Laufkolumne von Anne Mertens: Die Hölle für eine Sabbelfutt...

Anne-Katrhin Mertens und Andrea Hagenkötter-Börste (rechts). - Archivfoto: Mertens

„Okay, jetzt ist sie völlig verrückt“, denken einige. Mein Mann inbegriffen! Weil: Sonntag war ich schon wieder Marathon laufen. Andi, meine Lauffreundin, hat es bis Münster im September nicht auf die Kette gekriegt und wollte doch so gerne noch einmal Marathon laufen in diesem Jahr!

Und in Essen war vor gefühlt hundert Jahren ihr Erster. Und weil Frauen weder zum Klo noch zum Marathon alleine gehen, hab ich mich auch angemeldet!

Mit Essen hatte auch ich noch eine Rechnung offen. Ich bin da doch 2007 – weil man es bequem nach einer Runde um den schönen (aber viel zu großen) Baldeneysee konnte – ausgestiegen! Kein Bock mehr gehabt und aua Beine. Und außerdem stand mein Auto in der Nähe.

Der Plan, damit das nicht noch einmal passiert: Wir laufen zusammen, bis eine Runde geschafft ist und keiner mehr flüchten kann! Hat geklappt.

Wir haben schön gequatscht, aber als ich bei Kilometer 22 mit den Themen Diät und Abnehmen anfing, hat Andrea mich verscheucht. Danach wurde es hart für mich. Zuschauer waren kaum da und die Läufer waren alle sehr still mit ihren schmerzenden Beinen beschäftigt. Keiner wollte mit mir reden! Es folgten also 20 Kilometer reinste Schweige-Folter! Die Hölle für eine Sabbelfutt wie mich. Ein Lichtblick! Da stand eine Cheerleadertruppe, doch als ich gerade jubelnd an ihrer tollen Tanz- und Showeinlage vorbeilaufen wollte, da machten sie: eine Pause. Die haben auch keine Ausdauer.

Zwischendurch traf ich gut gelaunte Streckenposten, die mit mir Tee, Cola und Iso trinken wollten und mir Bananen pellten. Aber ich konnte ja nie lange bleiben.

Ach ja, durch Kotze (darf man das hier schreiben?) bin ich gelaufen! Schön, oder...? Ich trete auch sonst immer in jeden Hundehaufen! Zieht mich magisch an. Überhaupt?! Wieso übergibt sich da einer? Wahrscheinlich, weil kein Zuschauer da war. Da schwindet die Hemmschwelle! Da bin ich mal ein paar Stunden ohne Kinder und muss trotzdem Erbrochenes sehen! Dafür zahle ich auch noch Startgeld...

Endlich im Ziel, und siehe da! Alle waren, weil endorphingeladen, total redseelig und wollten mir ihre Marathon-Geschichte erzählen! Endlich wieder quasseln! Habe Stefan von LT Bittermark sogar zu einem Selfie für meinen Blog überreden können – und Detlef war auch da! Wo soll der auch sonst sein?! Seiner Laufkollegin hab ich noch gratuliert und gefragt: „Oh, super, war das ihr erster Marathon?“ „Ach nein, mein 182.“ Ups, großes Fettnäpfchen. Da bin ich mit meinem Elften mal freiwillig ganz still geworden.

Andi kam auch glücklich an! Als Belohnung, dass ich mit ihr mitgefahren war, durfte ich ihr Auto zurückfahren. Und weil sie selbst „Körper“ hatte, also alles weh tat. Aber ein Knoppers hab ich unterwegs bekommen. Sie weiß was sich gehört. Und zuhause Pommes und Currywurst mit den Kindern ! Läuft doch.

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (36) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (8), Fiete (6) und Oskar (4) wohnt mit Ehemann David in Capelle und läuft für den SV Herbern.

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