Laufkolumne von Anne-Kathrin Mertens

Matsch und Murre "all inclusive"

Wenn Erwachsene wie kleine Kinder in Pfützen springen, laut „Sch...“ gegen den Wind rufen und sich 2 Stunden später überglücklich in den Armen liegen - ja dann ist Hammer Serie bei bestem Hammer Schietwetter.

 Halbmarathon war am Wochenende angesagt. Und was haben sie Sonntag gemacht? Ja, Sonntag, als fast die Welt unterging. Also, ich war laufen. Es wurde zwar eher einer dieser Tough Mudder Läufe, wo man extra dafür zahlt, durch Murre und Matsche zu rennen und sich im Schlamm zu suhlen. 

Tja, in Hamm war das all inclusive. Lauffreundin Jeanette wollte ihren ersten Halbmarathon laufen - allerdings nicht bei den Vorhersagen. Also ging Samstag das Whatsapp-Theater los: „Wann sagst du ab? Bei dem Wetter fahren wir nicht.“

 Haha, ich sag nie ab, da kann die lange warten. „Also fahren wir?? Du spinnst.“ – „Klar fahren wir und klar, spinne ich.“ Alles für Albert. Der hatte vom Himmel hoch extra gutes Wetter für seinen Geburtstag und den ersten Halben für seine Schwiegertochter Jeanette gesorgt. 

Jeanette hatte im Auto immer noch Wetter-App am Start: Um zehn kommt der Sturm: Es wird über uns kommen!“. Ja, Ja, Jeanette. Wo soll denn jetzt plötzlich der Sturm herkommen? So schnell zieht doch kein Sturm auf. Anne, die kleine naive Wetterfee. 

Tja, der Hinweg über den Damm war ja noch lustig. Ich hatte Spaß, habe wie immer viel zu viel gesabbelt, bis uns ein genervter Typ überholt: „Wenn ich dich als Nachbarin hätte, würd ich ausziehen!“ Huch, der war ja mies drauf. Oder meinte er, er will mich ausziehen? Oder sich? 

Bei dem Wind konnte ich nix verstehen. Aber weiter. Bereits bei Kilometer 8 am Kanal entlang konnte man merken, dass Jeanette recht behalten würde. Es kam wirklich über uns. Und da wir da noch Rückenwind hatten war uns auch klar: Der Rückweg wird hart. 

Aber erstmal durch den matschigen Park bis zum Wendepunkt. Der war, sagen wir mal, 400 Meter von meinem Auto entfernt am Maximare. Aber wir mussten da wieder umdrehen und zurück. Waren wir auf dem Hinweg noch um die Pfützen getänzelt, um nicht die Füße nass zu bekommen, sprang ich jetzt in jede Pfütze rein. Egal (Ohrwurm vom Wendler).

 Wenn du komplett nass bist, ist das auch egal. Der Rückweg war, ja, sehr hart. Selbst ich bin ruhiger geworden. So wie es sich jeder Nachbar wünschen würde. Ich bin schwer zum Schweigen zu bringen, aber der der Gegenwind auf dem Damm, der hat´s geschafft. Endlich Kilometer 19 und die letzten zwei waren wieder ruhiger. 

Jeanette war froh, den riesen Schweinehund überwunden und morgens Nudeln mit Ketchup gegessen zu haben (Nudelparty am morgen) und im Zelt habe ich zum Organisator Dieter gesagt: „Die Jeanette ist heute bei dem Wetter zum erstmal Mal den Halben gelaufen.“ 

Und? Er fand’s so toll, dass sie im nächsten Jahr als Ehrengast starten darf. Und ich natürlich auch. Sehr cool. Und übrigens, wenn meine Nachbarn – ja, ich habe Nachbarn und ich glaube, die mögen mein Gesabbel sogar – sagen, ich sei bekloppt bei dem Wetter und das macht doch keiner, hätten sie mal nach Hamm gucken kommen sollen. Die Strecke war voll mit Verrückten. Bei gutem Wetter laufen kann ja auch jeder. Und Albert ist sicher stolz auf uns.

Die Autorin

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida, Fiete und Oskar wohnt mit Ehemann David in Capelle.

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