Marvin Pourie vor der Aufstiegsrelegation KSC gegen Aue: „Ich bin bei hundert Prozent“

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Es läuft bei ihm: Marvin Pourie (Mitte) bejubelt mit seinem Sturmkollegen Fabian Schleusener einen seiner Treffer im Verbandspokal-Halbfinale gegen Waldhof Mannheim. In den jüngsten fünf Partien erzielte der Angreifer aus Werne fünf Pflichtspieltore.

Karlsruhe - Der aus Werne stammende Angreifer Marvin Pourie steht am kommenden Freitag und darauf folgenden Dienstag (22. Mai) mit dem Karlsruher SC in den Relegationsspielen um den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga.

Der 27-Jährige trifft mit seinem Team dann auf den Drittletzten der abgelaufenen Zweitliga-Saison, den FC Erzgebirge Aue, und hat am Freitag ab 18.15 Uhr (live im ZDF) im Wildparkstadion zunächst Heimrecht. Über die Aussichten in diesen Spielen und seine ersten Monate in der Residenzstadt sprach der neunfache U18-Nationalspieler mit WA-Redakteur Frank Zöllner.

Man kann wohl sagen: Mit dem Wechsel in der Winterpause aus Dänemark nach Karlsruhe haben Sie alles richtig gemacht...

Marvin Pourie: Absolut, gerade mit Blick auf meine Zeit davor. In meinem ersten Jahr in Randers war ich Top-Stürmer mit 18 Toren in Meisterschaft und Pokal sowie zehn Vorlagen. Das brachte uns in die Nähe des europäischen Wettbewerbs. Das zweite Jahr wurde schwierig für mich durch den Trainerwechsel und andere Dinge im Verein. Ich habe auch einen Tapetenwechsel gebraucht – auch für mein familiäres Umfeld.

Als Sie Ende Januar zum Karlsruher SC gewechselt sind, spielte Ihre neue Mannschaft schon wieder in der Liga und Sie durften vorher nicht mit Ihrer damaligen trainieren...

Pourie: Ich hatte überhaupt keine Fitness, als ich zum KSC kam – auch weil ich beim vorherigen Verein nicht mehr im Trainingsbetrieb war, sagen wir es so. Aber das ist nun abgehakt.

Mussten Sie viel Geduld zum Karlsruher SC mitbringen?

Pourie: Mit wurde kein Druck von Oliver Kreuzer (Sportdirektor des KSC, Anm. d. Red.) gemacht. Ich weiß, warum der KSC mich geholt hat. Ich bin geholt worden für die Sachen, die ich zuletzt gemacht habe: Das ist das Toreschießen. Wir haben Top-Stürmer mit ‘Schleuse’ (Fabian Schleusener, Anm. d. Red.) und Toni (Fink, Anm. d. Red.), von denen ich mir noch einiges abschauen konnte. Als meine Chance gekommen war, habe ich sie ergriffen. Mit drei Toren in den letzten Meisterschaftsspielen und den zwei im Pokal-Halbfinale gegen Waldhof Mannheim.

Wie haben das Spiel in Aalen erlebt, wo Sie mit Ihrem Tor maßgeblichen Anteil daran hatten, dass der Relegationsplatz perfekt war?

Pourie: Das war wieder eine super Mannschaftsleistung. Die Paderborner hatten uns in der Woche zuvor versichert, dass sie gegen Wehen Wiesbaden noch einmal alles geben, obwohl sie schon aufgestiegen waren. Das haben sie dann auch gemacht. In Aalen war die Stimmung schon sehr, sehr schön. Was wir für Fans haben, das ist schon mehr als Zweitliga-reif. Wie wir auch auswärts unterstützt werden, ist schon etwas ganz besonders. Aber jeder im Verein hat daran seinen Anteil, vom Platzwart bis hin zum Physio. Jeder gibt uns immer aufmunternde Worte mit. Wenn es mit dem Aufstieg klappen sollte, dann ist das etwas für den ganzen Verein und für die ganze Stadt.

Wie läuft diese Woche vor dem Relegations-Hinspiel ab?

Pourie: Wie jede andere Woche vor einem Spiel auch. Wir gehen aber fokussiert und konzentriert an das Spiel heran und wir freuen uns drauf.

