Ehemaliger Nationalkeeper aus Bergkamen in Corona-Zwangspause

Niko Katsigiannis im Interview: "Vielleicht gehe ich auch ins Ausland"

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Niko Katsigiannis.

Bergkamen  - Nicht nur der Amateursport ruht auf allen Ebenen. Auch die Profi-Sportler sind in diesen Tagen zur Pause gezwungen. Einer ist der ehemalige Handball-Nationalkeeper Nikolas Katsigiannis. Der 37-jährige gebürtige Werner steht beim Bundesligisten HC Erlangen unter Vertrag und blickt auf ungewissen Wochen. Die Sportredaktion hat mit dem Bergkamener gesprochen.

Von Mats-Yannick Roth

Über drei Wochen ist das letzte Pflichtspiel mit Erlangen her, da gab es den wichtigen 28:26-Heimsieg gegen den Bergischen HC. Wie ging es danach weiter und wie haben Sie von der unfreiwilligen Corona-Pause erfahren? 

Aufgrund der Tabellensituation war es bei uns so, dass wir nach dem Spiel gegen den Bergischen HC noch einmal ins Trainingslager gefahren sind, um uns auf das Auswärtsspiel bei den Rhein-Neckar Löwen vorzubereiten und die Schlussphase der Saison gemeinsam einzustimmen. Irgendwann bekamen wir die Info, dass wir mit dem Spielbetrieb erst einmal aussetzen werden. Wir sind nach Hause gefahren und wollten noch ein gemeinsames Training absolvieren. Dann kam die endgültige Meldung von der HBL, dass die Saison unterbrochen wird. 

Wegen der Corona-Pandemie mit dem HC Erlangen in Kurzarbeit

Wie ging es weiter als klar war, dass vorerst kein Spiel stattfinden wird? 

An dem darauf folgenden Sonntag haben wir mit dem Verein die Vereinbarung getroffen, dass wir in Kurzarbeit gehen. Seit dem trainieren wir individuell. 

Wie sieht dann momentan der Alltag aus? 

Die Anlagen sind ja alle geschlossen, so dass wir die Übungen und Laufeinheiten bei uns zu Hause absolvieren. Wir können individuelle Pläne vom Trainer bekommen. Ich habe aber mein eigenes Programm. Da muss ich schon ein bisschen kreativ sein, weil ich sonst eher Gerätetraining mache und ich mir ja nicht mal eben eine Beinpresse ins Wohnzimmer stellen kann. Es gibt aber auf jeden Fall noch genug Übungen, die ich machen kann.

Torwartspezifisches Training ist momentan aber eher nicht möglich, oder? 

Nein, nicht wirklich. Ich meine, ich kann hier im Garten herum hüpfen und meine Frau könnte auch theoretisch aufs Tor werfen, aber so weit ist es noch nicht gekommen. 

Was glauben Sie, wie es weitergehen wird? Wird überhaupt noch einmal gespielt in dieser Saison? 

Es ist schwer zu sagen. Die HBL wird, denke ich, alles versuchen, um die Spiele im Juni noch nachzuholen. Wir haben noch sieben Spiele zu absolvieren, das ist nicht so unrealistisch. Wenn es so kommen sollte, müssen wir bis dahin durchtrainieren und uns fit halten. Es ist alles in der Schwebe, aber es gibt wesentlich Schlimmeres.

Wann werden Sie denn erfahren, ob und wie es genau weitergehen wird in der Handball-Bundesliga? 

Die Führung der HBL kommt häufiger zusammen und bespricht die Situation, wie es aussieht. Noch ist nichts endgültig abgesagt. Bis Ende April ist die Saison aber auf jeden Fall unterbrochen.

Was hat die aktuelle Lage für Auswirkungen auf ihre persönliche sportliche Perspektive? Sie haben vor längerer Zeit mitgeteilt, den Verein nach der Saison verlassen zu wollen...

 Ich möchte den Vertrag in Erlangen nicht verlängern, weil ich fünf Jahre hier bin und noch einmal etwas Neues machen möchte. Aufgrund der Corona-Krise herrscht bei allen Vereinen große Unsicherheit. Viele wissen nicht mal, in welcher Liga sie in der kommenden Saison spielen und wie viel Geld sie zur Verfügung haben oder ob es bei denen überhaupt weitergeht. Von daher wundert es mich nicht, dass ich im Moment selber keine Planungssicherheit habe. 

Gab es noch andere Gründe als den Wunsch nach einer neuen Herausforderung, beim HCE nicht mehr zu verlängern? 

Mit der sportlichen Situation hatte das nicht viel zu tun. Ich habe einfach gemerkt, dass ich nach fünf Jahren an einem Ort noch einmal etwas anderes sehen möchte. Ich fühle mich noch jung genug, um noch einmal einen Wechsel zu machen, vielleicht auch ins Ausland. Für mich war es dann nur konsequent zu sagen: Es reicht jetzt und suche ich mir etwas Neues. 

Welche sportlichen Ziele haben Sie mit 37 Jahren denn insgesamt noch für sich gesteckt? 

Es ist immer schwierig zu planen im Sport. Wenn du dich verletzt, ist es schwierig, in dem Alter noch einmal zurückzukommen. Ich hoffe daher mal das Beste. Noch macht es mir sehr viel Spaß, ich möchte nichts anderes machen im Moment. Ich will so lange spielen, wie ich kann. Wenn es mit 40 noch so viel Spaß macht, spiele ich auch noch mit 40.

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