Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

Ohne sabbeln geht das Laufen nicht

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Anne-Kathrin Mertens

Ein bisschen Frieden…auf dieser Strecke, auf der wir laufen. Endlich wieder laufen, endlich wieder Wettkampf! Seit Juli war ich nicht mehr los. Es war immer was anders los am Wochenende.

Begrüßung in Oberaden: „Hey, Anne, musste denn heute keine Hausarbeit schreiben?“ Früher waren die Sprüche besser. Zuhause war ich mittlerweile wegen des wenigen Laufens so unerträglich, dass mein Mann meinte, ich solle ruhig mal wieder mit den anderen Läufern los. 

Und weil es so lange her war, hatten wir natürlich auch viel zu sabbeln. Zwei nette „Pacepack-Runners“ blieben schön hinter uns – lag es an unserem schönen Hinterteil? Auf Nachfrage sagten sie natürlich: Nein! Es sei nur wegen unseres lustigen Gequatsches gewesen. Ich versorgte kurz alle mit einem Ohrwurm – ich hatte letztens von Nicoles „Ein bisschen Frieden“ geträumt. Hätte ja nie geahnt, dass ich das Lied im Zielbereich nochmal nutzen könnte. 

„Ach, da war ich zwei, als das rauskam, da war die Welt noch in Ordnung…“ Jeder um uns herum rechnete nun aus, wie alt er denn 1982 gewesen war. Wieder ein Kilometer rum. Nicole, Andi und ich blieben zusammen, die Herren überholten uns. Klar, Männerehre und so. Wir aber quasselten munter weiter blödes Zeug und freuten uns über das schöne Wetter. Hab’ einmal etwas Tempo angezogen und bin dann beim Streckenposten bei Kilometer 9 stehen geblieben, um auf die anderen zu warten. 

Fand nicht jede(r) lustig. Wir wurden am Ende des Laufes nett beleidigt von einer Dame im Zielbereich. Ja gut, wir sind kurz vorm Ziel an ihr vorbei gerannt, aber das war nur Spaß. Ich glaube, es fielen dann Worte wie: „Dann überholt doch endlich, ihr blöden Ziegen.“ Auf mein Nachfragen, warum sie uns denn jetzt beleidigen würde, meinte sie, wir seien ja einfach nur „asi“ gewesen mit unserem dämlichen Gelaber die ganze Zeit. 

Ich kann ja verstehen, wenn's nervt, aber ganz so ernst muss man doch so einen Lauf nicht nehmen. Ich meine, wir reden hier ja nicht vom Gesamtsieg, den wir ihr abgenommen haben. Ich hätte da gut wieder „Ein bisschen Frieden“ singen können, hab es mir aber verkniffen, denn die Guteste war eh schon sauer genug. Wir verbuchen es mal unter „Die Dame hatte einen schlechten Tag“ – und hat es sicher nicht so gemeint. 

Entschuldigungen können gern persönlich beim nächsten Lauf abgegeben werden. Und: vom „dummes Zeug labern“ lassen wir uns nicht abhalten. Können wir nicht, haben wir wirklich schon mal versucht, ich erinnere an mein Selbst-Experiment in Bottrop, als ich den kompletten 25-Kilometer-Lauf lang nichts sagen wollte. Da haben mich nachher alle angebettelt wieder zu reden, wegen Langeweile. Kleiner Tipp von Frau zu Frau: Ohr-stöpsel oder einfach zuhause bleiben und im ruhigen Wald ‘ne Runde alleine drehen.

Die Autorin 

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohn mit Ehemann David in Capelle.

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