft und Geduld bewiesen hat. Karlsruhe hat insgesamt ein super Gerüst mit den beiden Innenverteidigern, dem Mittelfeld und den beiden Stürmern. Für mich ist es nicht überraschend, dass sie aufgestiegen sind. Und Marvin habe ich auch gewählt über liga3-online als Spieler der Saison. Auch für mich ist er das. Ich denke, das war die beste Saison seiner Karriere. Er hat in vielen Ländern gespielt und es ist schön, dass er jetzt endlich mal in Deutschland Fuß gefasst und Familie hat. Das ist auch wichtig. Aber mal schauen: Die 2. Bundesliga ist noch einmal eine andere Nummer. 

Du bist ja auch immer noch eng mit dem Werner SC verbunden. Wie hast Du dessen zweite Landesliga-Saison erlebt? 

Öztürk: Ich verfolge das ständig und wenn ich mal keine Spielbeobachtung habe, dann bin ich meistens bei einem Heimspiel, oder wenn sie in Münster spielen – zum Beispiel in Roxel. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich mit um Neuzugänge kümmere. Da werden wir in der ersten Juni-Woche einiges vermelden können. Bei einigen Kandidaten geht es noch um etwas. Die Jungs geben alle Vollgas und man merkt, dass sich die Spieler gut entwickeln – zum Beispiel die drei Winterzugänge Nico Holtmann, Marvin Schuster und Marvin Husarek, die wir mit Perspektive über den Sommer hinaus geholt haben. Sie konnten sich so gut an die Liga gewöhnen. Oder auch Colin Lachowicz. Jawad Foroghi zum Beispiel hat Anfragen bis zur Oberliga, aber er wird bleiben. Und Niclas Beckerling sehe ich in ein, zwei Jahren in der Oberliga bei seiner Geschwindigkeit im Spiel. Über ihn haben sich bei mir auch schon einige Vereine erkundigt. Trotzdem müssen wir gute Leute holen, um die Entwicklung weiter voran zu treiben und auch, um den Kader breiter aufzustellen. Aber das machen wir ohne Stress, denn die Mannschaft bleibt ja weitestgehend zusammen.

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