Laufkolumne von Anne Mertens: Hopsen am Obsen

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Die Herbener Gruppe beim Halbmarathon in Nordkirchen.

Am Samstag fand der schönste Lauf im Nachbarsdorf Nordkirchen „Über´n Obsen hopsen“ statt. Da stehen dann auch mal Oma und Opa mit den Kids am Streckenrand, weil Mama sogar zweimal vorbeikommt – beim Halbmarathon.

Das Erste, was mir in Runde eins beim langen Stück raus zum Nordkirchender Tor auffiel, war ein leuchtendes Nike-Zeichen.

Es zierte das Hinterteil einer jungen blonden Läuferin. In meiner Gruppe von Läufern stellte ich klar: „Die Nike-Frau (wie wir sie ab da liebevoll nannten), die holen wir noch ein.“ Alle waren einverstanden. Ein gutes Ziel.

Für die Herren noch dazu nett anzuschauen.

Ein Typ neben mir, nennen wir ihn Björn, rannte ständig um die Pfützen rum. Ein „Um-Pfützen-Rumrenner“ ist so etwas wie ein „Im-Schatten-Parker“. Tss, gibt´s doch wohl nicht. Ich hab ihm nachher den Sieger des Laufs gezeigt – der war bis oben eingesaut mit Matsche. Das ist wohl der feine Unterschied. Immerhin waren Björns schicke Laufstrümpfe sauber.

Ab Kilometer sieben wurde unsere Gruppe durchaus ruhiger, die Nike-Frau kam näher. Das ganz kleine Dorf Südkirchen hatte sich rausgeputzt, viele ihren gemütlichen Grillabend vor das Haus verlegt. Sicher, um uns neidisch auf das Essen und kühles Bier zu machen oder einfach nur, um uns anzufeuern. Das taten sie nämlich kräftig. Der Stimmungspunkt „Obsen“ war wieder mal grandios, dort wurde auch so manches Getränk verschüttet.

Die erste Runde lief ich noch etwas verhalten, das ist der neue Ausdruck für getrödelt und zuviel gelabert. Aber die Gespräche mit Basti und Hans sowie Franz waren auch wichtig. Auf der zweiten Runde hab ich ein bisschen Gas gegeben,

mir fiel nämlich wieder ein, dass es immer leckere, selbstgebackene Kekse im Ziel gibt. Und bevor die alle weggefuttert werden... Zu Weihnachten kann ich die ja echt nicht mehr sehen, weil man damit zugeschmissen wird. Aber im Sommer ist Spritzgebäck doch mal eine willkommene Abwechslung zur Wassermelone.

Also hopp, an der Nike-Frau mal schnell vorbei und Ins Ziel reingelaufen. Eben allen anderen gratuliert und dann nix wie hin zur (noch) prall gefüllten Plätzchendose. Mit meinen Kindern, die jubelnd an der Strecke gestanden haben, bin ich noch so zwei bis dreimal hin zur Dose, die hatten natürlich Schmacht (wie immer). Am Ende waren die Kekse alle und ich musste keine Abendessen mehr machen. Läuft doch bei mir. Die Freude über den Pokal, den ich gewonnen habe, währte leider nicht lange. Denn kurze Zeit später kloppten sie meine zwei Jungs drum, wer ihn halten darf. Letztendlich steht er nun im Zimmer des Kleinsten. Er hat (wie immer) am Lautesten gebrüllt und seinen Willen bekommen. Nächstes mal bitte ich einfach um drei Pokale ( wegen drei Kinder) oder einfach statt Pokal um eine Extra-Dose Kekse.

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (36) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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