Laufkolumne von Anne Mertens: Über Zappler, Wühler, Küsser und Schicksen

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Der Start zum 5-Kilometer-Lauf bei der Barbara-Runde.

Am Wochenende war ich seit langem mal wieder bei einem Wettkampf. Die Barbara-Runde in Oberaden ist immer ein Läufchen wert. Dies nehme ich dann heute mal zum Anlass, über die verschiedenen Läufer im Startbereich zu philosophieren:

• Die „Ich hab zu wenig trainiert“-Fraktion. Im Ziel dann meistens: „Ach es lief so gut, ich weiß gar nicht wieso.“ Erinnert mich immer an die Mitschüler, die vor Rückgabe der Klausuren immer jammernd auf dem Stuhl saßen und dann überraschenderweise doch eine Eins hatten. Wer wenig trainiert, läuft nicht plötzlich Bestzeit. Also, mir ist das leider noch nie passiert ... Aber ich gehörte früher auch nie zu der o.g. Schülergruppe.

• Die nervösen „Zappler“, die scheinbar zum ersten Mal hier sind, und nervös von Bein zu Bein hüpfen und mit panischem Blick nochmal und nochmal zum Dixie-Land rennen.

• Die „Lauf-Anfänger“: Diese erkennt man auch häufig am Getränkegürtel, der so prall gefüllt ist, dass sie ihre Mitläufer direkt mitversorgen könnten.

• Die „Küsser“, die sich entweder gegenseitig nochmal knutschen bevor der Schweiß es ihnen verdirbt, oder aber die Familien-Küsser, die ihre treuen Fans am Rande nochmal knuddeln wollen. Dies sind übrigens auch meist Anfänger, denn nach dem dritten Wettkampf kommt eh keiner mehr mit. Manche knutschen auch während des Wettkampfs mit den Fans nochmal. Weil´s so schön ist.

• Die „Späten“, die noch panisch einen Platz für ihr Auto gesucht haben. Um dann mit ihrem Körbchen (Gruß an Gerd H. aus W.) im Arm über die Startabsperrung hüpfen und sich freudestrahlend, es doch noch geschafft zu haben, einreihen in die verrückte Läuferschar.

• Die „Zu-Früh-Kommer“, die es nicht erwarten können, die noch ein paar Kilometer einlaufen waren und nun ihre letzten Dehnübungen direkt vorne an der Startlinie absolvieren.

• Meine Allerliebsten: Die „Wühler“(meist Männer), die nochmal alles gerade wühlen, sei es oben- oder untenrum.

• Die “Schick(s)en“, die Haarmähne und Shirt nochmal richtig rücken und den Lippenstift nochmal nachziehen, fürs Ziel-Einlauf-Foto.

• Die „armen Kranken“, die von Husten und Magenproblemen allen (auch jenen, die es nicht interessiert) erzählen, um schon vorher eine Ausrede gehabt zu haben, falls es nicht läuft.

• Am Ende die „Profis“, die scheinbar gerade frisch aus der Kabine kommen und sich bauchfrei auch bei Kälte mit ihren durchtrainierten, sicher durch Aminosäuren gestärkten Körpern vor uns alle anderen direkt an die Startlinie stellen und dann mit Sonnenbrille cool ins Starter-Foto grinsen... bevor er endlich fällt: der heiß ersehnte Startschuss.

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (36) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (7), Fiete (5) und Oskar (3) wohnt mit ihrem Ehemann David in Capelle und läuft mittlerweile für den SV Herbern.

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