Was sagen Sie zum Einspruch Ihres Relegationsgegners Erzgebirge Aue gegen die 0:1-Niederlage beim SV Darmstadt?

Pourie: Ich habe es nur am Rande mitgekommen, weil ich am Sonntag einen Familientag gemacht habe. Ich habe mich überraschen lassen, wer es wird. So eng wie in diesem Jahr war es ja noch nie in der 2. Bundesliga. Ich habe am Rande mitbekommen, dass Aue ein reguläres Tor erzielt hat und zwei Elfmeter hätte bekommen müssen. Aber wir konzentrieren uns auf uns. Unser Trainer Alois Schwartz hat uns gesagt: Für sie ist es eine Pflichtaufgabe. Wir hingegen dürfen zwei Spiele mehr machen – und so gehen wir es auch voller Freude an.

Aue gilt als spielstarke Mannschaft...

Pourie: Ich weiß es nicht. Ich habe vielleicht zwei Spiele von ihnen in dieser Saison gesehen. Das kann ich nicht bewerten. Ich weiß aber, dass wir im Laufe der Woche gewissenhaft vorbereitet werden von unserem Trainerteam.

Und Ihre Mannschaft stellte die beste Abwehr der 3. Liga mit 29 Gegentoren in 38 Partien...

Pourie: Das ist das, was uns ausmacht. Wir haben eine hohe Disziplin und eine große Bereitschaft, dem anderen zu helfen. Am Ende zählt, wer Charakterstärke hat – und davon haben wir eine Menge.

Was machen Sie am späten Abend des 22. Mai nach dem Relegationsrückspiel?

Pourie: Ich weiß es nicht. Das kann man erst nach dem zweiten Spiel sagen. Ich sage mal so: Egal, was am Ende heraus kommt. Ich bin unglaublich stolz, in so einer Mannschaft spielen zu dürfen. Was die geschafft hat ab dem 7. Spieltag – ich bin ja erst später ab der Winterpause ein Teil davon geworden – , auch gegen viele Widerstände zu Saisonbeginn, ist herausragend. Vielleicht kann ich mit den andren dafür sorgen, dass aus einer guten Saison eine überragende wird. Ich bin jetzt bei hundert Prozent. Auch das ist etwas, was wir gerade brauchen.

Wie sehen Sie Ihre Chancen für einen Startelf-Einsatz, nachdem Sie nun viermal in Folge von Beginn an aufgelaufen sind?

Pourie: Das entscheidet der Trainer. Wir haben vier Top-Stürmer mit ‘Schleuse’, Anton Fink, Dominik Stroh-Engel und mir. Wir können alle Tore schießen – und auch entscheidende Tore schießen.

Zur Person

Der 27-jährige Angreifer Marvin Pourie aus Werne stammt aus der Jugend des SSV Werne (Vorgängerverein des Werner SC), spielte anschließend für den FC TuRa Bergkamen und später in der Jugend für Borussia Dortmund und des FC Liverpool. 

Als er im Jahr 2009 vom FC Schalke 04 für viereinhalb Jahre verpflichtet wurde, folgte ein sofortiges Leihgeschäft mit dem damaligen Zweitligisten TSV 1860 München. Nach einem Trainingsdisput mit dem Löwen-Trainer Uwe Wolf im April 2009 spielte der Angreifer in der Reserve und wechselte im Jahr 2010 für die Rückserie zum damaligen Zweitliga-Absteiger TuS Koblenz, für den er auch sein erstes Zweitliga-Tor erzielte.

 Nach seinem Wechsel zurück zum FC Schalke spielte Pourie auch dort in der „Zweiten“ und wechselte 2011 nach Dänemark zu Silkeborg IF, für den er bis 2013 zum Publikumsliebling avancierte. Danach folgte der Wechsel zum FC Kopenhagen, wo ihm unter Ståle Solbakken der Durchbruch nicht gelang. 

Pourie absolvierte aber für den dänischen Rekordmeister zwei Champions League-Einsätze gegen Juventus Turin und Real Madrid. Weitere Stationen auf dem Weg nach Baden zum Karlsruher SC waren für den neunfachen U18-Nationalspieelr in der 1. dänischen Liga SønderjyskE und Randers FC sowie SV Zulte Waregem (1. belgische Liga) und der FC Ufa (1. russische Liga). Pourie ist verheiratet und hat einen Sohn und einen Stiefsohn.

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