Laufkolumne von Anne Mertens: Der Sasse und die Anfängerfehler...

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Anne-Katrhin Mertens.

Am Sonntag war der Auftakt zur Winterlaufserie in Hamm. Zehn Kilometer. Erstmals starteten alle gemeinsam, und es wurde eng, aber nicht gemütlich. Aber vorweg: Samstag feierte ein Laufkollege seinen 50. und alle meine Vorsätze, nicht so wild zu feiern, waren dahin, als ich die Getränkekarte sah.

Es gab Sasse. Und überhaupt wird der Kollege ja auch nur einmal 50 und die Serie ist jedes Jahr. Und so oft wird man als Mutti auch nicht mehr zu Feiern eingeladen, höchstens mal zu einer Pinkelparty oder zu einem Kindergeburtstag – natürlich ohne Schnaps, obwohl man hin und wieder einen brauchen könnte.

Also feierte ich doch lieber kräftig mit. Sonntag gab’s die Quittung. Ich quälte mich aus den Federn, der Korn aus dem Hause Sasse lag schwer im Magen und vor allem im Kopf. Eine kalte Dusche – ja, auch vor dem Wettkampf – half mir auf die Beine. Im Auto nach Hamm war es leider nicht so ruhig, wie ich es gebraucht hätte. Denn alle quasselten von den wilden Tanzeinlagen am Abend vorher und erzählten alle durcheinander lustige Thekengeschichten. Laufkollege Roland hatte schon eine Ausrede parat, falls er nicht schnell genug war. Er war Blutspenden und anscheinend sogar zu schwach, die Autotür zu schließen. Zum Glück gibt’s noch Kollegen die aufpassen und die Tür dann nachher zudrückten. Sonst hätten wir eventuell noch nach Hause laufen müssen. In Hamm sah man wieder Hunderte athletische Läufer mit Tabletts voller Kuchen wild umher rennen. Die bunkerten schon mal, falls es nach dem Lauf nix mehr gibt. Im Startblock war mir noch etwas flau im Magen, außerdem vermisste ich den VanMan-Sprecher Jochen. Hatte er etwa auch Sasse-Kopf? Oder ist der etwa fremd gegangen und moderierte einen anderen Lauf? Okay, der Startschuss fiel auch ohne ihn und die ersten Kilometer pendelte ich mich so ein. Das war okay, mehr auch nicht.

Dann begannen die Anfängerfehler.

Nach Fehler eins am Vorabend, dem Schnaps nicht widerstehen zu können, folgte mitten in einer lustigen Quasselrunde bei Kilometer 2,5 der nächste Fehler. Von hinten brüllte einer: „Blondie hör auf zu sabbeln, dein Schuhband is offen“. Uähh, bücken, schnüren. Mist, ich war grad so schön in Fahrt. „Anfängerfehler! Jetzt aber ne Doppelschleife“, riet mir grinsend der Streckenposten. Ach ne, denke ich und renne weiter. Und wie immer wartete niemand der vorher doch so redseligen, scheinbar netten Herren auf mich. Fehler Nummer drei – nicht darauf hören, wenn jemand sagt: „Auf dem Hinweg ist Rückenwind, nachher wird´s hart – teilt euch die Kräfte ein“. Ach, das ist doch was für Anfänger. Am Wendepunkt wurde ich selbst einer.

Oller Gegenwind und der blutarme Roland war mir direkt auf den Fersen. Anstatt mir mal sein Schwimmer-Kreuz als Windschatten zu bieten, versteckte er sich feige hinter meinem Rücken. Wieder nix mit Gentleman. Ich glaube, ich erwarte einfach zu viel von den Kerlen. Eng war es auf der Strecke, einige haben auch gemeckert und drehen ja völlig durch. Ist wie beim Autofahren. Erst drängeln, dann überholen, und an der Ampel trifft man sich wieder. Beim Lauf war es genauso. Wilde Überholmanöver als ginge es um den Gesamtsieg, prollige Drängler und Schubser und dann? Spätestens an der Kanalbrücke bei Kilometer acht sah ich alle wieder und ein hämisches Grinsen beim Überholen konnte ich mir nicht verkneifen. Am Ende k... die Ente. Oder wie heißt das?

Endlich im Ziel, folgte der nächste Anfängerfehler: Wer zu lange rumquatscht, muss anstehen. Erst beim Zitronentee und, noch schlimmer, auch beim Duschen. Meine Damen, was war da unter den Duschen los? Wenn schon fünf Weiber anstehen, muss man dann eine maximaleKörperwäsche abziehen? Hat sie zuhause keine Dusche? Dass sie nicht gesungen und sich entspannt die Beine rasiert hat, war auch alles. Aber immerhin gab´s noch warmes Wasser. Und nachher im Auto gab es noch Lakritzpfötchen von Andi und ich war wieder etwas besänftigt. Der Schnaps war auch ausgeschwitzt und so freu ich mich auf den 15er. Leider auch mal wieder am Party-Wochenende. Helau, vielleicht mach ich blau.

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (37) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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