Laufkolumne von Anne Mertens: „Ich will zurück nach Westerland“

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So geht’s auch: Anne-Kathrin auf Sylt. Mertens

Ach, hier war es windig am Wochenende, hab ich gehört? Da lache ich ja glatt mal drüber. Denn ich war beim Sylt-Lauf am Sonntag. Und da war es mal richtig schäbig. Einige Vereinskollegen waren schon donnerstags angereist und informierten uns vorab schon: Bringt genügend Wintersachen mit! Es ist rattenkalt.

Äh, was? Letzte Woche roch es doch so schön nach Frühling. Der Lauf geht 33,333 Kilometer einmal über die ganze Insel. Mit dem Bus geht’s zum Start nach Hörnum. Im Bus saßen nur Vermummte. Alle hatten mehrere Schichten Laufklamotten übereinander geschmissen, um keine einzige Körperstelle ungeschützt zu lassen. Nur frei waren die Augenschlitze, die ziemlich ängstlich drein schauten. In Hörnum angekommen, wollte niemand aus dem schützenden Bus aussteigen. Aber wir mussten ja raus.

Lauffreundin Andi hatte noch bis zuletzt die Hoffnung: Vielleicht wird alles abgesagt? Pfffft, es wird nie ein Lauf abgesagt. Außer es blitzt und donnert. Läufer sind einfach bekloppt. Und diesmal waren es etwa 600 Verrückte plus etliche Staffelläufer, die dem Sturm trotzten.

Ich muss sagen, es war wirklich der härteste Lauf, den ich überhaupt bisher gelaufen bin. Echt. Nicht übertrieben. Und ich bin kein Weichei. Nur manchmal.

Der Wind war richtig fies! Ich lief mit Vereinskollegen Heiko zusammen, er versuchte angeblich alles, um mir Windschatten zu geben – aber vergebens. Erstens ist der eher so ein „schmales Hemd“ und zweitens drehte der Wind gefühlt minütlich. Das einzige was geklappt hat, war dass wir uns ständig umrannten, weil einer zum anderen gepustet wurde. Die ersten 17 km waren noch ganz ok. Aber hinter Westerland – wir wussten es ja vorher – wurde es richtig ungemütlich. Landschaftlich durch die Dünen wirklich romantisch schön, aber kuscheln wollte da keiner – nur so schnell es ging irgendwie da durch. „Ich will zurück nach Westerland“, schoss mir ein Hit der „Ärzte“ durch den Kopf, aber umdrehen war irgendwann auch doof. Unterwegs gab es zum Glück und zur Aufheiterung Mini-Schokoküsse, Prinzenrolle und Gummibärchen!

Ach, das war schön. Hier weiß man, was Frauen wollen. Michael aus unserer Truppe hat hinterher erzählt, dass bei ihm die Schokoküsse innen gefroren waren und er überlegt nun, sich mal welche ins Eisfach zu legen, weil es so lecker war. Die letzten sieben Kilometer hab ich kein Wort mehr gesprochen, und das soll schon was heißen. Und die schöne Landschaft war mir auch mehr und mehr egal. Ich wollte nur noch endlich nach List, wo das Ziel wartete.

Nach 3 Stunden und zwölf schmerzhaften Minuten war der Spuk endlich vorbei. Lächelnd bin ich diesmal nicht ins Ziel gelaufen. Ich war einfach nur fertig. Aber immerhin hat´s nicht geregnet, meinte einer im Bus auf der Rückfahrt. Recht hatte er. Als wir am Montag morgen auf der schönen Insel erwachten, war herrlichstes Wetter. Zwar kalt, aber nicht ein Fünkchen Wind. Windstill. Man könnte meinen, wir wurden ein wenig vernatzt.

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (37) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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