Laufkolumne von Anne Mertens: Von Jammeritis und Motzeritis...

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Doe Herberner Laufgruppe bei der Hammer Serie über 15 Kilometer mit der Blue Man Group und zwei Pink-Flamingos: (von links): Roland Klaves, Andi Hagenkötter-Börste, Anne Kaffeekanne Mertens, Eva Schumacher, Heiko Münster, Fatma Lewandovski, Kai Pfeffer und Petra Lenfers-Lücker

Nächster Lauf der Hammer Winterserie, 15 Kilometer standen am Sonntag an. Pünktlich zum Karneval. Am Freitag, auf einer jecken Feier bei Simonsmeier, hab ich gelernt: Die Deutschen haben zwei ganz besondere Krankheiten.

ie heißen Jammeritis und Motzeritis – sehr schön auch zu erkennen unter Läufern. Vor zwei Wochen, beim Zehner in Hamm, haben ja alle gemotzt, wie eng es war und dass ihre grandiosen Zielzeiten nicht zu erreichen waren aufgrund einer überfüllten Strecke. Läufer finden immer einen Grund, wenn es nicht läuft. Und nun, am Sonntag?!

Also ehrlich, wir hatten keinen Regen, keinen Schnee und wir hatten keine eisglatten Wege, wie es schon mal in Hamm war. Wir mussten auch nicht -zig Mal durch den Kurpark rennen. Darüber haben wir früher auch immer alle gejammert. Die neue Strecke ist schön, aber wir finden trotzdem was zu meckern: Wir hatten, jammer, jammer.... welch Wunder: Wind. Und wo? Natürlich auf dem Rückweg, wo man eh nicht mehr richtig kann.

Tja, aber das wussten wir alles vorher, denn auf dem Hinweg flogen mir meine Haare dermaßen von hinten nach vorn ins Gesicht, dass ich das Tempo drosselte, in der weisen Vorausahnung, dass es nachher richtig schlimm wird mit dem Gegenwind. Ich wunderte mich sowieso, warum alle wie die Irren an mir vorbei rannten auf den ersten Kilometern, bis mir einfiel dass ich mich dreist ziemlich weit vorne im Startblock positioniert hatte. Also waren das wohl die, die eh schneller waren als ich. Tja, und als ich da so umher trödelte, kam von hinten ein lauter Läufer, der ähnlich nervt wie die Spezies „laute Trampler“. Es kam ein Schnaufer. Ich meine: Hallo? Wir waren bei Kilometer fünf. Ich schaute den Mann (was sonst?) an und meinte: „Du, dir ist schon klar, dass wir noch ein paar Kilometer vor uns haben?“ „Ja, ja, sehr anstrengend heute. Puhh...“,

schnappatmete er in meine Richtung. Neben mir die Dame schüttelte auch nur den Kopf: „Männer.“ Jau. Olli, der Triathlonprofi,und hatte ganz andere Jammer-Probleme: SeineSchnürsenkel waren auf. Hehe, dachte ich, du als Ironman-Finisher-Profi. Besser er als ich. In unseren Vereins-Reihen hatten wir natürlich auch was zu meckern: Roland hatte schwere Beine von seinen Schwimmeskapaden, Andi fühlte sich wie ein Elefant, ich hatte zu viele Eierlikör-Berliner gefuttert. Fatmas Beinchen waren wie immer zu kurz. Allerdings war das auch von Vorteil, denn der böse Gegenwind flog über sie hinweg und sie hat kaum was davon gemerkt. Zum guten Schluss bekam ich im Ziel noch das Kompliment des Tages von einem Läufer: „Du Viech!!“ Mmh, okay. „Du Tier“ hab’ ich schon mal gehört im Zusammenhang mit meiner Laufgeschwindigkeit, aber das war neu. Was der bloß hat? Nur weil mich der Gegenwind auf dem Rückweg nicht gestört hat. Das nenne ich ja intelligente Renneinteilung ...oder so. Marcel vom TV Werne war übrigens der Einzige, der wirklich was zu jammern hatte: Ihm war vor dem Lauf eine Wasserflasche in der Tasche ausgelaufen und so war er der Einzige, der in nassen Klamotten laufen musste. In zwei Wochen beim Halbmarathon gibt´s sicher auch wieder viel zu jammern. Aber ohne mich, ich Jammerlappen bleibe zuhause. Das Geheule kann sich ja keiner anhören. Und dann zahlen die noch Geld dafür.

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (37) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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